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Berufswünsche: Die Banklehre ist out

Finanzkrise, Bankenskandale, Bonusexzesse - die Geldbranche hat ein selbst gemachtes Imageproblem. Kaum eine andere Berufsgruppe hat so schlechte Presse wie die des Bankers. Die Folge: Immer mehr Institute machen sich Sorgen um den Nachwuchs.

Ingenieurwissenschaften

In dieser Fächergruppe fiel der Rückgang besonders stark aus: Noch knapp 106.300 junge Menschen begannen dieses Studium. Das sind 8,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Vor allem die Zahl der männlichen Studienanfänger sank, während die Anzahl der Frauen stieg. Ursache ist nach Angaben der Statistiker die Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011, die damals zu einem deutlichen Anstieg der männlichen Erstimmatrikulierten geführt hatte.

Bild: dpa/dpaweb

Eine Lehre bei einer Bank galt lange als eine ordentliche Ausbildung, die zu einem sicheren Job mit gutem Gehalt und einem gewissen Ansehen führt. Doch spätestens seit der Lehman-Pleite im Jahr 2008 ist Banker werden richtig unsexy. Das bekommen auch die Banken allmählich zu spüren. Zehntausende auf der Kippe stehende Bank-Jobs und die öffentliche Debatte über Banker-Gehälter verunsichern Schulabgänger und Universitätsabsolventen zusätzlich. Hinzu kommen noch Skandale wie die Libormanipulation. "Der Bankkaufmann ist schon lange kein Traumjob mehr", räumt ein Vorstand eines großen deutschen Geldhauses ein. Konnte sich eine Bank früher die Bewerber noch aussuchen, sei man derzeit schon zufrieden, wenn alle Ausbildungsplätze besetzt werden könnten.

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Niemand will zu Privatbanken

Das Thema Nachwuchs beschäftigt in Deutschland Institute aller drei Bankengruppen - Sparkassen, Volksbanken und Privatbanken. Am größten sind die Sorgen aber bei letzteren, weil viele von ihnen besonders in der Kritik stehen und das Image durch Skandale wie den um Zinsmanipulationen stark gelitten hat. Den Verlust an Attraktivität merken die Banken nicht nur bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen, sondern auch von anderen Positionen. "Früher gab es auf 30 offene Stellen 500 Bewerbungen, heute sind es maximal 50 und viele davon sind qualitativ dünn", sagt ein Vertreter eines ausländischen Geldhauses. "Es ist unheimlich schwer, gute Leute für offene Stellen zu bekommen. Auch mit der Bezahlung kann man keinen mehr locken." Weltweit fahren die Banken auf Druck der Regulierer die Boni zurück.

Auch Wolfgang Kirsch, Chef des genossenschaftlichen Spitzeninstituts DZ Bank, bemerkt ein sinkendes Interesse am Banker-Job. "Hier müssen wir was tun, mit Gehältern ist das nicht zu lösen", sagte er neulich. Dabei haben Volks- und Raiffeisenbanken in einigen ländlichen Regionen oft noch gut reden - mangels Alternativen sind sie weiter ein beliebter Arbeitgeber, zumal sie ohnehin nicht so mit Imageproblemen zu kämpfen haben wie private Geldhäuser.

Keine Reputation - keine Jobgarantie

Ähnlich sieht es vielerorts bei den Sparkassen aus. Doch auch bei diesen geht die Zahl an Bewerbern für Ausbildungsplätze zurück, wie Liane Buchholz, Leiterin der Sparkassen-Management-Akademie, betont. "Vor allem in Ballungszentren und industriell geprägten Regionen ist der Bankkaufmann nicht mehr so beliebt als Beruf - viele wollen da eher Ingenieur oder Industriekaufmann werden." Zudem habe die Fachkompetenz der Interessenten abgenommen. Auch wenn es weiter 80.000 Bewerber für 8000 Ausbildungsplätze pro Jahr gibt, planen die Sparkassen eine Werbekampagne, die auf die Attraktivität als Arbeitgeber abheben soll. Die Berufsperspektiven sind jedoch nicht unbedingt rosig, da alle Häuser wegen schrumpfender Erträge auf die Kostenbremse treten: "Eine Job-Garantie gibt es in der Bankenbranche nicht mehr, auch nicht bei den Sparkassen", räumt Buchholz ein.

