Berufsorientierung: Deutsche Schüler haben keine Pläne für die Zukunft

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Berufsorientierung: Deutsche Schüler haben keine Pläne für die Zukunft

"Und, was willst du werden, wenn du groß bist?" Während kleine Kinder auf diese Frage begeistert Berufe aufzählen, haben sie später keine Ideen mehr. Es mangelt an Informationen - und zwar über alle Schulformen hinweg.

Ärztin, Feuerwehrmann, Tischler oder Einzelhandelskauffrau? Viele Jugendliche in Deutschland wissen nicht, was sie mal werden sollen. Nur 56 Prozent der Schüler in Deutschland fühlen sich ausreichend über ihre beruflichen Möglichkeiten informiert. Von denen, die Informationsdefizite beklagen, geben 54 Prozent an, nicht zu wissen, welche Berufe gute Zukunftsauschancen haben. Und die Jobs, die Zukunft haben, wollen sie nicht.

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So rangieren Jobs aus dem IT- und dem Computersektor auf dem letzten Platz der von Schülern benannten Traumberufe. Dies ergab eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Vodafone Stiftung unter Schülern und Eltern in Deutschland.

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Zahl der unbesetzten Lehrstellen steigt

"Diese Ergebnisse sind deshalb so bedenklich, weil die jüngste Ausbildungsstatistik der Arbeitsagentur gezeigt hat, dass auch in diesem Jahr die Zahl der unbesetzten Lehrstellen angestiegen ist, während es gleichzeitig noch viele unversorgte Bewerber gab", sagt Mark Speich, Geschäftsführer der Vodafone Stiftung. Dies habe zwar verschiedene Ursachen, so Speich weiter, aber eine Verbesserung der Berufsorientierung wäre für beide Seiten sehr hilfreich - für die Schüler auf ihrem weiteren Bildungsweg und für die Unternehmen bei der Fachkräftesicherung.

Das waren die häufigsten Ausbildungsberufe 2013

  • Platz eins

    Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, belegte der Beruf Kaufmann/-frau im Einzelhandel mit 31.449 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen den Spitzenplatz.

  • Platz zwei

    Auf Platz zwei folgen Verkäufer beziehungsweise Verkäuferin. Bei Frauen belegen Kauffrau im Einzelhandel und Verkäuferin die Plätze eins und zwei bei den Ausbildungsberufen, bei Männern liegt der Kaufmann im Einzelhandel auf Platz zwei, der Verkäufer auf Platz sechs.

  • Platz drei

    Der dritthäufigste Ausbildungsberuf war 2013 der zum Kraftfahrzeugmechatroniker/-in. Bei Männern war dies im letzten Jahr sogar der beliebteste Lehrberuf.

  • Platz vier

    Auf Platz vier folgt der Industriekaufmann beziehungsweise die Industriekauffrau. Bei den Frauen rangiert dieser Beruf auf Platz fünf.

  • Platz fünf

    Platz fünf der beliebtesten Ausbildungsberufe geht an den Bürokaufmann beziehungsweise die Bürokauffrau. Gut ein Fünftel der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge konzentrierte sich auf diese fünf häufigsten Ausbildungsberufe, die bereits seit neun Jahren die Spitzengruppe bilden.

Schüler an Sekundarschulen und Gymnasien gleichermaßen schlecht informiert

"Informationsdefizite zur Ausbildungs- und Berufsorientierung sind ein Problem für viele Schüler in Deutschland", bestätigt auch Renate Köcher, Leiterin des Instituts für Demoskopie Allensbach. Von denjenigen, die sich unzureichend informiert fühlen, so Köcher weiter, gibt mehr als die Hälfte der Sekundarschüler an, dass ihnen ganz grundlegende Informationen dazu fehlen, welche Ausbildungswege es überhaupt gibt. Fast zwei Drittel der Gymnasiasten sagen, dass sie zu wenig über bestimmte Studiengänge wissen.

Besonders auffällig ist, dass die umfassenden Angebote der Agentur für Arbeit von Schülern kaum genutzt werden. Lediglich 25 Prozent der Schüler haben sich bisher dort informiert. Wiederum für nur rund ein Drittel von diesen war dies hilfreich (32 Prozent). Ebenso skeptisch werden Internetangebote beurteilt. Nur gut ein Drittel derer, die sich online informierten, fanden dort gute Informationsangebote (36 Prozent).

Diese Ausbildungsberufe haben die höchsten Abbrecherquoten

  • 51,0

    Am häufigsten werfen junge Menschen die Lehre hin, die Kellner oder Kellnerin werden wollten.

  • 50,9

    50,9 Prozent derjenigen, die eine Ausbildung zum Umzugshelfer begonnen haben, halten nicht durch.

  • 49,5

    Auch den Beruf des Wachmanns haben sich 49,5 Prozent der Auszubildenden offenbar anders vorgestellt, als er letztlich ist.

  • 49,4

    Dichtauf folgen die Köche: Am Herd brechen 49,4 Prozent ihre Ausbildung ab.

  • 45,0

    45 Prozent der Kosmetiker-Azubis halten die Lehre nicht durch.

  • 44,3

    Auch bei den Gebäudereinigern ist die Abbrecherquote mit 44,3 Prozent sehr hoch.

  • 44,2

    Bei den Friseuren werfen 44,2 Prozent der Lehrlinge vorzeitig das Handtuch.

  • 43,7

    Und bei den Lkw-Fahrern brechen 43,7 Prozent vorzeitig ab.

Schulen müssen besser informieren

Schüler legen Wert auf praxisnahe Informationen: Praktika und Gespräche mit Berufstätigen aus dem angestrebten Berufsfeld wurden von der überwiegenden Mehrheit (75 beziehungsweise 63 Prozent) als die hilfreichsten Informationsquellen angegeben. Mehr als die Hälfte empfand zudem Informationstage und -angebote von Unternehmen als hilfreich. Von den Schülern, die sich mehr Unterstützung bei der Berufsorientierung wünschen, sehen die überwiegende Mehrheit ihre Schule als zentralen Bezugsort für weitere Informationen. Die Koordinierung zwischen Schulen, Unternehmen und den zuständigen Behörden gilt es also weiter zu verstärken.

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Auch bei der Berufsorientierung zeigt sich die enge Verknüpfung von sozialer Herkunft und Bildungs- und Zukunftschancen in Deutschland. Denn obwohl fast die Hälfte der Schüler, unabhängig von der besuchten Schulart, angibt, dass ihnen die Berufswahl schwer fällt (46 Prozent), und die Berufsorientierung damit eine grundsätzliche Herausforderung für junge Menschen darstellt, wünschen sich doppelt so viele Schüler aus bildungsfernen Elternhäusern (31 Prozent) ein Mehr an Unterstützung bei der Ausbildungs- und Berufsorientierung als Kinder aus Akademikerhaushalten (16 Prozent).

Wie wichtig die elterliche Unterstützung ist, zeigt sich daran, dass sich diejenigen Schüler, die von ihren Eltern intensiv unterstützt werden, besser über Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten informiert fühlen, ihnen die Berufswahl leichter fällt und sie häufiger konkrete Vorstellungen darüber haben, was sie beruflich machen möchten.

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