Arbeitsmarkt: "Roboter sind nicht Fluch, sondern Segen"

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InterviewArbeitsmarkt: "Roboter sind nicht Fluch, sondern Segen"

von Kristin Schmidt

Personalexpertin Jutta Rump über die Vorzüge einer Berufsausbildung – und warum sich Arbeitnehmer nicht vor Robotern fürchten sollten.

WirtschaftsWoche Online: Frau Rump, viele Unternehmen suchen angeblich händeringend nach Informatikern und Ingenieuren. Sind das wirklich die größten Probleme am Arbeitsmarkt?
Frau Jutta Rump: Natürlich spürt die IT-Branche Fachkräfteengpässe deutlich. Aber ich sehe die weitaus dramatischeren Entwicklungen in der Gesundheitsbranche und bei den Erziehern.

Warum?
Vor allem die Gesundheitsbranche steht doppelt unter Druck. Wie überall schwinden durch den demografischen Wandel die Fachkräfte. Gleichzeitig wächst aber der Bedarf an Pflegepersonal. Ein weiteres Problem ist die hohe Zahl an Abiturienten, die jeder Jahrgang hervorbringt.

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Was ist daran problematisch?
Im Prinzip nichts. Aber die meisten Abiturienten wollen dann auch studieren...

...das ist doch klasse.
Einerseits schon. Andererseits beginnt kaum ein Abiturient eine Berufsausbildung – genau dort gibt es die größten Engpässe. Die Politik könnte etwa bei Erziehern duale Studiengänge einführen – mit dem Nachteil, dass die Lohnkosten steigen würden.

Jutta Rump Quelle: PR

Jutta Rump studierte BWL und Psychologie. Heute ist sie Professorin für Personalmanagement an der Hochschule Ludwigshafen.

Bild: PR

Das wiederum dürfte den Unternehmen nicht gefallen.
Genau. Deshalb müssen auch sie handeln. Viele sind bei der Suche nach Auszubildenden zu sehr auf Abiturienten fixiert. Das muss nicht sein. Außerdem sollten die Unternehmen besser aufklären: Viele junge Leute denken, sie bekämen mit einem Studium automatisch den besseren Job. Das stimmt nicht zwangsläufig. Wer eine Ausbildung in einer gefragten Fachrichtung absolviert, hat unter Umständen später bessere Wechselchancen und eine größere Arbeitsplatzsicherheit.

Für welche Unternehmen ist diese Strategie sinnvoll?
Vor allem für Mittelständler, denn Konzerne bekommen bislang ausreichend qualifiziertes Personal. Andernfalls greifen sie auf ihr globales Netzwerk zurück, verlagern ihren Standort oder die jeweilige Einheit ins Ausland. Mittelständler sind mehr an ihren Standort gebunden und fühlen sich der Region verpflichtet. Das kann aber auch ein Vorteil sein.

Inwiefern?
Ich nenne das Führen mit Familienanschluss. Die Mitarbeiter in kleinen Betrieben sind häufig mehr als eine Nummer. Sie sind Teil der Firma, oft über Jahrzehnte, kennen die Eigentümer persönlich. Das gefällt den Arbeitnehmern. Denn in solch schnelllebigen Zeiten ist die Sehnsucht nach Stabilität und Sicherheit besonders groß. Hinzu kommt: Durch die überschaubare Zahl an Mitarbeitern kennen Führungskräfte deren Stärken besser und können sie passgenau auf die richtige Stelle setzen.

Was Azubis von ihrer Ausbildung erwarten

  • 21 Prozent

    Laut der Studie „Azubi-Recruiting Trends 2015“ wollen sich 21 Prozent der Auszubildenden mit ihrer Lehre beziehungsweise ihrem späteren Job selbst verwirklichen.

  • 22 Prozent

    22 Prozent gehören zu den zweckorientierten Karrieristen, die den Beruf lernen, mit dem sich am schnellsten das meiste Geld verdienen lässt und wo es am schnellsten die Karriereleiter hinauf geht.

  • 57 Prozent

    Die Mehrheit sucht Spaß sowie Erfüllung im Beruf und möchten bei der Arbeit ihre Wertvorstellungen umsetzen.

Sind diese Faktoren auch für die junge Generation attraktiv?
Ja, natürlich. Und es kommt noch ein weiterer hinzu. Die sogenannte Generation Y hat vor allem ein Grundbedürfnis: Sie will einbezogen werden. Bei kleinen und mittleren Betrieben erhält der Nachwuchs oft früh Verantwortung, die Handlungsspielräume sind größer, der Informationsfluss transparenter. Das alles kostet den Mittelständler nichts. Er muss nur seine Stärken erkennen und kommunizieren.

Und dann kann er auch ausreichend Arbeitnehmer für sich begeistern?
Der Engpass verschwindet dadurch natürlich nicht automatisch. Aber die Mittelständler, die ihre Vorzüge betonen, haben bessere Chancen.

Die anhaltende Diskussion um den zunehmenden Einsatz von Robotern schürt bei einigen Menschen die Angst um ihren Arbeitsplatz. Ist diese Furcht berechtigt?
So schwarz würde ich das nicht sehen. Aber natürlich hat die Industrie gerade mit Blick auf den Fachkräftemangel großes Interesse an mehr Automatisierung. Und ich bin überzeugt, dass wir vor allem in der Produktion im Jahr 2025 deutlich weniger Fachkräfte brauchen als heute noch prognostiziert. Die Roboter werden also zumindest in bestimmten Berufen dafür sorgen, den Personalengpass zu entschärfen. Sie sind also nicht Fluch, sondern Segen.

Wie steht es mit dem Trend weg von Festangestellten hin zu mehr projektbezogenen Mitarbeitern. Sieht so das Arbeitsmodell der Zukunft aus?

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Das glaube ich nicht. Diese Form wird auch in ein paar Jahren nicht mehr als 20 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse ausmachen. Durch den demografischen Wandel haben die Arbeitnehmer eine ungeheure Macht, sie werden sich auf solche Spielchen nicht einlassen. Projektbezogen arbeiten, immer in neuen Teams – na klar. Aber nicht ohne unbefristeten Arbeitsvertrag. Denn Sicherheit wird auch den kommenden Generationen wichtig sein...

...zumindest die Generation Y muss sich keine Sorgen machen, wenn man den Unternehmen glaubt, die sie geradezu umschwärmen.
Fest steht: Diese Generation ist wirklich klasse ausgebildet und hat eine gute Ausgangslage. Und im Moment haben die Jungen eine tolle Verhandlungsbasis. Aber darauf dürfen sie sich niemals ausruhen. Eine solche Vollkaskomentalität ist gefährlich. Ein Abschwung oder eine bahnbrechende Technologie reichen, um den Arbeitsmarkt zu drehen.

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