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Besonders kritisch ist die Personalnot in den Bankabteilungen, die derzeit im Zuge der stärkeren Regulierung ausgebaut werden müssen, wie beispielsweise Risikomanagement, Kreditanalyse und Liquiditätssteuerung. "Solche Regulierungsexperten zu bekommen, ist derzeit sehr schwierig", sagt Arnd Roselieb, Geschäftsführer der Personalberatung Core International. "Es gibt eine Knappheit an solchen Profis etwa im Risikomanagement - um die wenigen reißen sich alle." Ein Banker berichtet, dass früher häufiger Mitarbeiter der Finanzaufsicht BaFin zu den Instituten gewechselt seien. Heute mache das keiner mehr. Der Grund ist für Personalberater Roselieb eindeutig: "Die Reputation der Banken hat in den vergangenen Jahren stark gelitten."

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 08.10.2012, 21:50 Uhrajk

    Ah, ja 80000 Bewerber für 8000 Stellen. Wo ist das Problem? Typisch Deutsche Luftnummer. Wieviel Bewerber sollen es denn sein. Reichen 800000? ; )

  • 07.10.2012, 22:44 UhrMariposa

    Das liegt doch nicht nur an der Finanzkrise und dem Gebaren vieler Finanzinstitute. Ich erinnere mich noch an die Siebziger Jahre, da war der Bankkaufmann so etwas wie der Koenig unter den kaufmaennischen Ausbildungsberufen. Man konnte quasi bei einer Bank nichtmal einen Job als Putzfrau bekommen ohne diese Mindestanforderung zu erfuellen. Viele machten mit Abitur eine Banklehre um dann spaeter als studierte Volkswirte oder Juristen wieder in eine Bank einzutreten. In den letzten Jahren hat sich das deutlich veraendert.Die Banklehre vor dem Studium ist kein Wettbewerbsvorteil mehr. Call Center mit angelernten Kraeften, Serviceauslagerungen etc. haben zu einer Erosion der Bankausbildung gefuehrt. Anspruchsvolle Stellen werden mit studierten Bewerbern besetzt, einfachere Taetigkeiten werden durch angelernte Kraefte oder durch die fortschreitende automatisierung ersetzt. Das drueckt natuerlich auch auf die Bezahlung. Die Banken selber haben kraeftig dafuer gesorgt dieses Berufsbild unattraktiv zu machen.

  • 07.10.2012, 09:25 UhrBanker

    zu den Azubis: ein Grund, warum der Beruf unattraktiver wird ist eindeutig die Bezahlung: mir wurde letztens von einem erzählt, sein Einstiegsgehalt sind 1200 Euro netto. Wenn man aber die überall steigenden Lebenshaltungskosten und Gebühren/Abgabenabzocke mit ansieht, dann weiß man auch, warum für so wenig Geld niemand mehr arbeiten will.

    auch diese Person wird den Beruf wieder verlassen. Hinzu kommt dass dort rationalisiert und automatisiert wird. Erst vor wenigen Wochen stand hier doch, dass man durch Digitalisierung von Abläufen, neue IT-Netzte etc. Jobs abbaut und diese dann eher verlagert hin zu schlecht bezahlten Callcentern.

    schlaue Jugendliche wählen doch - auch bei Werbekampagne - keinen Job, wo man nachher als Billigjobber in Callcenter outgesourct wird, oder ein Leben lang knapp über HartzIV verdient!

    dann müssen die sich wohl selbst hinter den Schalter stellen. Hoffentliche fallen Jugendliche nicht auf die Werbung rein, sonst sind sie nachher die gekniffenen.

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