Büro-Freundschaften: Lass uns lieber Kollegen bleiben

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Büro-Freundschaften: Lass uns lieber Kollegen bleiben

Gute Freunde im Büro machen die Arbeit leichter? Kann sein, doch die Forschung zeigt: Manchmal ist mehr Distanz besser.

Es gibt Sätze, die erwartet man nicht aus dem Mund eines Londoner Unternehmensberaters. Schon gar nicht, wenn es um das Miteinander im Kollegenkreis geht. „Wir sind hier alle Freunde“, ist so ein Satz. Die Managementforscherin Jana Costas hörte ihn vor ein paar Jahren von einem Berater der ZOI Consulting.

Das Unternehmen heißt eigentlich anders und gehört zu den Großen der Branche, Costas anonymisierte es für eine Fallstudie. So wie Primatenforscher durch den ivorischen Dschungel pirschen, um das komplexe Sozialverhalten von Schimpansen zu studieren, hatte sich Costas in die Bürowildnis hinausgewagt, um über vier Monate hinweg die Unternehmenskultur in der Beratungsfirma zu untersuchen. Ihre Aufzeichnungen lesen sich verblüffend.

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Bei ZOI Consulting fand Costas zunächst eine „Kultur der Freundschaft, die großen Wert auf individuelle Wahlmöglichkeiten, Offenheit, Gleichheit und Vielfalt legt“. Keine Spur von übertriebenem Ehrgeiz, Machtspielchen und immensem Druck. Alle kannten sich, mochten sich, redeten miteinander. Zu den regelmäßigen Veranstaltungen gehörten sogar gemeinsame Abende im Pub, an denen vom Analysten bis zum Direktor die ganze Abteilung teilnahm. Klingt verlockend. Oder etwa nicht?

Tipps für den gelungenen Smalltalk

  • Mit einem Lächeln beginnen

    Zum Smalltalk gehört auch eine entsprechende Körperhaltung: Es geht um eine nette, harmlose Plauderei, also beginnen Sie diese mit einem netten Lächeln. Und verschränken Sie die Arme nicht vor der Brust und verstecken Sie Ihre Hände nicht hinter dem Rücken oder in den Hosentaschen.

  • Auf die Distanz kommt es an

    Smalltalk betreiben wir meist mit Menschen, die wir nicht besonders gut kennen. Deshalb ist es wichtig, einen angenehmen Gesprächsabstand einzuhalten. Wer seinem Gegenüber zu dicht auf die Pelle rückt, darf sich nicht wundern, wenn er sich unbeliebt macht.

  • Themen

    Am liebsten smalltalken die Deutschen übrigens über ihren Urlaub, Ärger mit Handwerkern, ihre Hobbies, Berufliches oder die Gesundheit.

  • Tabuthemen

    Vermeiden Sie die Themen Politik, Religion, Geld und private Probleme: Solche Themen sind nur für den Freundes- oder Verwandtenkreis bestimmt. Für eine unverbindliche Plauderei mit Fremden eignen sie sich nicht.

  • Humor ja, Witze nein

    Auch wenn es sich um Ihren absoluten Lieblingswitz handelt, beginnen Sie ein Gespräch bitte nicht mit: "Kennen Sie den?..." Niemand hat etwas gegen humorvolle Bemerkungen und Schlagfertigkeit, aber Sprücheklopfer und Witzbolde kommen einfach nicht gut an.

  • Offene Fragen

    Bringen Sie Ihr Gegenüber dazu, etwas zu erzählen. Wer geschlossene Fragen stellt, auf die der Gesprächspartner nur mit "Ja" oder "Nein" antworten kann, schafft keine angenehme Gesprächsatmosphäre. Versuchen Sie es lieber mit einer Frage wie "Woher kennen Sie den Gastgeber?"

  • Neutrale Fragen stellen

    Achten Sie darauf, neutrale Fragen zu stellen und freundlich zu bleiben. Wer fragt: "Finden Sie Fußball auch so doof?" wird es sich mit einem eingefleischten Fan verscherzen. Dann lieber fragen, was das Gegenüber beruflich macht. Zur Not reden Sie über das Wetter, das geht immer.

