Arbeitszeit: Nahles will mehr Teilzeit für Männer

Arbeitszeit: Nahles will mehr Teilzeit für Männer

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Nahles will mehr Männer zu Teilzeit ermutigen.

Eine Umverteilung der Arbeit von Männern zu Frauen ist ein Ziel eines umstrittenen Gesetzentwurfs von Andrea Nahles. Doch für die Ministerin ist es nur ein Schritt für weitere Reformen bei der Arbeitszeit.

Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD) will eine größere Verbreitung von Teilzeitarbeit bei Männern erreichen. „Ich sehe den Anspruch auf befristete Teilzeit auch als Beitrag dafür, Männer zur Teilzeit zu ermutigen oder wenigstens zur Reduktion der Arbeitszeit“, sagte Nahles bei einer Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Nahles hatte einen Gesetzentwurf vorgelegt, nach dem Beschäftigte zeitlich befristet in Teilzeit arbeiten können - und danach wieder zu ihrer vollen Arbeitszeit zurückkehren dürfen. Das Recht soll in Betrieben ab 15 Beschäftigten greifen, ab sechsmonatigem Bestehen des Arbeitsverhältnisses und auf Antrag drei Monate vorher.

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Wenn Männer weniger arbeiten, können Frauen mehr arbeiten

Frauen könnten laut Nahles oft mehr arbeiten, wenn die Männer etwas weniger arbeiten und mehr Familienpflichten übernehmen. Viele Männer wollten das auch. Ein Drittel der Teilzeitbeschäftigten würde umgekehrt gern länger arbeiten, meist Frauen. „Wenn Männer nicht mehr fürchten müssen, aus der Teilzeit nicht wieder herauszukommen, wäre damit auch eine hohe Hürde abgebaut.“

In welchen Branchen sich Teilzeitarbeit für Männer lohnt - und in welchen nicht

  • Wasserversorgung, Abfallentsorgung

    In der Wasserversorgung und Abfallentsorgung lohnt es sich für Männer, in Teilzeit zu arbeiten. Sie verdienen im Schnitt nur 25 Prozent weniger als in Vollzeit. (Teilzeit: 2398 Euro, Vollzeit: 3213 Euro)

    Quelle: Adzuna-Studie, basierend auf einer Analyse der Verdienste und Arbeitskosten - Fachserie 16 Reihe 2.1, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2015

  • Energieversorgung

    In der Energieversorgung bekommen Männer in Vollzeit brutto 4793 Euro und in Teilzeit 3473 Euro. Das sind in Teilzeit 28 Prozent weniger als in Vollzeit.

  • Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung

    Auch in der öffentlichen Verwaltung lohnt es sich für Männer, Teilzeit zu arbeiten. 2645 Euro gibt es dafür, in Vollzeit sind es 3696 Euro.

  • Verarbeitendes Gewerbe

    In Teilzeit bekommen Männer im verarbeitenden Gewerbe 2764 Euro, in Vollzeit 3991 Euro.

  • Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden

    In Vollzeit verdienen Männer im Bergbau 3968 Euro. In Teilzeit sind es 2546 Euro.

  • Finanz- und Versicherungsdienstleistungen

    In der Finanzdienstleistungsbranche verdienen männliche Angestellte im Schnitt 5362 Euro im Monat, in Teilzeit sind es 3369 Euro.

  • Verkehr und Lagerei

    Im Verkehr und in der Lagerei verdienen Männer in Teilzeit 1747 Euro, in Vollzeit 2948 Euro.

  • Information und Kommunikation

    Gut verdienen können Männer auch in der Information und Kommunikation. In Vollzeit gibt es 5039 Euro brutto im Monat, in Teilzeit 2816 Euro brutto.

  • Baugewerbe

    In Vollzeit gibt es für Männer im Baugewerbe 2994 Euro im Monat, in Teilzeit sind es 1541 Euro im Monat.

  • Gesundheits- und Sozialwesen

    Im Gesundheits- und Sozialwesen verdienen Männer 4320 Euro im Monat, arbeiten sie Vollzeit, und 2221 Euro im Monat, arbeiten sie Teilzeit.

