Berufswünsche: Die Banklehre ist out

ThemaJobsuche

Berufswünsche: Die Banklehre ist out

Finanzkrise, Bankenskandale, Bonusexzesse - die Geldbranche hat ein selbst gemachtes Imageproblem. Kaum eine andere Berufsgruppe hat so schlechte Presse wie die des Bankers. Die Folge: Immer mehr Institute machen sich Sorgen um den Nachwuchs.

Eine Lehre bei einer Bank galt lange als eine ordentliche Ausbildung, die zu einem sicheren Job mit gutem Gehalt und einem gewissen Ansehen führt. Doch spätestens seit der Lehman-Pleite im Jahr 2008 ist Banker werden richtig unsexy. Das bekommen auch die Banken allmählich zu spüren. Zehntausende auf der Kippe stehende Bank-Jobs und die öffentliche Debatte über Banker-Gehälter verunsichern Schulabgänger und Universitätsabsolventen zusätzlich. Hinzu kommen noch Skandale wie die Libormanipulation. "Der Bankkaufmann ist schon lange kein Traumjob mehr", räumt ein Vorstand eines großen deutschen Geldhauses ein. Konnte sich eine Bank früher die Bewerber noch aussuchen, sei man derzeit schon zufrieden, wenn alle Ausbildungsplätze besetzt werden könnten.

Niemand will zu Privatbanken

Anzeige

Das Thema Nachwuchs beschäftigt in Deutschland Institute aller drei Bankengruppen - Sparkassen, Volksbanken und Privatbanken. Am größten sind die Sorgen aber bei letzteren, weil viele von ihnen besonders in der Kritik stehen und das Image durch Skandale wie den um Zinsmanipulationen stark gelitten hat. Den Verlust an Attraktivität merken die Banken nicht nur bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen, sondern auch von anderen Positionen. "Früher gab es auf 30 offene Stellen 500 Bewerbungen, heute sind es maximal 50 und viele davon sind qualitativ dünn", sagt ein Vertreter eines ausländischen Geldhauses. "Es ist unheimlich schwer, gute Leute für offene Stellen zu bekommen. Auch mit der Bezahlung kann man keinen mehr locken." Weltweit fahren die Banken auf Druck der Regulierer die Boni zurück.

Auch Wolfgang Kirsch, Chef des genossenschaftlichen Spitzeninstituts DZ Bank, bemerkt ein sinkendes Interesse am Banker-Job. "Hier müssen wir was tun, mit Gehältern ist das nicht zu lösen", sagte er neulich. Dabei haben Volks- und Raiffeisenbanken in einigen ländlichen Regionen oft noch gut reden - mangels Alternativen sind sie weiter ein beliebter Arbeitgeber, zumal sie ohnehin nicht so mit Imageproblemen zu kämpfen haben wie private Geldhäuser.

Keine Reputation - keine Jobgarantie

Ähnlich sieht es vielerorts bei den Sparkassen aus. Doch auch bei diesen geht die Zahl an Bewerbern für Ausbildungsplätze zurück, wie Liane Buchholz, Leiterin der Sparkassen-Management-Akademie, betont. "Vor allem in Ballungszentren und industriell geprägten Regionen ist der Bankkaufmann nicht mehr so beliebt als Beruf - viele wollen da eher Ingenieur oder Industriekaufmann werden." Zudem habe die Fachkompetenz der Interessenten abgenommen. Auch wenn es weiter 80.000 Bewerber für 8000 Ausbildungsplätze pro Jahr gibt, planen die Sparkassen eine Werbekampagne, die auf die Attraktivität als Arbeitgeber abheben soll. Die Berufsperspektiven sind jedoch nicht unbedingt rosig, da alle Häuser wegen schrumpfender Erträge auf die Kostenbremse treten: "Eine Job-Garantie gibt es in der Bankenbranche nicht mehr, auch nicht bei den Sparkassen", räumt Buchholz ein.

Weitere Artikel

Besonders kritisch ist die Personalnot in den Bankabteilungen, die derzeit im Zuge der stärkeren Regulierung ausgebaut werden müssen, wie beispielsweise Risikomanagement, Kreditanalyse und Liquiditätssteuerung. "Solche Regulierungsexperten zu bekommen, ist derzeit sehr schwierig", sagt Arnd Roselieb, Geschäftsführer der Personalberatung Core International. "Es gibt eine Knappheit an solchen Profis etwa im Risikomanagement - um die wenigen reißen sich alle." Ein Banker berichtet, dass früher häufiger Mitarbeiter der Finanzaufsicht BaFin zu den Instituten gewechselt seien. Heute mache das keiner mehr. Der Grund ist für Personalberater Roselieb eindeutig: "Die Reputation der Banken hat in den vergangenen Jahren stark gelitten."

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%