Befristete Verträge: Vollbeschäftigung wird zur Ausnahme

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Befristete Verträge: Vollbeschäftigung wird zur Ausnahme

In vielen Regionen gibt es ein Heer von Minijobbern, Zeit- und Leiharbeitern. Außerdem steigt die Zahl der befristeten Jobs ohne sogenannten Sachgrund. Wo Befristungen, Minijobs und Co. am häufigsten sind.

Laut Statistiken des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung sind 43 Prozent der Stellen in Deutschland keine Normalarbeitsverhältnisse. Das heißt: Es handelt sich um befristete Arbeitsverträge, einen Mini- oder Teilzeitjob mit weniger als 20 Wochenstunden - oder eine Anstellung als Leiharbeiter. "Der weiterhin hohe Anteil atypischer Beschäftigung ist nicht unproblematisch. Häufig ist diese Arbeit geringer bezahlt und sozial schlechter abgesichert als im Normalarbeitsverhältnis, das gilt insbesondere für Leiharbeit und Minijobs", sagt WSI-Experte Toralf Pusch.

Wo Minijobs und Co. am häufigsten sind

Hinzu kommen große regionale Unterschiede: In manchen westdeutschen Städten und Landkreisen haben Teilzeitstellen, Minijobs und Leiharbeit sogar einen Anteil von knapp 60 Prozent an allen abhängigen Beschäftigungsverhältnissen. Die meisten sogenannten atypischen Beschäftigungsverhältnisse gibt es in Delmenhorst (58,8 Prozent) und Landshut (57,2 Prozent). Die Landkreise Trier-Saarburg und Kusel verzeichnen mit 56,4 und 55,9 Prozent die nächsthöchsten Werte. Betrachtet man die Bundesländer, sind Schleswig-Holstein (47,3 Prozent), Rheinland-Pfalz (46,5 Prozent) und Niedersachsen mit 46 Prozent Spitzenreiter.

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Besonders häufig betroffen sind Frauen. Laut Pusch liegt das daran, dass es gerade in ländlichen Regionen im Westen Deutschlands nur wenig Kinderbetreuungsangebote gibt. Am niedrigsten ist der Anteil atypischer Beschäftigung in Thüringen, wo allerdings immer noch knapp zwei Fünftel der Arbeitsverhältnisse betroffen sind.

Zwar sind auch im Osten viele Beschäftigungsverhältnisse von Frauen Minijobs, jedoch ist der Anteil mit 17,2 Prozent deutlich geringer als bei westdeutschen Arbeitnehmerinnen, deren Beschäftigungen zu 28,4 Prozent geringfügig sind. Gleichzeitig liegt die Quote der Teilzeitarbeitsplätze bei ostdeutschen Frauen mit 35 Prozent leicht über dem westdeutschen Wert von 32,7 Prozent.

Immer mehr befristete Jobs

Junge Frauen sind bundesweit auch am häufigsten befristet beschäftigt. Insgesamt arbeiten in Deutschland mehr als 2,6 Millionen Menschen in befristeten Jobs, die Hauptstadt der Arbeitnehmer mit befristeten Jobs ist Berlin.

Hier haben die meisten Menschen einen befristeten Arbeitsvertrag

  • Bundesdurchschnitt

    Deutschlandweit haben 7,6 Prozent der Frauen und 6,5 Prozent der Männer nur einen befristeten Arbeitsvertrag. Das geht aus dem IAB-Betriebspanel hervor.

  • Bayern

    Am besten ist die Lage für Arbeitnehmer in Bayern: Dort arbeiten nur 7,5 Prozent der Frauen und 4,3 Prozent der Männer befristet.

  • Schleswig-Holstein

    Auch im Norden Deutschlands sieht es gut aus: 7,8 Prozent der Frauen und 5,6 Prozent der Männer haben keinen unbefristeten Job.

  • Thüringen

    In Thüringen hangeln sich 8,2 Prozent der Frauen und 5,9 Prozent der Männer von Befristung zu Befristung.

  • Sachsen

    8,4 Prozent der sächsischen Frauen und 5,5, Prozent der Männer arbeiten befristet.

  • Saarland

    Im Saarland liegt der Anteil der Frauen, die keinen unbefristeten Arbeitsvertrag haben, wie auch in Sachsen bei 8,4 Prozent. Der Anteil der Männer beträgt 5,8 Prozent.

  • Hessen

    In Hessen arbeiten ebenfalls 8,4 Prozent der Frauen befristet, bei den Männern sind es 6,4 Prozent.

  • Sachsen-Anhalt

    8,5 Prozent der Frauen arbeiten befristet, bei den Männern haben 6,2 Prozent keinen unbefristeten Arbeitsvertrag.

  • Niedersachsen

    8,6 Prozent der Frauen und sechs Prozent der Männer haben keinen unbefristeten Arbeitsvertrag.

  • Rheinland-Pfalz

    In Rheinland-Pfalz haben deutlich mehr Frauen als Männer einen befristeten Arbeitsvertrag. 8,7 Prozent stehen 5,6 Prozent gegenüber.

  • Baden-Württemberg

    Ähnlich deutlich ist das Verhältnis in Baden-Württemberg: Hier haben 8,8 Prozent der Frauen und 5,7 Prozent der Männer einen befristeten Arbeitsvertrag.

  • Bremen

    Im Stadtstaat Bremen arbeiten 9,2 Prozent der Frauen befristet. Bei den Männern sind es sogar noch mehr: 9,5 Prozent der männlichen Bremer hangeln sich von Vertrag zu Vertrag.

  • Nordrhein-Westfalen

    In NRW haben 9,3 Prozent der Frauen und 7,2 Prozent der Männer befristete Arbeitsverträge.

