Arbeitszeit: Der Traum vom arbeitsfreien Sonntag

Arbeitszeit: Der Traum vom arbeitsfreien Sonntag

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Immer wieder zieht die Gewerkschaft Verdi gegen die Ladenöffnungen an Sonntagen vor Gericht.

"Samstags gehört Vati mir": 1955 prägte der DGB diesen Slogan im Kampf um Arbeitszeitverkürzung und hatte Erfolg. Seit 2006 kämpft die "Allianz für den freien Sonntag" für etwas Ähnliches - mit immer geringeren Chancen.

Am 17. Februar tagt die "Allianz für den freien Sonntag" in Berlin. Die Marschrichtung der Allianz verrät eigentlich schon der Name, zur Not löst ein Blick auf die Homepage das Rätsel: "Seit Jahren vollzieht sich eine schleichende Aushöhlung des Sonn- und Feiertagsschutzes. Immer mehr Wirtschaftsbereiche werden für die Arbeit an diesen Tagen vereinnahmt. Dieser Entwicklung zur "Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft" stellen wir uns entgegen", heißt es da. "Wir fördern den freien Sonntag als gemeinsamen Zeitanker für die Menschen."

Schaut man sich an, wer Teil der Allianz ist, scheint die Sache klar: die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung, der Bundesverband Evangelischer Arbeitnehmerorganisationen, die Katholische Betriebsseelsorge, der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt der EKD fordern, dass am Sonntag gebetet wird, anstatt malocht. Wenn selbst Gott einen Tag zum Verschnaufen braucht, braucht seine Schöpfung den erst Recht.

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39,6 Prozent arbeiten auch am Sonntag

Allerdings ist auch die Gewerkschaft Verdi Teil des Ganzen und die vertritt nicht nur gläubige Christen, sondern auch Atheisten. Also ist der Vorwurf, dass die Kirchen auf diesem Wege versuchen, ihre Häuser vollzukriegen, vermutlich zu kurz gedacht.

Der Blick auf die Zahlen zeigt: Sonntags zu arbeiten ist keine Seltenheit in Deutschland: Bei einer Umfrage unter 10.358 Arbeitnehmern zum Vorkommen von Sonntagsarbeit in Deutschland sagten 39,6 Prozent, dass sie durchaus sonntags arbeiten.



Dabei sagt das Arbeitszeitgesetz zum Thema Arbeiten an Sonn- und Feiertagen ganz klar: Es darf nur gearbeitet werden, wenn andernfalls die öffentliche Ordnung zusammenbricht. Diese Menschen, ohne die auch sonntags nichts funktioniert, sind laut Gesetz:

  • Not- und Rettungsdienste
  • Feuerwehrleute
  • Polizisten
  • Soldaten
  • Ärzte
  • (Alten-)Pfleger und Krankenschwestern
  • Sicherheits- und Wachdienste
  • Journalisten, Kameraleute, Fotografen, Tontechniker, Setzer und Drucker
  • Hotelangestellte und andere Gastronomen
  • Künstler, Musiker, Schauspieler und Filmvorführer
  • Reinigungskräfte
  • Beschäftigte aus der Tourismusbranche
  • Sportler und alle in Sport-, Freizeit-, Erholungs- und Vergnügungseinrichtungen Beschäftigten
  • Angestellte in Museen, bei Messen und Märkten sowie Volksfesten
    Bus- und Bahnfahrer plus die dazugehörigen Ticket-Kontrolleure sowie Taxifahrer
  • Lkw-Fahrer, die verderbliche Waren transportieren und allgemein jeder, dessen Arbeit "misslingt" im Sinne von verschimmelt, wenn er aufhört zu arbeiten
  • Angestellte in den Energie- und Wasserversorgungsbetrieben sowie in Abfall- und Abwasserentsorgungsbetrieben
  • Tierpfleger und Landwirte - also alle, von denen die Versorgung von Tieren abhängt
  • Menschen, die es zur Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit von Datennetzen und Rechnersystemen braucht
  • Forscher, die kontinuierlich forschen müssen
  • Bäcker und Bäckereifachverkäufer(innen), die allerdings nur bis zu drei Stunden
  • und selbstverständlich auch Pastoren, Pfarrer und andere Beschäftigte der Kirchen, Religionsgesellschaften, Verbände, Vereine, Parteien und anderer ähnlicher Vereinigungen

Wenn man sich diese Liste anschaut, anschaut, wer laut Gesetz alles zu dieser Gruppe überlebensnotwendiger Sonntagsarbeiter gehört, bleibt eigentlich kaum noch jemand übrig, dem man das Arbeiten verbieten könnte.


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Für die Allianz ein Grund zur Freude: "Es dreht sich was beim Sonntagsschutz" ist das Thema der aktuellen Tagung. Denn den Callcenter-Betreibern, Amazon und den Videotheken haben Verdi und verschiedene Arbeitsgerichte schon einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wenn beim Buchen der Urlaubsreise, beim Online-Banking oder bei der Amazon-Bestellung etwas schief geht, muss der Kunde also bis Montag warten, bis er sich beschweren kann.

Darüber ärgern kann man sich als Kunde ja gerne im Kino, im Restaurant oder auf der heimischen Couch mit der Pizza vom Lieferdienst.

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