Auskunftsrecht: Transparenz soll Lohnabstand von Frauen verringern

Auskunftsrecht: Transparenz soll Lohnabstand von Frauen verringern

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Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig

Die Bundesregierung will den Lohnabstand zwischen Männern und Frauen verringern. Deswegen bekommen Beschäftigte ein Auskunftsrecht zum Lohnvergleich. Arbeitgeber halten das für überflüssig.

Die Bundesregierung will den Unternehmen größere Transparenz bei der Bezahlung ihrer Beschäftigten verordnen, um den Lohnabstand von Frauen zu verringern. "Das ist ein ganz wichtiges Gesetz für die Schließung der Lohnlücke", sagte Familienministerin Manuela Schwesig (SPD). Nach über einem Jahr Streit passierte der Gesetzentwurf das Kabinett. Schwesig setzt auf eine Verabschiedung im Bundestag noch vor der Wahl im Herbst. Etwa 14 Millionen Beschäftigte in den Unternehmen mit über 200 Mitarbeitern erhalten ein Auskunftsrecht, was eine vergleichbare Gruppe des anderen Geschlechts verdient. Die Arbeitgeber halten das Vorhaben für überflüssig. Gewerkschaften und der Linkspartei gehen die Vorschläge dagegen nicht weit genug.

"Es geht nicht darum, den Lohnzettel des Kollegen einzusehen", sagte Schwesig. "Es geht darum, mit einem Tabu zu brechen: Über Geld redet man nicht." Sie verwies darauf, dass Frauen im Jahr 2015 nach Angaben der Statistiker im Schnitt 21 Prozent weniger verdienten als Männer. Wenn man berücksichtigt, dass sie öfter Teilzeit arbeiten, seltener in Führungspositionen aufsteigen und stärker in sozialen Berufen mit geringeren Verdiensten arbeiten, beträgt die Lücke noch sieben Prozent.

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In dem Gesetz wird laut Schwesig das Prinzip "gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit" verankert. Neben dem Auskunftsrecht, welches Gehalt eine vergleichbare Personengruppe erhält, sollen Unternehmen mit über 500 Beschäftigten regelmäßig über den Stand der Entgeltgleichheit berichten. Private Unternehmen dieser Größenordnung werden zudem aufgefordert, ihre Lohnstrukturen auf die Entgeltgleichheit zu überprüfen.

Die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern

  • Wie werden die 22 Prozent errechnet?

    Die Berechnung stützt sich allein auf den durchschnittlichen Stundenlohn. Aus den 22 Prozent lässt sich also nicht ableiten, dass alle Frauen in Deutschland 22 Prozent weniger als Männer verdienen. Die Qualifikation der Beschäftigten und ob sie Voll- oder Teilzeit arbeiten, wird nicht berücksichtigt. Daran stören sich Kritiker. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall wendet zum Beispiel ein, die Berechnung sei „kein Indikator für mögliche Diskriminierung, denn er vergleicht eben gerade nicht vergleichbare Tätigkeiten miteinander“.

  • Warum gibt es die Ungleichheit?

    Die Statistiker führen rund zwei Drittel der Differenz darauf zurück, dass Frauen in eher schlechter bezahlten Berufen tätig sind - zum Beispiel als Reinigungskraft (Frauenanteil 85 Prozent) oder Verkäuferin (73 Prozent). Deutlich mehr Frauen als Männer arbeiten in Teilzeit, deutlich weniger in höheren Führungsebenen.

    Das letzte Drittel der Lohnlücke zwischen den Geschlechtern lässt sich daraus aber nicht erklären: Dem Statistischen Bundesamt zufolge verdienen Frauen auch bei ähnlicher Tätigkeit und Qualifikation im Schnitt sieben Prozent weniger pro Stunde als ihre männlichen Kollegen. Das wird unter anderem damit erklärt, dass Frauen häufiger eine Auszeit vom Beruf nehmen - um sich um Kinder zu kümmern oder Angehörige zu pflegen. Und sie treten bei Gehaltsverhandlungen anders auf.

  • Wie schneidet Deutschland im europäischen Vergleich ab?

    Denkbar schlecht. EU-weit betrug der Rückstand 2013 lediglich 16 Prozent. In Slowenien zum Beispiel verdienten Frauen im Schnitt 3,2 Prozent weniger als Männer, in Italien 7,3 Prozent. Nur in Estland (30 Prozent), Österreich (23 Prozent) und Tschechien (22 Prozent) war die Lücke noch größer als hierzulande.

  • Wird die Lücke durch den Mindestlohn korrigiert?

    Davon gehen Experten zumindest aus. „Wenn der Mindestlohn eingehalten wird, werden Frauen davon profitieren, weil eben der größere Teil derjenigen, die unter 8,50 Euro verdient haben, Frauen waren“, sagt Christina Klenner vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Auch Hermann Gartner vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erwartet einen solchen Effekt. Erhebungen gibt es aber noch nicht.

  • Wie soll die Ungleichheit sonst noch überwunden werden?

    Union und SPD haben sich in ihrem Koalitionsvertrag darauf festgelegt, die Entwicklung zumindest abzumildern. Ein Ziel ist demnach, dass Unternehmen ab 500 Beschäftigte künftig transparenter machen sollen, was Frauen und Männer verdienen. Einen Gesetzesentwurf gibt es allerdings noch nicht.

Schwesig sprach die Erwartung aus, dass ihr Gesetzentwurf ähnliche Bewegung in das Bestreben der beruflichen Gleichstellung von Frauen bringe wie die Geschlechterquote für mehr Frauen in Führungspositionen. Seit Anfang 2016 sind rund 100 börsennotierte, voll mitbestimmungspflichtige Firmen verpflichtet, bei der Neubesetzung von Aufsichtsräten einen Frauenanteil von mindestens 30 Prozent sicherzustellen. "Die Geschlechterquote für Aufsichtsräte zeigt eine erste Wirkung", sagte die Expertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Elke Holst. Dort stieg der Frauenanteil um gut vier Prozentpunkte auf mehr als 27 Prozent. Die Führungsetagen blieben aber eine Männerdomäne.

Die Arbeitgeber begrüßten, dass der Gesetzentwurf im Vergleich zu den ursprünglichen Plänen Schwesigs abgeschwächt wurde. Dennoch bleibe er bürokratisch "und erreicht nicht das Ziel, bessere Karrierechancen für Frauen zu schaffen", erklärte Arbeitgeber-Präsident Ingo Kramer. Dazu sei vor allem ein flächendeckender Ausbau der Ganztags-Kinderbetreuung nötig.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) appellierte an den Bundestag, zumindest für Betriebe mit über 500 Beschäftigten ein Prüfverfahren verbindlich vorzuschreiben und es nicht bei der bloßen Aufforderung im Gesetzentwurf zu belassen. Auch die Linksfraktion kritisierte, dass es "nicht einmal verpflichtende Lohnvergleichsverfahren" gebe. Das Gesetz "gaukelt eine Lösung nur vor", sagte Vizefraktionschefin Cornelia Möhring.

Die Unions-Fraktion kündigte an, sie werde den Entwurf bei den Bundestagsberatungen "auf seine Praxistauglichkeit überprüfen". Die Bundesregierung müsse zudem darlegen, "wie sie die zusätzliche bürokratische Belastung der Wirtschaft kompensieren will", erklärte Vizefraktionschefin Nadine Schön.

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