Arbeitswelt: Ablenkungen fördern die Kreativität

Arbeitswelt: Ablenkungen fördern die Kreativität

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Ablenkung kann durchaus nützlich sein - und zwar nicht nur für den Mitarbeiter

von Daniel Rettig

Ein US-Psychologe ermuntert Angestellte zur gelegentlichen Zerstreuung. Laut einer neuen Studie machen kurze Ablenkungen kreativ.

Es soll immer noch Unternehmen geben, in denen die Angestellten das Internet nicht privat nutzen dürfen. Das Kalkül des Managements: Wer bei Facebook chattet oder E-Mails an die Freunde schreibt, verdaddelt wertvolle Arbeitszeit. Mumpitz! Denn es sind genau diese kleinen, aber feinen Ablenkungen, die die Angestellten brauchen. Mehr noch: Solche kurzen Zerstreuungen können sogar die Kreativität fördern.

Dieses Fazit zieht Benjamin Baird, Doktorand an der Universität von Kalifornien in Santa Barbara, in einer neuen Studie, die bald im Fachjournal "Psychological Science" erscheint. 145 Freiwillige im Alter zwischen 19 und 32 sollten dafür einen Kreativitätstest lösen. Dabei sollten sie zu einem Wort, etwa "Backstein", möglichst viele Einsatzmöglichkeiten notieren. Denkbar wäre zum Beispiel: als Briefbeschwerer, Türstopper oder Waffe.

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Nach zwei Minuten stoppte Baird die Übung und unterteilte die Freiwilligen zufällig in vier Gruppen: Die einen durften zwölf Minuten nichts tun, die anderen setzten sich sofort an den nächsten Test. Die dritte Gruppe bekam eine andere Aufgabe gestellt, die ihre volle Aufmerksamkeit forderte. Und der vierten legte Baird einen eher simplen Test vor.

Auf einem Bildschirm sahen sie Ziffern von eins bis neun, sie mussten nur sagen, ob die Zahl gerade oder ungerade war. Aus früheren Studien ist bekannt, dass diese Aufgabe die Teilnehmer zu Tagträumen verleitet. Denn er beschäftigt sie zwar eine Weile lang, ist aber zu simpel, um ihre mentalen Ressourcen voll auszuschöpfen.

Im Anschluss setzte Baird alle vier Gruppen wieder an die Ursprungsaufgabe. Die Hälfte aller Teilnehmer bekam neue Begriffe vorgelegt, die andere Hälfte die Begriffe vom ersten Mal. Mit anderen Worten: Letztere beschäftigten sich mit demselben Problem.

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Und siehe da: Wer die Zwischenzeit mit einer simplen Aufgabe verbracht hatte, konnten seine Leistung erheblich steigern – und zwar um durchschnittlich 41 Prozent! Allerdings nur dann, wenn er denselben Begriff vorgesetzt bekam. Alle anderen Gruppen blieben konstant, egal ob bei alten oder neuen Begriffen.

„Wenn wir uns ablenken und die Gedanken schweifen lassen, fördern wir damit unsere Kreativität“, sagt Baird. Vermutlich verknüpfen solche Tagträume verschiedene Gehirnregionen miteinander und bringen uns erst auf neue Ideen für alte Probleme. Ein weiteres Plädoyer dafür, warum Unternehmen ihren Angestellten Zeit zur Entfaltung gönnen sollten.

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