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Berufsleben: Karriere planen ist wie Krieg spielen

von Frank Wiebe Quelle: Handelsblatt Online

Karriere schafft man nicht durch Intelligenz und Fleiß allein. An die Spitze kommt der Stratege und der Netzwerker. Die Karriereleiter ist wie Kriegsführung. Doch man darf es auch nicht übertreiben.

Einige Personen sind besonders gut darin, Karriere zu machen. Quelle: Fotolia
Einige Personen sind besonders gut darin, Karriere zu machen. Quelle: Fotolia

Kennen Sie auch diese Manager, die einen großen Teil des Tages damit verbringen, die Beziehungen zu ihren Chefs zu pflegen? Oder noch besser: sich mit den Chefs ihrer Chefs anzufreunden, um irgendwann ihre Chefs beerben zu können? Diese Leute, die einfach genial darin sind, Beziehungsnetze zu knüpfen - und ebenso genial, wenn es darum geht, anderen die Arbeit zu überlassen, die sie eigentlich selbst erledigen müssten?

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Manche Leute machen Karriere, weil sie gut sind in ihrem Beruf. Andere machen Karriere, weil sie gut darin sind, Karriere zu machen. Auf manche trifft beides zu: Diese Leute haben das Zeug, es ganz nach oben zu schaffen.

Das Grundproblem ist: Niemand hat unendlich viel Zeit, Energie und Kreativität. Daraus folgt: Wer sich zu sehr darauf konzentriert, Karriere zu machen, der kann nicht seine ganze Energie in seine gegenwärtige Aufgabe stecken. Und umgekehrt: Wer sich völlig von seinem Job vereinnahmen lässt, hat kaum noch Zeit, sich um seine Karriere zu kümmern. Deswegen kann es im schlimmsten Fall so laufen, dass die einen ihren Job gut machen und damit den anderen ermöglichen, Karriere zu machen. Wer sich umschaut in seiner Firma, wird feststellen, dass dieser Fall gar nicht so selten ist. Und schlimm ist er deswegen, weil er die guten Mitarbeiter demotiviert und Leute nach oben bringt, die mit ihrem Karrieresprung dann überfordert sind.

Karriere macht man nicht allein durch Fleiß und Intelligenz. Man muss sich gegen Konkurrenten durchsetzen, Allianzen bilden - um sie dann im richtigen Augenblick wieder zu verlassen. Man erkämpft gemeinsam Positionen, zieht Verbündete nach. Aber sehr schnell wird der Verbündete wieder zum Konkurrenten - oder vielleicht ein ehemaliger Konkurrent zum Verbündeten. Sagen wir es ruhig offen: Bis zu einem gewissen Grad wird hier Krieg gespielt. Natürlich ist besser, ihn so ganz zivilisiert zu spielen als mit nackter Gewalt. Man kann es auch so formulieren: Manche Leute erarbeiten sich ihre Karriere - aber das gelingt nur selten. Andere erkämpfen sich die Karriere.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 31.10.2012, 13:20 UhrGudrunHappich

    Ein sehr spannender Artikel, dem ich mich inhaltlich voll anschließen möchte. In meinen Führungskräftecoachings habe ich es sehr oft mit dem Typus zu tun, der für zwei ackert, aber trotzdem wenig Wertschätzung erfährt. Meist unterhält er zu wenige Beziehungen zu den richtigen Leuten, betreibt kein Networking, macht einfach zu wenig Wind von seiner hohen Leistung. Ich erlebe dieses Verhalten bei Frauen wie Männern. Im mittleren Management funktioniert dieses starke Leistungsstreben noch, aber spätestens auf der zweiten Führungsebene bekommen diese Persönlichkeitstypen ein Problem. Denn nun ist nicht mehr fachliche Argumentation gefragt, sondern es gelten ganz andere Spielregeln: politisches Kalkül, Netzwerke, indirekte Einflussnahme.
    Diese Typen sind meist sehr engagiert, leistungsorientiert und verantwortungsbewusst, ich nenne sie daher Leistungsträger. Und ich halte es für sehr wichtig, dass sie die Spielregeln, die in den traditionell strukturierten Unternehmen auf den obersten Etagen wirken, lernen und anwenden. Denn ich glaube wir brauchen mehr Leistungsträger auf der ersten und zweiten Führungsebene.




  • 23.10.2012, 17:23 Uhrblub

    Geht es eigentlich auch irgendwann mal um die eigene Leistung im Sinne des Unternehmens, dem Land oder gar der Welt? Ich kann die Artikel nicht mehr hören, die da Karriere als Selbstzweck postulieren - wo Erfolg der Karriere dient und vice versa.

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