Bertelsmann-Studie: Azubis mit Migrationshintergrund sind selten

Bertelsmann-Studie: Azubis mit Migrationshintergrund sind selten

Für junge Menschen mit ausländischem Hintergrund bleibt es schwierig auf dem Ausbildungsmarkt. Lehrstellen gehen an deutsche Bewerber. Die Mehrheit der Betriebe hatte noch nie einen Azubi mit ausländischen Wurzeln.

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Die Mehrheit der deutschen Betriebe hatte noch nie Azubi mit ausländischen Wurzeln.

In vielen deutschen Unternehmen stoßen Bewerber mit ausländischen Wurzeln bei der Lehrstellensuche auf Vorbehalte. In einer Befragung der Bertelsmann-Stiftung, die am Donnerstag vorgestellt wurde, gaben 58,9 Prozent der aktiven Ausbildungsbetriebe an, noch nie einem Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine Lehrstelle gegeben zu haben. Angesichts von Fachkräftemangel werde hier Potenzial verschenkt, kritisieren die Autoren der Studie.

Als Grund nannten 74,8 Prozent der Unternehmen ohne entsprechende Erfahrung fehlende Bewerbungen dieser Jugendlichen. Diese Aussage halten die Studienautoren jedoch für wenig plausibel. Jeder vierte Jugendliche in Deutschland habe einen Migrationshintergrund. Gerade diese Klientel bewerbe sich anderen Erhebungen zufolge bei vielen Betrieben. Ein Drittel der Abgänger mit mittlerem Schulabschluss und ausländischen Wurzeln finde keine Lehrstelle.

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Das waren die häufigsten Ausbildungsberufe 2013

  • Platz eins

    Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, belegte der Beruf Kaufmann/-frau im Einzelhandel mit 31.449 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen den Spitzenplatz.

  • Platz zwei

    Auf Platz zwei folgen Verkäufer beziehungsweise Verkäuferin. Bei Frauen belegen Kauffrau im Einzelhandel und Verkäuferin die Plätze eins und zwei bei den Ausbildungsberufen, bei Männern liegt der Kaufmann im Einzelhandel auf Platz zwei, der Verkäufer auf Platz sechs.

  • Platz drei

    Der dritthäufigste Ausbildungsberuf war 2013 der zum Kraftfahrzeugmechatroniker/-in. Bei Männern war dies im letzten Jahr sogar der beliebteste Lehrberuf.

  • Platz vier

    Auf Platz vier folgt der Industriekaufmann beziehungsweise die Industriekauffrau. Bei den Frauen rangiert dieser Beruf auf Platz fünf.

  • Platz fünf

    Platz fünf der beliebtesten Ausbildungsberufe geht an den Bürokaufmann beziehungsweise die Bürokauffrau. Gut ein Fünftel der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge konzentrierte sich auf diese fünf häufigsten Ausbildungsberufe, die bereits seit neun Jahren die Spitzengruppe bilden.

Bei 38 Prozent der Unternehmen spielt die Sorge vor Sprachbarrieren eine Rolle. 14,7 Prozent fürchten, kulturelle Unterschiede seien zu groß und könnten das Betriebsklima belasten. Fast genauso viele sahen ihren Betrieb auf solche Unterschiede nicht vorbereitet. Schlechtere Leistungen der Bewerber befürchten dagegen nur 9,1 Prozent.

Diese Ausbildungsberufe haben die höchsten Abbrecherquoten

  • 51,0

    Am häufigsten werfen junge Menschen die Lehre hin, die Kellner oder Kellnerin werden wollten.

  • 50,9

    50,9 Prozent derjenigen, die eine Ausbildung zum Umzugshelfer begonnen haben, halten nicht durch.

  • 49,5

    Auch den Beruf des Wachmanns haben sich 49,5 Prozent der Auszubildenden offenbar anders vorgestellt, als er letztlich ist.

  • 49,4

    Dichtauf folgen die Köche: Am Herd brechen 49,4 Prozent ihre Ausbildung ab.

  • 45,0

    45 Prozent der Kosmetiker-Azubis halten die Lehre nicht durch.

  • 44,3

    Auch bei den Gebäudereinigern ist die Abbrecherquote mit 44,3 Prozent sehr hoch.

  • 44,2

    Bei den Friseuren werfen 44,2 Prozent der Lehrlinge vorzeitig das Handtuch.

  • 43,7

    Und bei den Lkw-Fahrern brechen 43,7 Prozent vorzeitig ab.

„Wer einen mittleren Schulabschluss hat, dürfte in der Regel keine großen Sprachprobleme mitbringen“, sagte Claudia Burkard von der Bertelsmann-Stiftung. Die Autoren der Studie sehen es daher als wesentlich für gelingende Integration und Fachkräftesicherung an, diesen jungen Menschen den Zugang zu Ausbildung zu erleichtern.

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Gleichzeitig zeigte die repräsentative Umfrage unter rund 1000 Unternehmen bundesweit, dass Azubis mit Migrationshintergrund für eine große Zahl der 450.000 Ausbildungsbetriebe in Deutschland längst Normalität geworden sind. 41,1 Prozent der Betriebe haben in den vergangenen fünf Jahren Erfahrungen mit Lehrlingen mit ausländischen Wurzeln gemacht. Aktuell bilden 15 Prozent der Unternehmen Jugendliche mit Migrationshintergrund aus.

Als bemerkenswert hebt die Studie hervor, dass drei Viertel dieser Betriebe keine besonderen Einstellungsgründe aufführt. Dies könne als Hinweis dafür gelesen werden, dass für diese Unternehmen bei ihrer Entscheidung für einen Bewerber die Herkunft gar keine Rolle mehr spielt.

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