
Kein Zweifel, der Mann hatte sich verändert. War er früher offen und freundlich, hatte sich der Personalreferent eines großen Versicherungsunternehmens in den zurückliegenden Monaten zum Zyniker und Einzelgänger entwickelt.
Dass er oft übermüdet wirkte, dass manchmal seine Hände zitterten, war nicht nur den Kollegen aufgefallen. „Seine Arbeitsergebnisse waren teilweise so schlecht, dass man sich fragte, ob er unter Drogen stand“, sagt der Abteilungsleiter, der die Erfahrungen mit seinem Mitarbeiter nur anonym preisgibt. Schließlich spricht er den Kollegen auf sein auffälliges Verhalten an und empfiehlt ihm den Gang zum Psychologen. Diagnose: Burn-out.
Zwar begegnen viele dem „B-Wort“, wie der Begriff in Personaler- und Ärztekreisen gern verkürzt wird, mit Skepsis. Gibt es den Begriff Burn-out, um den eine Industrie teils zweifelhafter Ratgeber entstanden ist, als medizinische Diagnose streng genommen gar nicht. Vielmehr handle es sich um ein schwammiges Etikett für schwere seelische Leiden, die oft falsch behandelt werden, kritisieren Experten. Einerseits.
Andererseits hat sich die Bezeichnung für alle Abstufungen psychischer Beschwerden durchgesetzt, bei denen Betroffene unter emotionaler Erschöpfung und verminderter Leistungsfähigkeit leiden. Ausgebrannt sein, weil man im Job alles gegeben hat – das macht die Diagnose offenbar gesellschaftlich akzeptabler. Ein Burn-out nimmt das Stigma, erleichtert den Dialog in den Büros – und die Einsicht des Managements in die Notwendigkeit, sich des Themas anzunehmen.
Bild: dpaLange war Burn-out ein Tabuthema. Inzwischen gehen Betroffene und auch Unternehmen offener damit um. Konkrete Zahlen zu finden ist trotzdem schwierig. Das "Manager Magazin" hat nun ermittelt, in welchen Unternehmen die Gefahr am größten ist, krank zu werden. Dazu haben Experten der Asklepios-Kliniken anhand der Zahl der Patienten die sich in stationärer Behandlung befinden die tatsächliche Dimension geschätzt - die Zahlen sind alarmierend.
Beim Düngemittelkonzern K+S leiden die wenigsten Mitarbeiter unter der Diagnose Burn-out. Von insgesamt 10 147 Mitarbeitern im Jahr 2011, erkranken jährlich höchstens 20. Das entspricht etwa 0,2 % der Angestellten.
Bild: dpaVolkswagen
Gutes Ergebnis auch bei VW. Hier leiden im Verhältnis gesehen die zweitwenigsten Mitarbeiter am Burn-out. Von insgesamt 224 851 Angestellten erkrankten 3400 und 6 300 Mitarbeiter pro Jahr, das sind im Höchstfall 2,8 % der Belegschaft. Bei den anderen deutschen Autobauern sieht die Situation hingegen schon etwas anders aus...
Bild: dapdDaimler & BMW
Bei Mercedes erkranken im Jahr etwa zwischen 4 900 und 11 400 von insgesamt 167 684 Beschäftigten. Das sind im schlimmsten Fall immerhin 6,8 % der Belegschaft, von der somit fast jeder 15. dem Burn-out zum Opfer fällt.
Ähnliche, nur geringfügig schlechtere Bilanz bei BMW: Von den 73 324 Mitarbeitern wird pro Jahr beb zu 5 200 die Diagnose Burn-out gestellt. Es erkrankt also fast jeder 14.
Bild: dpaBayer, RWE und SAP
Sehr nah beieinander liegen auch die Zahlen von Bayer, RWE und SAP. Beim Pharmakonzern aus Leverkusen erkranken bis zu 2000 Mitarbeiter pro Jahr, das sind 5,6 % der 35 800 Beschäftigten.
Beim Energielieferanten RWE sind pro Jahr bis zu 2400 der 41 632 Mitarbeiter betroffen. Das sind knapp 5,8 %, also fast jeder 17.
Im Hause SAP fallen zwischen 700 und 1000 Angestellte dem Stress zum Opfer. Das entspricht im schlimmsten Falle jedem 16. der 16 011 Angestellten.
