Auf der Suche nach neuen Mitarbeitern: Unternehmen locken Mitarbeiter mit Videospielen

Auf der Suche nach neuen Mitarbeitern: Unternehmen locken Mitarbeiter mit Videospielen

, aktualisiert 18. August 2012, 11:18 Uhr
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Virtuelle Spiele könnten bald zur Plattform für das Recruiting in der realen Welt werden.

von Andreas SchulteQuelle:Handelsblatt Online

Auf der Suche nach den besten Bewerbern setzen Unternehmen immer mehr auf soziale Netzwerke – die helfen allerdings bislang wenig. Stattdessen könnten virtuelle Spiele bald zur realen Recruiting-Plattform in der realen Welt werden.

KölnFelgen polieren, Logos überprüfen, Wohnmobile entwickeln: So lautet die ungewöhnliche Ingenieurslaufbahn bei Daimler - zumindest im virtuellen Karrierespiel Fliplife. Dort ist der Autobauer ein beliebter Arbeitgeber: Binnen 30 Tagen nach dem Start der Daimler-Seite in Fliplife heuerten mehr als 2000 Online-Ingenieure an.

Noch nutzt Daimler die Plattform nicht für das Recruiting in der realen Welt, doch das könnte sich ändern: Nach den Plänen der Spielemacher sollen die Nutzer künftig auch echte Projekte der teilnehmenden Firmen bearbeiten.

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Auf der Suche nach Fachkräften gehen Firmen neue Wege im Internet: In Netzwerken wie Xing oder Facebook hat fast jeder Mittelständler bereits einen Auftritt. Bei der Personalwerbung hilft das jedoch wenig: „Messbare Erfolge im Social Recruiting können nur wenige Unternehmen aufweisen“, sagt Florian Schreckenbach.

Der Geschäftsführer der Kommunikationsberatung Embrander benennt damit ein Ergebnis einer aktuellen Studie, die er mit der Hochschule Rhein-Main verfasst hat. „Soziale Netzwerke sind nur ein Teil einer Personalmarketing-Strategie, aber den entscheidenden neuen Kanal gibt es noch nicht“, sagt er.

Einige Arbeitgeber werfen daher gleich an mehreren Stellen im Internet ihre Angeln aus. Wie Daimler ködert Marriott Kandidaten über ein Computerspiel. My Marriott Hotel bietet eine Auswahl an Jobs in der Hotelkette an. Wem dann der Umgang mit dem virtuellen Staubwedel gut gefällt, gelangt per Mausklick zur Jobseite von Marriott.


Chancen durch Crowdsourcing

Das Spiel nutzt Daten von Facebook, findet aber auf einer anderen Plattform statt. „Soziale Netzwerke bieten kaum Raum zur Unternehmensdarstellung“, sagt Claudia Pelzer, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Crowdsourcing Verbands. „Zur Herausbildung der Arbeitgebermarke und zum Recruiting wenden sich Firmen Plattformen zu, auf denen sie sich detaillierter und emotionaler darstellen können.“

„Gamification“, also die Einbettung der Arbeitgebermarke in ein Spiel, ist nur ein Ansatz bei der Personalsuche übers Internet. Ein anderer besteht darin, viele kleine Jobs an die Onlinegemeinde auszulagern. Sogenannte Crowdsourcing-Portale werben mit Offenheit: Bei Elance etwa können sich Fachkräfte von ihrem Arbeitgeber bewerten lassen. Die Beurteilung hilft dem nächsten Auftraggeber bei der Auswahl. Ob jemand einen Job gut erledigt, lässt sich per Webcam beobachten. „Solche Personalbeschaffungsmethoden tragen der Tatsache Rechnung, dass sich viele Jobber nicht mehr anstellen lassen wollen“, sagt Pelzer.

Auch bei der Suche nach Bewerbern für Festanstellungen bietet das Netz neue Chancen. Das Portal Advisemejobs, das ab Mai Arbeitsstellen vermitteln will, verlegt das Headhunting ins Internet. Firmen schreiben hier eine Stellenanzeige samt Kopfprämie aus. Sogenannte Scouts leiten sie in die eigenen Netzwerke weiter. Dort verbreitet sich das Angebot im Schneeballsystem. Kommt ein Arbeitsvertrag zwischen Unternehmen und Bewerber zustande, teilen sich die Mitglieder der Kette das Kopfgeld.

Betreiber des Portals ist die Grazer Beratung „Menschen im Vertrieb“. Um starten zu können, braucht Geschäftsführer Hans Bachinger nach eigenen Angaben 5000 bis 6000 Scouts. Bisher sind es einige Hundert. Zur Zielgruppe gehören vor allem Mittelständler. „Wir wollen Hidden Champions mit hohem Spezialisierungsgrad ansprechen“, sagt Bachinger.

Geht es nach Ricardo Büttner, sollen Arbeitgeber durch das Netz sogar die zu ihnen passenden Charaktere finden. „Psychologen haben herausgefunden, dass sich Persönlichkeitseigenschaften von Menschen im Verhalten in den sozialen Netzen widerspiegeln“, sagt der Wirtschaftsinformatiker. Er entwickelt an der Hochschule für Ökonomie und Management in München eine Software, die soziale Netzwerke analysiert. So lässt sich aus einem umfangreichen Facebook-Profil eine Neigung zur Extrovertiertheit ableiten. Die Wortwahl in Postings gebe Aufschluss über die Person, ebenso die Anzahl der Freunde im Netzwerk, sagt Büttner. Seine Vision: „Am Ende steht die Information, ob ein Kandidat besser zu BMW oder zu Opel passt.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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