Azubi-Recruitingtrends: So machen Sie Ihre Azubis glücklich

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exklusivAzubi-Recruitingtrends: So machen Sie Ihre Azubis glücklich

von Kerstin Dämon

Wer macht heute noch eine Ausbildung? Immerhin etwas mehr als 500.000 Jugendliche im Jahr. Und die haben ganz genaue Vorstellungen davon, wie ihr Ausbildungsbetrieb sein muss. Wenn das jetzt noch die Ausbilder wüssten.

2015 blieben so viele Ausbildungsplätze in Deutschland unbesetzt wie nie zuvor. Dafür gibt es zwei Gründe:

  1. Wer lesen, schreiben und rechnen kann, will und soll studieren – die duale Ausbildung büßt gegenüber dem Studium seit Jahren an Attraktivität ein.
  2. Unternehmen und potentielle Azubis finden nicht zusammen.
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Gegen den gesellschaftlichen Trend, Punkt 1, ist der einzelne Betrieb ziemlich machtlos, gegen den zweiten Punkt lässt sich etwas tun. Dass Unternehmen zwar Lehrlinge suchen, aber keine finden und trotzdem Jugendliche ohne Ausbildungsplatz in Aussicht die Schule verlassen, liegt auch an den Unternehmen selbst. Und daran, dass sie den Nachwuchs nicht so gut kennen, wie sie glauben.

Wie Azubis über die Berufsausbildung denken

  • "Mit einer Ausbildung hat man etwas Handfestes und lernt nicht nur pure Theorie"

    Im Rahmen der Studie "Azubi-Recruiting Trends 2016" befragt u-form Testsysteme, ein Anbieter von Eignungstests in der Ausbildung und bei Bewerbungen, zusammen mit der Hochschule Koblenz und der Berufsorientierungsplattform blicksta jährlich mehrere tausend Auszubildende und ihre Ausbildungsleiter. 2016 fand die Umfrage zum siebten Mal statt, 3.343 Azubi-Bewerber und Auszubildende sowie 1.295 Ausbildungsverantwortliche nahmen teil.

    Der Aussage "Mit einer Ausbildung hat man etwas Handfestes und lernt nicht nur pure Theorie", stimmten 90,1 Prozent der befragten Lehrlinge und angehenden Azubis zu.

  • "Mit einer Ausbildung verdiene ich von Anfang an Geld."

    Für die jungen Menschen ebenfalls wichtig: die finanzielle Komponente einer Ausbildung. 88,1 Prozent schätzen an der dualen Ausbildung, dass sie von Anfang an etwas verdienen.

  • "Eine Ausbildung ist etwas Solides und studieren kann ich immer noch."

    Dieses Statement trifft für 87,7 Prozent zu.

  • "Mit einer Ausbildung bin ich mindestens genauso gut für meine berufliche Zukunft aufgestellt, wie mit einem Studium."

    Bei dieser Aussage fällt die Zustimmung schon geringer aus. Trotzdem: 59,2 Prozent - also eine deutliche Mehrheit - glauben, dass eine Ausbildung genauso gut aufs spätere Berufsleben vorbereitet, wie ein Studium.

  • "Jeder geht heute studieren, das ist nichts Besonderes."

    Während die Ausbildung einst für die breite Masse und das Studium für einen kleinen Kreis war, ist es heute eher umgekehrt, sagen 54,8 Prozent der befragten Lehrlinge.

  • "Wenn alle studieren, ist der Studienabschluss nichts mehr wert"

    Dem stimmen 52,5 Prozent zu.

  • "Diejenigen, die studieren halten sich für etwas Besseres."

    Dass Studenten von oben auf Auszubildende herabsehen, sehen 46,6 Prozent so. Die Mehrheit glaubt nicht, dass das zutrifft.

  • "Viele studieren nur ihren Eltern zuliebe."

    42,7 Prozent der Auszubildenden glauben, dass ein Studium nur für Papas Nerven oder Mamas Stolz gut ist. 57,3 Prozent glauben dagegen nicht, dass die obige Aussage zutrifft.

  • "Mit einer Ausbildung kommt man meist nicht in Führungspositionen."

    Meister statt Master: Dass Menschen mit einer Berufsausbildung Führungspositionen verwehrt bleiben, glauben nur 30 Prozent der Azubis. 70 Prozent sehen nicht, warum sie ohne Studium nicht trotzdem Chef werden können.

Das zumindest legt die Studie "Azubi-Recruiting Trends 2016" nahe. Für die jährlich Untersuchung befragt u-form Testsysteme, ein Partner der Industrie- und Handelskammern, zusammen mit der Hochschule Koblenz und der Berufsorientierungsplattform blicksta mehrere tausend Auszubildende und angehende Lehrlinge nach ihren Erwartungen. Außerdem werden die Ausbildungsverantwortlichen befragt, wie sie ihre Lehrlinge einschätzen und was sie glauben, was dem Nachwuchs wichtig ist. 2016 nahmen 3.343 Azubi-Bewerber und Auszubildende sowie 1295 Ausbildungsverantwortliche teil.