Bild: dpaCommerzbank, Metro, Deutsche Telekom und Infineon
Erhöhte Belastung in Sachen Stress auch bei der Commerzbank. Jedes Jahr erkranken hier zwischen 2300 und 3200 Mitarbeiter von 44 474 Mitarbeitern, etwa 7,2 % der Belegschaft.
Fast das gleiche Risiko gilt auch für Mitarbeiter bei Metro. Das Handelsunternehmen vermeldet bis zu 6 600 Burn-out-Fälle bei 91 189. Auch hier erkrankt annähernd jeder 14.
Bei der Telekom sind es zwischen 3800 und 8 900 Erkrankungen im Jahr. Bei einer Belegschaft von 121 564 Arbeitnehmern entspricht das gut 7,3 %.
Beim Chiphersteller Infineon ergab die Schätzung, dass höchstens 600 der 7 926 jährlich unter einem Burn-out leiden.
Bild: dapdDeutsche Bank
Der Finanzsektor scheint nicht so oft betroffen, wie man zunächst denkt. Für die Deutsche Bank ermittelten die Experten, dass im Jahr bei etwa 1 900 von insgesamt 24 801 Mitarbeitern (ohne Postbank und Sal. Oppenheim) ein Burn-out diagnostiziert wurde. Es erkrankt demnach jeder 13. Angestellte.
Bild: dapdSiemens
Das Technologieunternehmen mit 116 000 Mitarbeitern, weist nach den Schätzungen jährlich zwischen 3 800 und 9 000 Erkrankungen vor, die als Burn-out behandelt werden. Das wären im schlimmsten Fall 7,8 % der Angestellten.
Bild: APAllianz
Das Versicherungsunternehmen gehört mit bis zu 3 400 Burn-out-Fällen pro Jahr in die traurige Spitzengruppe der Dax-Unternehmen. Bei den insgesamt 40 837 Beschäftigten fällt fast jeder Zwölfte der Stress-Erkrankung zum Opfer.
Bild: dapdThyssenKrupp
Auch der Stahlkonzern ist betroffen. Die Werte des Konzerns changieren zwischen 2 500 und 5 700 Burn-out-Fällen pro Jahr. Mit der letztgenannten Zahl gerechnet, erkranken somit bis zu 8,3 % der Gesamtbelegschaft von 68 419 Mitarbeitern.
Bild: dpaHenkel
Viele Burn-out-Fälle verzeichnet auch der Dax-Konzern aus Düsseldorf. Hier erkranken jährlich zwischen 300 und 700 Mitarbeiter. Bei 8322 Angestellten sind es somit bis zu 8,4 % der Belegschaft.
Lange war Burn-out ein Tabuthema. Inzwischen gehen Betroffene und auch Unternehmen offener damit um. Konkrete Zahlen zu finden ist trotzdem schwierig. Das "Manager Magazin" hat nun ermittelt, in welchen Unternehmen die Gefahr am größten ist, krank zu werden. Dazu haben Experten der Asklepios-Kliniken anhand der Zahl der Patienten die sich in stationärer Behandlung befinden die tatsächliche Dimension geschätzt - die Zahlen sind alarmierend.
Beim Düngemittelkonzern K+S leiden die wenigsten Mitarbeiter unter der Diagnose Burn-out. Von insgesamt 10 147 Mitarbeitern im Jahr 2011, erkranken jährlich höchstens 20. Das entspricht etwa 0,2 % der Angestellten.
Das Leben wird schneller, die Welt rückt zusammen, die Technik lässt die Grenzen von Beruf und Privatem zerfließen. 88 Prozent der Deutschen kennen keinen klassischen Feierabend mehr, ergab in 2011 eine Umfrage des IT-Branchenverbandes Bitkom. Eine aktuelle Studie der Personalberatung von Rundstedt HR Partners resümierte: 66 Prozent der Arbeitnehmer finden ihr Arbeitspensum hoch oder zu hoch.
Jüngst forderte Arbeitsministerin Ursula von der Leyen in Betrieben ab 2013 schärfere Vorschriften zu „Schutz und Stärkung der Gesundheit bei arbeitsbedingter psychischer Belastung“. Bereits heute können Mitarbeiter oder Betriebsräte jederzeit eine Beurteilung des Arbeitsumfangs beantragen oder den Umzug in ein Großraumbüro blockieren. Schon weil diese Auseinandersetzungen sehr kostspielig werden können, rät Arbeitsrechtler Tobias Neufeld, Partner der Kanzlei Allen & Overy, Unternehmen, „in die psychische Gesundheit der Mitarbeiter zu investieren“.
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