
An die Berühmtheit von King Kong kommt Richard „Dick“ Fuld nicht heran. Aber gleich danach reiht sich der frühere Chef von Lehman Brothers ein in die Reihe der berühmtesten Gorillas der Welt.
Denn so wurde Fuld genannt – offenbar nicht ohne Grund: Denn sein Verhalten als Investmentbanker erinnerte laut Zeitzeugen stark an das eines Gorillamännchens, das die Konkurrenz in die Schranken wies und mit seinem Auftreten die Umgebung einschüchterte. Besonders unglücklich war Fuld über seinen Spitznamen nicht: Er stellte sich einen großen Stofftier-Gorilla ins Büro.
Patrick van Veen hat jahrzehntelang die Parallelen zwischen den Verhaltensweisen von Managern und Primaten vergleichen. Er war jahrelang Projektleiter in einem Versicherungsunternehmen. Van Veen gibt Seminare und schreibt Bücher. Jetzt ist gerade sein neues Werk „Hilfe, mein Chef ist ein Affe!“ erschienen. Mit „Chef“ meint er nicht nur Vorstand oder Geschäftsführer einer Firma, sondern jeden, der „Verhalten beeinflussen will“, also auch Abteilungsleiter und so weiter.
Tyrannosauros Boss
Quelle: dpaDer Milchbaron Theo Müller ist als streitbarer Sturkopf bekannt. Bis er kürzlich Heiner Kamps in die Gruppe holte, duldete er lange kaum andere Manager lange in wichtigen Positionen. Seine Söhne spürten den dominanten Patron ebenfalls. "Taucht der Vater auf, werden die Söhne zu Zwergen", erklärte einmal ein Ex-Mitarbeiter.
Auch bei der Sanierung ist er wenig zimperlich. Als er 2004 den Ratiopharm-Manager Klaus Rättig holte um einen Großteil der Arbeitsplätze in der Verwaltung einzusparen, soll Müller gefordert haben: "Es muss Blut fließen."
Wirklich wütend wird der "Polterpatriarch", wie ihn das „Manager Magazin“ betitelte aber wenn es um Greenpeace geht. Die Aktivisten führten eine Kampagne gegen "Genmilch" von Müller, der beglückwünschte seine Werksschützer dafür, dass sie Greenpeace-Aktivisten mit einem Feuerwehrschlauch vertrieben. Bei einer anderen Protestaktion lief er selbst mit vors Werktor und soll persönlich in Handgreiflichkeiten verwickelt gewesen sein, bei dem Fotografen verletzt und ihre Ausrüstung beschädigt wurden. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Augsburg wegen des Verdachts der Körperverletzung wurden gegen Zahlung von 45.000 Euro an karitative Einrichtungen eingestellt.
Quelle: dpaDa sie oft allein in den Filialen schuften mussten, waren Kassiererinnen bei Anton Schlecker lange ein bevorzugtes Opfer von Überfällen. Auch die Bezahlung sorgte immer wieder für Ärger: Schlecker feuerte Mitarbeiter, um sie über eine hauseigene Zeitarbeitsfirma wieder einzustellen. Verdi bezeichnete Schlecker als "Tyrann mit frühkapitalistischen Allüren" und selbst die damalige Arbeitsministerin Ursula von der Leyen sprach vom "Wilden Westen". 1998 wurde Schlecker gar zu einer Bewährungsstrafe und umgerechnet zwei Millionen Euro verurteilt, da er einer Mitarbeitern vorgemacht hatte, er würde sie nach Tarif bezahlen.
Quelle: dpaWolfgang Grupp ist einerseits ein deutscher Vorzeigeunternehmer, der seit Jahren mit seinem Affen im Fernsehen für die hierzulande genähten Trigema-Klamotten wirbt. Gern wettert er auch in Talkshows gegen Größenwahn und Misswirtschaft in globalen Großkonzernen.