  • Kunst, Unterhaltung und Erholung

    Kunst, Unterhaltung und Erholung: In diesen Branchen bekommen Männer 3955 für einen Monat Vollzeitarbeit und 1992 Euro für einen Monat Teilzeitarbeit.

  • Freiberufliche, wissenschaftliche, technische Dienstleistungen

    Männliche Freiberufler verdienen 2356 Euro in Teilzeit und 4843 Euro in Vollzeit.

  • Erziehung und Unterricht

    In Erziehung und Unterricht verdienen männliche Angestellte 52 Prozent weniger, wenn sie in Teilzeit arbeiten. Teilzeit: 2180 Euro, Vollzeit: 4500 Euro.

  • Gastgewerbe

    Wenn sie in Teilzeit arbeiten, verdienen Männer im Gastgewerbe 54 Prozent weniger, als wenn sie in Vollzeit arbeiten. Teilzeit: 1077 Euro im Monat, Vollzeit: 2321 Euro im Monat.

  • Handel

    1599 Euro verdient ein männlicher Mitarbeiter im Handel in Teilzeit, 3536 Euro in Vollzeit. Das sind 55 Prozent weniger Verdienst bei Teilzeitarbeit.

  • Grundstücks- und Wohnungswesen

    Im Grundstücks- und Wohnungswesen verdienen Männer in Teilzeit 1793 Euro, in Vollzeit 4173 Euro. 57 Prozent geringer ist der Teilzeitverdienst damit gegenüber dem Vollzeitverdienst.

Die Arbeitgeber hatten die Gesetzespläne heftig als Eingriff in ihre Rechte kritisiert. DGB-Chef Reiner Hoffmann lobte sie im Grundsatz und zeigte sich zuversichtlich, dass das Gesetz nach heftigen parlamentarischen Debatten am Ende auch kommen werde.

Nahles machte deutlich, dass ihr Teilzeit-Gesetzentwurf nur ein erster Schritt für eine weitergehende Umgestaltung der Arbeitszeit sein soll: „Es ist für mich ein entscheidender Schritt in Richtung Wahlarbeitszeit.“ Sicherheit der Beschäftigten solle mit mehr souveräner Einteilung der Zeit kombiniert werden. Schichtarbeit und feste Zeiten könnten für Beschäftigte auch zu eng sein. „Raus aus dem Takt und rein in den eigenen Rhythmus - genau das ist die Linie“, umschrieb Nahles ihr Ziel.

Das Experiment mit der Zeit

Dazu sollten Firmen nun nach Absprache zwischen den Tarifpartnern in einer Experimentierphase vom Arbeitszeitgesetz abweichen können, bekräftigte Nahles. Derzeit laufe ein Auswahlprozess zu den teilnehmenden Unternehmen. Diese „Experimentierräume“ würden dann über eine längere Dauer - mindestens zwei Jahre - offenstehen. „Wenn es sich bewährt, können wir über weitere Schritte nachdenken, wenn nicht, dann nicht“, sagte Nahles. „Ich bin der festen Überzeugung, dass die gesetzlichen Regelungen zu den Ruhezeiten und den Tageshöchstarbeitszeiten teilweise den Interessen der Beschäftigten entgegenstehen“, sagte Nahles. „Ich bin Mutter einer sechsjährigen Tochter, mein Büroleiter hat vier Kinder. Wir arbeiten alle irgendwie so“, sagte sie, also angepasst auch an die familiären Pflichten.

Wenn die Sozialpartner nun neue Arbeitszeitgestaltungen ausprobieren, seien aber dennoch klare Grenzen nötig - „vor allem für die maximale Länge der Arbeitszeit“. Es müsse auch eine gesicherte Ruhezeit geben. Hoffmann kritisierte die geplante Experimentierklausel. Eine Verlängerung der täglichen Höchstarbeitszeit könne von interessierter Seite missbraucht werden, sagte er.

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