  • Brandenburg

    In Brandenburg arbeiten 9,7 Prozent der Frauen befristet. Bei den Männern sind es 10,2 Prozent.

  • Mecklenburg-Vorpommern

    9,9 Prozent der Frauen und 8,2 Prozent der Männer in Mecklenburg-Vorpommern haben keinen unbefristeten Arbeitsvertrag.

  • Hamburg

    In Hamburg sind 10,6 Prozent der Frauen und 7,5 Prozent der Männer befristet eingestellt.

  • Berlin

    Die Bundeshauptstadt ist trauriger Spitzenreiter: 13,1 Prozent der Frauen und 10,4 Prozent der Männer haben keinen unbefristeten Job.

Besonders häufig kommt diese Form des Arbeitsvertrages bei jungen Menschen vor: Bis zum 24. Lebensjahr hat rund ein Viertel der Arbeitnehmer nur befristete Jobs - und dementsprechend Schwierigkeiten, eine Wohnung zu mieten oder ein Auto zu finanzieren. Schließlich besteht immer die Gefahr, dass der Vertrag nicht verlängert wird. Grundsätzlich lässt sich gegen befristete Arbeitsverträge nichts sagen: Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ermöglichen sie es Arbeitnehmern, flexibel zu reagieren. Und auch wenn ein Unternehmen erst neu gegründet wurde, ist eine solche Regelung sinnvoll.

Was ist ein befristeter Arbeitsvertrag?

  • Der befristete Vertrag

    Bei einem zeitlich befristeten Arbeitsverhältnis läuft der Vertrag nach einer bestimmten Zeit oder zu einem bestimmten Ereignis aus - eine Kündigung ist nicht nötig. Wenn eine Befristung nicht vom Teilzeit- oder Befristungsgesetz abgedeckt wird, gilt sie als. Der Arbeitsvertrag gilt als auf unbestimmte Zeit geschlossen.

  • Befristung ohne Sachgrund

    Für die Befristung ohne Sachgrund nach Paragraph 14 Absatz 2 des Teilzeit- und Befristungsgesetzes (TzBfG) ist es wichtig, dass noch nie ein Arbeitsverhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber bestanden hat. Die Befristung ist auf maximal zwei Jahre beschränkt. Falls das Arbeitsverhältnis auf weniger als zwei Jahre befristet ist, darf der Arbeitgeber den Vertrag bis zur Dauer von zwei Jahren verlängern, allerdings maximal drei mal. War also zuerst ein Arbeitsverhältnis von vier Monaten vereinbart, können noch 20 Monate drangehängt werden - nur nicht in zu kleinen Schritten.

    Eine Befristung ohne Sachgrund gibt es auch bei Neugründungen von Unternehmen. Nach § 14 Abs. 2a TzBfG dürfen Verträge bei der Gründung eines Unternehmens auf vier Jahre befristet sein. In den ersten vier Jahren seit Neugründung ist eine mehrfache Verlängerung möglich.

  • Befristung mit Sachgrund

    Neben "Wir kennen uns noch nicht" oder "Wir wissen nicht, wie lange das Unternehmen überlebt" gibt es noch die sogenannten sachlichen Gründe für eine Befristung. Nach § 14 Absatz 1 TzBfG gehören unter anderem dazu:

    • vorübergehend höherer Bedarf an Mitarbeitern zur Hochsaison
    • eine Befristung zur Erprobung
    • die Integration in den Arbeitsmarkt nach einer Ausbildung oder einem Studium
    • die Vertretung anderer Arbeitnehmer
    • die Arbeit an sich erfordert eine Befristung
  • Zweckbefristung

    Die Zweckbefristung ist für den Fall gedacht, dass das Arbeitsverhältnis mit einem bestimmten Ereignis, anstatt zum 15. März oder nach sechs Monaten endet. Das wäre beispielsweise "bis zur Schließung des Unternehmenssparte Kosmetik". Allerdings muss im Vertrag klar erkennbar sein, in welchem Zeitrahmen das Ereignis eintreten wird. Zwei Wochen vor Eintreffen dieses Ereignisses und dem Ende des Arbeitsverhältnisses muss der Arbeitgeber den Arbeitnehmer schriftlich informieren.

  • Kündigung befristeter Mitarbeiter

    Befristete Verträge können nicht gekündigt werden. Es sei denn, es liegt ein wichtiger Grund vor, sodass die außerordentliche Kündigung greift.

Was jedoch stutzig macht: Die Zahl der Befristungen mit Sachgrund geht zurück. Es gibt also immer weniger Elternzeitvertretungen oder zeitlich begrenzte Projekte, für die befristete Kräfte gebraucht werden. Im Jahr 2013 gehörte jeder zweite befristete Job zu den Befristungen ohne Sachgrund. Die Unternehmen stellen also Menschen pro forma für ein halbes oder ein ganzes Jahr ein - und überlegen sich dann, ob derjenige noch ein Jahr länger dabei bleiben soll. Da drängt sich der Eindruck auf, dass sich so mancher Chef eine verlängerte Probezeit erschleicht.

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Zwar werden viele befristete Verträge verlängert, für eine langfristige Lebensplanung nützt das den Betroffenen dennoch nichts. Die können nur hoffen, dass ihnen der demographische Wandel in die Karten spielt. "Für Unternehmen ist es mittlerweile schwieriger als noch vor zehn Jahren, Personal zu finden", sagt Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). "Damit verbessern sich die Chancen für die Arbeitnehmer auf reguläre statt atypische Jobs.".

Beim IAB ist man sich außerdem sicher, dass die sachgrundlosen Befristungen ein Sprungbrett in eine reguläre Beschäftigung sein können - wenn der Arbeitnehmer sich in seiner einjährigen Probezeit bewährt.

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