Arbeitszeit-Debatte: Chancen und Risiken flexibler Arbeitszeit

Arbeitszeit-Debatte: Chancen und Risiken flexibler Arbeitszeit

Acht-Stunden-Tag adé? Dieses Jahr wurde viel über Arbeitszeit diskutiert und darüber, wie sie über Tag und Woche verteilt ist. Die Digitalisierung eröffnet viele Möglichkeiten. Doch Freiheit kann zum Nachteil werden.

Nachmittags frei machen, mit den Kindern in den Zoo oder ins Schwimmbad gehen und die restliche Arbeit abends im Home-Office erledigen. Mancherorts in Deutschland ist der klassische Acht-Stunden-Tag, montags bis freitags von neun bis fünf, schon zum Auslaufmodell geworden. Immer mehr Menschen sind abends und am Wochenende im Job aktiv. Längst lässt sich vieles mit Laptop und Smartphone außerhalb der Firma zuhause oder im Café erledigen. In diesen Zeiten streben Arbeitnehmer und auch Unternehmer nach einer flexibleren Verteilung der Arbeitszeit - mit ganz unterschiedlichen Zielen. Diese verschiedenen Wünsche unter einen Hut zu bringen, ist eine Herausforderung, nicht nur für 2016.

Den Arbeitnehmern geht es vor allem um mehr persönliche Freiheit. „Immer mehr Arbeitnehmer wollen mit entscheiden, wie sie arbeiten“, sagt Marta Böning, Arbeitsrechtsexpertin beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Viele hoffen, so Beruf und Privatleben besser vereinbaren zu können. Vor allem Eltern kämpfen häufig mit starren Vollzeit- oder Teilzeitmodellen. „Den klassischen Alleinverdiener gibt es immer seltener, es ist ganz normal geworden, dass auch die Frau arbeitet“, sagt Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

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Arbeitszeitmodelle für Familien

  • Teilzeit

    Das beliebteste Arbeitszeitmodell in deutschen Unternehmen für Mütter und Väter ist die Teilzeitarbeit. 79,2 Prozent der deutschen Unternehmen bieten Eltern dieses Modell an.

  • Individuelle Arbeitszeiten

    Ganz individuelle Arbeitszeiten können sich Arbeitnehmer mit Kindern in 72,8 Prozent der deutschen Unternehmen nehmen.

  • Flexible Tages- oder Wochenarbeitszeit

    Die flexible Einteilung der Arbeitszeit innerhalb eines Tages oder einer Woche bieten 70,2 Prozent der deutschen Unternehmen Müttern und Vätern an.

  • Keine Arbeitszeitkontrolle

    46,2 Prozent der deutschen Unternehmen überlassen ihren Mitarbeitern die Planung und Einhaltung ihrer Arbeitszeit und Ergebnisse selbst: Es gibt keine Arbeitszeitkontrolle.

  • Flexible Jahres- oder Lebensarbeitszeit

    Die Arbeit etwa über ein Jahr hinweg individuell und flexibel gestalten können Mitarbeiter mit Familie in 28,3 Prozent der deutschen Unternehmen.

  • Telearbeit

    21,9 Prozent der deutschen Unternehmen erlauben Eltern, ihre Arbeit vom eigenen Schreibtisch aus zu erledigen.

  • Jobsharing

    Jobsharing bieten 20,4 Prozent der deutschen Unternehmen ihren Müttern und Vätern unter den Arbeitnehmern.

  • Sabbaticals

    16,1 Prozent der deutschen Unternehmen bieten Eltern Zeit für Sabbaticals an.

Dies könne der Fall sein, wenn ein Einkommen nicht für die ganze Familie reiche, aber auch die Rollenbilder veränderten sich. „Die Väter wollen sich mehr einbringen und mehr Zeit mit den Kindern verbringen. Berufliches Kürzertreten zeigt sich aber bisher wenig.“ Zugleich seien in den vergangenen Jahren sehr viele Frauen in den Job zurückgekommen, vor allem aber in Teilzeit. „Der Wunsch der Frauen, mehr zu arbeiten, ist da“, sagt Yvonne Lott, Arbeitsmarktforscherin bei der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Dies sei mit flexiblen Arbeitsmodellen besser möglich. Zudem fallen zum Beispiel beim Home-Office lästige Pendelzeiten weg.

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Doch mobiles Arbeiten und freie Zeiteinteilung sind nicht in jeder Branche und für jeden einzelnen Arbeitsplatz geeignet - und auch nicht für jeden Arbeitnehmer. „Die klare Trennung von Job und Privatleben wird durch flexible Arbeitszeiten aufgeweicht. Das Risiko ist, dass das Berufliche überhandnimmt“, gibt Weber zu bedenken. Hier müsse vor allem auf die individuelle Situation der Beschäftigten Rücksicht genommen werden. „Der eine sitzt spätabends noch begeistert da, der andere fühlt sich dadurch enorm unter Stress gesetzt.“

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