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Bürokrankheit Burn-out: Schwieriger Umgang mit dem B-Wort

von Liane Borghardt

Psychische Erkrankungen von Mitarbeitern nehmen zu und verringern die Produktivität. Wie Unternehmen Burn-out vorbeugen und nachsorgen.

Burnout Quelle: dpa
Ausgebrannt sein, weil man im Job alles gegeben hat – die Diagnose Burn-out macht die Krankheit offenbar gesellschaftlich akzeptabler Quelle: dpa

Kein Zweifel, der Mann hatte sich verändert. War er früher offen und freundlich, hatte sich der Personalreferent eines großen Versicherungsunternehmens in den zurückliegenden Monaten zum Zyniker und Einzelgänger entwickelt.

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Dass er oft übermüdet wirkte, dass manchmal seine Hände zitterten, war nicht nur den Kollegen aufgefallen. „Seine Arbeitsergebnisse waren teilweise so schlecht, dass man sich fragte, ob er unter Drogen stand“, sagt der Abteilungsleiter, der die Erfahrungen mit seinem Mitarbeiter nur anonym preisgibt. Schließlich spricht er den Kollegen auf sein auffälliges Verhalten an und empfiehlt ihm den Gang zum Psychologen. Diagnose: Burn-out.

Zwar begegnen viele dem „B-Wort“, wie der Begriff in Personaler- und Ärztekreisen gern verkürzt wird, mit Skepsis. Gibt es den Begriff Burn-out, um den eine Industrie teils zweifelhafter Ratgeber entstanden ist, als medizinische Diagnose streng genommen gar nicht. Vielmehr handle es sich um ein schwammiges Etikett für schwere seelische Leiden, die oft falsch behandelt werden, kritisieren Experten. Einerseits.

Andererseits hat sich die Bezeichnung für alle Abstufungen psychischer Beschwerden durchgesetzt, bei denen Betroffene unter emotionaler Erschöpfung und verminderter Leistungsfähigkeit leiden. Ausgebrannt sein, weil man im Job alles gegeben hat – das macht die Diagnose offenbar gesellschaftlich akzeptabler. Ein Burn-out nimmt das Stigma, erleichtert den Dialog in den Büros – und die Einsicht des Managements in die Notwendigkeit, sich des Themas anzunehmen.

Lange war Burn-out ein Tabuthema. Inzwischen gehen Betroffene und auch Unternehmen offener damit um. Konkrete Zahlen zu finden ist trotzdem schwierig. Das "Manager Magazin" hat nun ermittelt, in welchen Unternehmen die Gefahr am größten ist, krank zu werden. Dazu haben Experten der Asklepios-Kliniken anhand der Zahl der Patienten die sich in stationärer Behandlung befinden die tatsächliche Dimension geschätzt - die Zahlen sind alarmierend.

Beim Düngemittelkonzern K+S leiden die wenigsten Mitarbeiter unter der Diagnose Burn-out. Von insgesamt 10 147 Mitarbeitern im Jahr 2011, erkranken jährlich höchstens 20. Das entspricht etwa 0,2 % der Angestellten.

Bild: dpa

Das Leben wird schneller, die Welt rückt zusammen, die Technik lässt die Grenzen von Beruf und Privatem zerfließen. 88 Prozent der Deutschen kennen keinen klassischen Feierabend mehr, ergab in 2011 eine Umfrage des IT-Branchenverbandes Bitkom. Eine aktuelle Studie der Personalberatung von Rundstedt HR Partners resümierte: 66 Prozent der Arbeitnehmer finden ihr Arbeitspensum hoch oder zu hoch.

Jüngst forderte Arbeitsministerin Ursula von der Leyen in Betrieben ab 2013 schärfere Vorschriften zu „Schutz und Stärkung der Gesundheit bei arbeitsbedingter psychischer Belastung“. Bereits heute können Mitarbeiter oder Betriebsräte jederzeit eine Beurteilung des Arbeitsumfangs beantragen oder den Umzug in ein Großraumbüro blockieren. Schon weil diese Auseinandersetzungen sehr kostspielig werden können, rät Arbeitsrechtler Tobias Neufeld, Partner der Kanzlei Allen & Overy, Unternehmen, „in die psychische Gesundheit der Mitarbeiter zu investieren“.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 08.06.2012, 22:15 UhrLeistungsklima

    @Leistungsklima
    Gelungener Artikel, denn ohne nachhaltige Änderung aller Beteiligten bewegt sich nichts.
    Alle, also auch die Organisation muss sich ändern! Das aktuell von Beate Mies und
    Thomas Grünschläger weiterentwickelte Verfahren der Organisationsdiagnose bringt es
    auf den Punkt: Die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen wird durch ein
    gesundes Leistungsklima nachhaltig gesteigert - Burnout vermieden.
    In Kürze wird es möglich den individuellen Leistungsklimaindex zu messen und daraus
    entsprechende Interventionen und Maßnahmen abzuleiten. Für Unternehmen seht ein
    ausführliches Diagnosetool zur Verfügung, das die Dimensionen des Leistungsklima erhebt:
    Arbeit, Person, Beziehungen, Lohn und Organisation.

  • 29.05.2012, 22:20 UhrVolatility

    Eine Frage bleibt am Ende doch offen: Wie gehen denn die Unternehmen mit den Mitarbeitern um, die am Burn-out erkrankt sind? Ist das nicht für viele der absolute Karrierekiller, so nach dem Motto: "Bei uns arbeiten nur die besten (=härtesten) Mitarbeiter und keine Weicheier!" Und die Konsequenz ist dann ja klar so jemand muss man los werden....

    Daher für alle Arbeitnehmer folgende Ratschläge:

    1. Bei den ersten Anzeichen sofort zum Arzt, am besten zum Facharzt für Psychatrie!
    2. Sofort krankschreiben lassen!! Ohne Diagnose des Arztes auf der Krankmeldung!!!! Die Diagnose geht niemand was an!
    3. Bei Fragen des Arbeitgebers andere Krankheiten vorschützen (die meisten Ärzte spielen hier mit, wenn es dem Wohl des Patienten dient...)
    4. Um die weitere Karriere nicht zu gefärden: so schnell wie möglich kündigen! Will man wirklichen einen Job machen, der einen krank gemacht hat? Und mit einer derartigen Krankengeschichte bekommt man von seinem Arbeitgeber sicherlich keinen interessaten Job mehr angeboten, sondern der ist froh wenn selber geht......

    Leider beruht dies auf persönlichen Erfahrungen in diesem Bereich, ein offener Umgang mit der Diagnose hat mich dann um den Job gebracht....................

  • 28.05.2012, 10:17 UhrKarlMurx

    Burnout und Chronische Erschöpfung SIND KEINE "psychische Erkrankung", sondern eine schwere (Energie)Stoffwechselstörung. Kapiert das doch endlich mal! Sonst wird man das Problem nie ernst nehmen und die Leute ewig dumm anmachen und falsch therapieren.

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