  • Aufmerksam zuhören

    Damit sich wirklich ein nettes Gespräch ergibt, müssen Sie natürlich nicht nur Fragen stellen, sondern auch zuhören. Schenken Sie Ihrem Gegenüber also die volle Aufmerksamkeit, auch wenn Sie sich über belanglose Themen unterhalten. Sonst verliert er schnell die Lust am Gespräch mit Ihnen.

  • Sparen Sie sich Lästereien und Angeberei

    Auch wenn Lästern im Freundeskreis Spaß macht, beim Smalltalk sollten Sie es sich sparen. Es fällt nur negativ auf Sie zurück. Das hat der Psychologieprofessor John Skowronski von der Northern- Illinois-Universität in mehreren Experimenten herausgefunden. Zuhörer übertragen jene Eigenschaften, die Person A einer Person B andichtet, unbewusst und automatisch auf Person A. Ebenfalls verzichten sollten Sie auf Redebeiträge nach dem Motto "Mein Haus, mein Auto, meine Yacht".

Wenn man schon täglich mindestens acht Stunden mit seinen Kollegen im gleichen Raum verbringen muss, sollte man doch eigentlich froh sein, wenn man sich dabei auch noch gut versteht. Tatsächlich bestätigen einige arbeitspsychologische Studien diese Ansicht.

Patricia Sias zum Beispiel, Forscherin an der Universität von Arizona, untersucht seit vielen Jahren soziale Beziehungen in Unternehmen. Freundschaften hätten größtenteils positive Effekte, sowohl auf Mitarbeiter als auch auf die ganze Organisation.

Kein Wunder, einerseits. Freunde im Büro unterstützen sich emotional, weisen einander auf Fehler hin, teilen wichtige Informationen miteinander. Sie erleichtern Karriereschritte und schützen gleichzeitig vor Angriffen von Kollegen oder Druck von Vorgesetzten.

Was man seinen Kollegen geben kann

  • Job umgestalten

    Oft mühen sich Menschen mit Aufgaben, die nicht ihren Interessen und Fähigkeiten entsprechen. Helfen Sie anderen, an Projekten zu arbeiten, die ihnen mehr Entwicklungsmöglichkeiten bieten.

  • Geben belohnen

    Viele Mitarbeiter weigern sich, Zeit und Wissen mit Kollegen zu teilen. Belohnen Sie Leute, die ihre Zeit und Informationen auch anderen zukommen lassen.

  • Andere vernetzen

    Stellen Sie Personen aus Ihrem Netzwerk mit ungewöhnlichen Gemeinsamkeiten einander vor. Suchen Sie einmal im Monat eine Person, mit der Sie lang nicht gesprochen haben. Finden Sie heraus, woran sie arbeitet, und fragen Sie, ob Sie helfen können.

  • Zuhören statt reden

    Werden Sie vom Antworter zum Fragesteller: Oft erzielt man eine größere Wirkung, wenn man weiß, was man fragen muss, als zu wissen, was man sagen will.

  • Um Hilfe bitten

    Helfen Sie großzügig und ohne Hintergedanken. Aber bitten Sie auch um das, was Sie benötigen. Geber freuen sich, ihre Werte zu demonstrieren und sich anerkannt zu fühlen.

  • Fünf-Minuten-Gefallen

    Es muss nicht immer die große Geste sein: Suchen Sie Möglichkeiten, anderen mit minimalem persönlichem Aufwand zu helfen.

Außerdem ist erwiesen, dass Freundschaften zwischen Mitarbeitern die Kreativität erhöhen. Gute Beziehungen steigern das individuelle Sicherheitsgefühl, deshalb trauen Mitarbeiter sich eher, Neues auszuprobieren. Außerdem können Freundschaften im Job das Wohlbefinden verbessern und die Kündigungen verringern.

Eines der ungewöhnlichsten Freundschaftspärchen der deutschen Wirtschaft bildeten der einstige Telekom-CEO René Obermann und sein heutiger Nachfolger und damaliger Finanzvorstand Timotheus Höttges. Bis zu Obermanns Scheidung von seiner ersten Frau waren die beiden Nachbarn und gingen morgens gemeinsam am Rhein joggen.

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