Bewerbungsgespräch: So nutzen Sie die Körpersprache im Jobinterview

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Bewerbungsgespräch: So nutzen Sie die Körpersprache im Jobinterview

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Die richtige Haltung verschafft einen guten Eindruck beim Bewerbungsgespräch.

von Anna Gauto

Jedes Bewerbungsgespräch gleicht insgeheim einem Theaterstück. Wer die Mechanismen kennt, ist klar im Vorteil. Dazu gehören auch stille Signale. Die Körpersprache kann Bewerbern Türen öffnen - oder alles versauen.

Soll niemand sagen, dass ein Unglück nicht auch gute Seiten hat. Amy Cuddy ist dafür das beste Beispiel. Als sie 19 Jahre alt war, hatte sie einen schweren Autounfall. Die Hirnleistung der damaligen Studentin war eingeschränkt, niemand glaubte zunächst, dass sie jemals wieder würde studieren können.

Doch Cuddy schaffte es zurück in den Hörsaal. Mit Fleiß, Ehrgeiz und einem Trick: Cuddy gewöhnte sich damals an, ihre Unsicherheit zu kaschieren und Selbstbewusstsein vorzutäuschen. Dieser Kniff verhalf ihr nicht nur zum Abschluss an der US-Eliteuniversität Princeton, sondern prägte auch ihr weiteres Leben.

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Gestik und Mimik

  • Finger an die Nase legen

    signalisiert laut den Bewerbungsexperten von Hesse/Schrader Konzentration oder Nachdenken

  • Mit den Fingern trommeln

    bedeutet Ungeduld oder Nervosität, vielleicht sogar Provokation

  • Gefaltete Hände

    zeigen die eigene Überlegenheit

  • Hand vor den Mund halten

    Gesagtes wird zurückgenommen, weil Unsicherheit in der Sache besteht

  • Händereiben

    demonstriert Selbstzufriedenheit, wirkt aber nicht immer sympathisch

  • Hände über den Kopf legen

    zeigt bei Zurücklehnen grenzenlose Souveränität

  • Herumspielen mit Fingern

    lässt auf Desinteresse, Unkonzentriertheit oder Nervosität schließen

  • Kopf auf die Hände stützen

    steht für Nachdenklichkeit, Erschöpfung oder Langeweile

  • Am Kopf kratzen

    zeigt Ratlosigkeit oder Unsicherheit

  • Reiben des Kinns

    steht für Nachdenklichkeit und Zufriedenheit

  • Verschränkte Arme

    zeigen bei Frauen: Unsicherheit oder Angst, bei Männern: Ablehnung und Verschlossenheit

  • Zum Spitzdach geformte Hände

    signalisieren Überheblichkeit, gleichzeitig Abwehr gegen Einwände

Heute lehrt Cuddy an der Harvard Business School und gehört zu den führenden Wissenschaftlerinnen auf dem Gebiet der Körpersprache. Die Sozialpsychologin hat in Dutzenden Experimenten erforscht, wie Mimik und Gestik mit Macht zusammenhängen. Wer sich zum Beispiel vor Selbstzweifeln am liebsten verstecken würde, dem rät Cuddy erst recht zu einer expansiven Körpersprache: Hände hinter den Kopf oder Fäuste an die Hüften.

Diese Gesten überzeugen nicht nur uns selbst, sondern auch unsere Mitmenschen. Für eine Studie bat Cuddy vor einigen Jahren eine Gruppe von Studenten, vor einem simulierten Jobinterview klassische Machtposen einzunehmen. Eine zweite Gruppe sollte Arme oder Beine verschränken oder in sich zusammensinken – Gesten, die Verunsicherung ausdrücken. Das Ergebnis: Die Testpersonen aus der ersten Gruppe traten im Gespräch selbstbewusster auf. Mehr noch, sie bekamen die fiktiven Stellen deutlich häufiger angeboten. Mit anderen Worten: Es kam nicht darauf an, was die Bewerber sagten – sondern wie sie sich währenddessen fühlten.

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Ein Mitarbeiter hält einen Zettel mit der Aufschrift "Job gefällig" hoch. Quelle: dpa

Bühne für Selbstoptimierer, Forschungsfeld für Sozialpsychologen, Spielwiese für Persönlichkeitstrainer: Jedes Bewerbungsgespräch ist ein einziges Schauspiel. „Die meisten Interviewsituationen sind ein Riesentheater, bei dem Menschen einander nicht kennenlernen, sondern täuschen“, sagt Jean-Marie Bottequin, Gastprofessor für nonverbale Kommunikation an den Universitäten Wien und Ulm. Er bereitet Führungskräfte und Studierende auf Präsentationen oder Interviews vor. Und erlebt häufig, dass Personaler die Bewerber nach Sympathie oder persönlicher Erfahrung beurteilen, aber nicht nach objektiven Kriterien.

Dennoch führt am Bewerbungsgespräch kaum ein Weg vorbei. Darauf deutet auch eine Umfrage des Trendence-Instituts im vergangenen Jahr hin: Für 80 Prozent der Unternehmen ist der Dialog die bevorzugte Methode, um neue Mitarbeiter zu gewinnen – mit weitem Abstand vor Telefoninterviews (49 Prozent) oder Assessment Centern (25 Prozent).

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Doch die Erkenntnisse zahlreicher Feldstudien und Experimente legen besonders einen Schluss nahe: Ein Bewerbungsgespräch ist vor allem Psychologie. Die tatsächliche Qualifikation der Bewerber ist offenbar genauso zweitrangig wie die Fragen des Personalers. Über Sieg und Niederlage, über Glück und Pech entscheiden häufig unbewusste Verhaltensweisen.

Kein Wunder, dass Bewerbungsratgeber boomen. Hunderte von Büchern wollen Praktikanten und Absolventen genauso vor den gröbsten Fehlern bewahren wie erfahrene Führungskräfte. Fläzen Sie sich niemals im Bürosessel! Sprechen Sie deutlich! Beine anwinkeln, nicht spreizen!

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