Aus den Antworten lässt sich ableiten, was Azubis von ihrem Arbeitgeber erwarten und wie Unternehmen und Nachwuchs besser zueinander finden. Die gute Nachricht: Die Jugendlichen, die bereits einen Ausbildungsvertrag in der Tasche haben, sind mit ihrer Lehre sehr zufrieden. "Die meisten wissen gar nicht, wie vorteilhaft eine Ausbildung gegenüber einem direkt-nach-der-Schule-Studium ist. Mehr Erfahrung für das spätere Berufsleben sammelt man nirgendwo", sagt einer der Befragten. Trotzdem konnten letztes Jahr 40,2 Prozent der rund 1.300 befragten Ausbildungsbetriebe nicht alle Lehrstellen besetzen. Damit sich das in Zukunft ändert, sollten Unternehmen wissen, was angehende Azubis wollen:

1. Schnupperpraktika und Einstellungstests

In der Vergangenheit beklagten viele Betriebe, dass sich bei ihnen zwar Jugendliche für einen Ausbildungsplatz bewerben, diese aber – überspitzt gesagt – weder lesen noch schreiben könnten. Die Studie "Azubi-Recruiting Trends 2016" hat sich entsprechend mit den Noten und Qualifikation befasst.

Dabei zeigt sich, dass bei den Unternehmen die Skepsis gegenüber der Aussagekraft von Schulnoten wächst. Rund 53 Prozent der Ausbilder glauben, dass die Zeugnisnoten viel mit der Herkunft zu tun haben und wenig mit Leistungen. 47,6 Prozent machen regelmäßig die Erfahrung, dass die Schulnoten schlechter sind als die „tatsächliche Leistungsfähigkeit der Bewerber“.

Berufsleben Schüler wissen nicht, worauf sie sich einlassen

Junge Menschen, die eine Lehre machen, sind sehr zufrieden mit ihrer Ausbildung. Allerdings hatten sie vorher keine Ahnung, was in ihrem Beruf auf sie zukommt. Schuld daran haben die Schulen - und die Unternehmen.

ARCHIV - ILLUSTRATION - Ein Mann liest am 31.03.2015 in der Agentur für Arbeit in Halle (Saale) (Sachsen-Anhalt) in einer Broschüre zur Berufsausbildung. Die duale Ausbildung verliert zunehmend an Bedeutung: Fast um die Hälfte ist die Zahl der Bewerber in den vergangenen Jahren in Sachsen geschrumpft. Foto: Hendrik Schmidt/dpa (zu lsn «Bertelsmann-Studie: Weniger Lehrstellen, weniger Bewerber» vom 30.11.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Entsprechend können sich Betriebe bei der Azubisuche einen großen Gefallen tun, wenn sie statt auf die Mathenote auf die tatsächliche Eignung schauen. Das sagen auch die befragten Jugendlichen. 59,5 Prozent sind dafür, vom bevorzugten Ausbildungsbetrieb auf ihre Eignung hin überprüft zu werden, anstatt wegen einer Vier in Geschichte von vorneherein aussortiert zu werden. Und 88,6 Prozent der Azubis fänden es gut, wenn die Ausbildungsbetriebe neben den reinen Fähigkeiten auch Persönlichkeitsaspekte testen würden. Dafür braucht es kein teures Testverfahren. Ein Praktikum oder die Möglichkeit, Probe zu arbeiten, kann sicherlich beiden Seiten zeigen, ob es fachlich und menschlich passt.

2. Die richtige Ansprache

Bei der Azubisuche hilft es, wenn man die Zielgruppe kennt. Doch gerade bei den angehenden Fachkräften haben die Betriebe offenbar keine genauen Vorstellungen, wie die angehenden Lehrlinge ticken und was sie von einer Ausbildung und einem Ausbildungsbetrieb erwarten. Das geht schon beim Werben um die angehenden Fachkräfte los. Denn von den wenigsten der gut 300 in Deutschland existierenden Lehrberufen haben Jugendliche eine konkrete Vorstellung.

Wer also in Schulen oder auf Azubimessen anschaulich darstellen kann, wie der Beruf in der Praxis aussieht und wie er im eigenen Unternehmen gelebt wird, der betreibt nicht nur Aufklärungsarbeit, sondern kann auch Bewerber gewinnen. Die übliche Zahlendarstellung – Unternehmensgröße, Umsatz, Mitarbeiter – ist dafür allerdings völlig unerheblich.

Stattdessen sollte lieber der hauseigene Maurerlehrling vorführen, wie er am Computer ein komplexes Muster programmiert und es anschließend mit Mörtel und Stein in die Tat umsetzt. Um Jugendliche zu begeistern, braucht es keinen stundenlangen Fachvortrag, sondern kurze, anschauliche Praxisbeispiele und Ansprechpartner aus dem Unternehmen, die zeigen und erzählen, wie ihr Berufsalltag aussieht.

Darüber hinaus können erfolgreiche Karriereverläufe ehemaliger Auszubildende von Beginn der Lehre bis zum eigenen Meisterbetrieb besonders plastisch darstellen, warum nicht nur ein Studium zum Erfolg führen kann. Wer dann noch eine Checkliste mitbringt, was angehende Azubis unbedingt können müssen, um erfolgreich eine Lehre zu absolvieren, bewahrt sich und die Jugendlichen vor Enttäuschungen. Denn die Inhalte der Stellenausschreibungen für Ausbildungsplätze verraten in der Regel nicht, ob ein Beruf zu den eigenen Fähigkeiten passt.

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