Doch Grupp gilt auch als Egomane. Der "König von Burladingen" residiert in einer riesigen Villa mit Butler, Privatkapelle und einem protzigen Mausoleum. Im Umgang mit seinem Mitarbeiter pflegt der Patriarch einen eigenen Stil. Als "fürsorglichen Imperator" bezeichnet ihn sein Biograf Erik Lindner. "Vor jeder Näherin muss immer Ware liegen, damit's vorangeht. Wenn da wenig liegt, wird geschwätzt", erklärt Grupp in einer SWR-Doku die Notwendigkeit von Druck im Unternehmen.
Quelle: dpaBeispielhaft auch eine Episode über den Umgang mit Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Für den streitsüchtigen Fabrikanten ein Anlass, ins Grundsätzliche zu gehen. Als eine Aussiedlerin Ende der Neunziger Jahre kurz nach ihrer Einstellung eine zweiwöchige Krankmeldung einreichte, erhielt sie sofort die Kündigung. Daraufhin kehrte die Frau am nächsten Tag trotz eines ärztlichen Attests an die Maschine zurück, entschuldigte sich schriftlich und bat den Trigema-Chef persönlich um eine zweite Chance.
Der aber legte sich lieber mit den Doctores an. "Ich habe schon immer behauptet, daß sinnlos krankschreibende Ärzte mitverantwortlich sind für unsere 4,5 Millionen Arbeitslosen und für die Diskriminierung des deutschen Arbeitsplatze", schrieb er an die Ärzte der Näherin. "Um eine korrekte Entscheidung zu treffen, müsste ich zuerst von Ihnen erfahren, wieso Sie zu dieser langen Krankschreibung kommen." Grupp erhielt keine Antwort, die Aussiedlerin keine zweite Chance; sie könne ihren Ärzten sagen, ließ er die Frau wissen, daß "sie verantwortlich dafür sind, daß Sie Ihren Arbeitsplatz auf Probe verloren haben".
Quelle: dpaDer Apple-Gründer Steve Jobs war so geliebt wie gefürchtet. Als "bezaubernden Tyrann" bezeichnete Ex-Mitstreiter Andy Hertzfeld Jobs einmal. Ein Wort des "iGod" konnte die Arbeit von Monaten zunichte machen und so schnell wie Mitarbeiter in seiner besonderen Gunst standen, wurde sie Ihnen auch wieder entzogen. Der Führungsstil war eine Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche. Seine Mails um Mitternacht waren gefürchtet und Mitarbeiter wurden auch mitten in Besprechungen gefeuert oder vor versammelter Mannschaft gedemütigt. "Einen schönen Kuchen hast du da gebacken. Aber als Glasur hast du Hundescheisse genommen", erklärte er dann beispielsweise, wie Alan Deutschman in einem Buch über Jobs schreibt.
Quelle: rtrDer langjährige General-Electric-Boss Jack Welch wurde danach auch zum anerkannten Management-Experten. Doch viele ehemalige Angestellte sind weniger gut auf Welch zu sprechen. Immerhin stammt von ihm die sogenannte 20-70-10-Regel, die er auch praktizierte: Die besten 20 Prozent der Mitarbeiter gehören mit Boni belohnt, die mittleren 70 Prozent gefördert, die schlechtesten zehn Prozent gefeuert. "Minderleister vergiften das Klima", lautet ein beliebter Welch-Spruch.
Der Milchbaron Theo Müller ist als streitbarer Sturkopf bekannt. Bis er kürzlich Heiner Kamps in die Gruppe holte, duldete er lange kaum andere Manager lange in wichtigen Positionen. Seine Söhne spürten den dominanten Patron ebenfalls. "Taucht der Vater auf, werden die Söhne zu Zwergen", erklärte einmal ein Ex-Mitarbeiter.
Auch bei der Sanierung ist er wenig zimperlich. Als er 2004 den Ratiopharm-Manager Klaus Rättig holte um einen Großteil der Arbeitsplätze in der Verwaltung einzusparen, soll Müller gefordert haben: "Es muss Blut fließen."
Wirklich wütend wird der "Polterpatriarch", wie ihn das „Manager Magazin“ betitelte aber wenn es um Greenpeace geht. Die Aktivisten führten eine Kampagne gegen "Genmilch" von Müller, der beglückwünschte seine Werksschützer dafür, dass sie Greenpeace-Aktivisten mit einem Feuerwehrschlauch vertrieben. Bei einer anderen Protestaktion lief er selbst mit vors Werktor und soll persönlich in Handgreiflichkeiten verwickelt gewesen sein, bei dem Fotografen verletzt und ihre Ausrüstung beschädigt wurden. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Augsburg wegen des Verdachts der Körperverletzung wurden gegen Zahlung von 45.000 Euro an karitative Einrichtungen eingestellt.
Van Veen identifiziert gewisse Grundfehler unseres Bürolebens. Eines davon ist bei vielen Führungspersonen die übertriebene Suche nach einer schnellen Lösung. Dabei gebe es deutlich effektivere Lösungen, um das Wohl des Unternehmens zu fördern. Wer zur Wurzel des Problems vordringt, behebt Probleme langfristiger und kann Verhaltensweisen der Mitarbeiter besser beeinflussen.
Führungskräfte brauchen noch viel Übung
Nun stellt sich die Frage, was an unserem Fehlverhalten eigentlich Schuld ist: Die Gene? Nicht mehr und nicht weniger als die anderen beider Pfeiler unseres Verhaltens, schreibt van Veen, nämlich die Umwelt und die Persönlichkeit.
Der studierte Biologe erinnert gleich zu Beginn an die bekannte Tatsache, dass uns nur 1,6 Prozent unserer Gene vom Schimpansen unterscheidet. Und gemeinsam ist uns vor allem der Drang zum Denken und zum Lernen. Und das geschieht in erster Instanz durch Beobachtung, dann dadurch, die Ursache zu erkennen und schließlich den Zweck zu erkennen.
Damit der Chef zum guten Verhaltensforscher wird, muss er diese drei Schritte durchlaufen, was laut van Veen nur selten gelingt: „In der Praxis brauchen Führungskräfte oft noch viel Übung.“
An dieser Stelle fügt der Autor eine Reihe von Ratschlägen á la „Es ist nicht immer so, wie es scheint“ an. Das kommt gut, aber auch ein wenig altbacken daher. Dennoch ist diese Passage eine hilfreiche Gedächtnisstütze, um alltägliche Fehler zu vermeiden.
Eine weitere Parallele zwischen einer Affengruppe und einem Unternehmen ist die strenge Hierarchie. Bei unseren genetischen Verwandten dreht sich alles um die Rangordnung – und auch bei Firmen ist die Frage, wie hierarchisch sie organisiert sind, von entscheidender Bedeutung.
Die Führung muss man sich verdienen
Und in beiden Fällen gilt: Wer auf dem Papier die Macht hat, hat in der Praxis nicht automatisch auch das Sagen. Im Affenrudel muss man sich die Führerschaft verdienen. Bei uns Menschen siegt eher rhetorisches Imponiergehabe als körperliche Kraft. Hier gelingt van Veen eine zugleich humorvolle wie auch interessante Darstellung der Parallelen von Affen und Angestellten im alltäglichen Büroleben.
Das Buch von Patrick van Veen ist unterhaltsam, aber viel mehr auch nicht. Zwar bietet es einige nette Denkanstöße und es dürfte nur sehr wenige Führungsfiguren geben, die von sich behaupten können, all die Ratschläge wirklich zu befolgen.
Der Untertitel des Buches sagt: „Ganz natürliche Erklärungen für unser Verhalten.“ Entsprechend sollte der Leser keinen großen Nutzwert erwarten, sondern „Erklärungen“. Aber auch die können durchaus spannend zu lesen sein.
Bibliografie:
Patrick van Veen
Hilfe, mein Chef ist ein Affe! Ganz natürliche Erklärungen für unser Verhalten
Knaus Verlag, München 2011
188 Seiten













