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Büroregeln : Wie das Ausland die Zusammenarbeit von Männern und Frauen regelt

von Alexander Busch, Yvonne Esterházy, Karin Finkenzeller, Angela Hennersdorf und Philipp Mattheis

Vor allem in den USA gelten extrem strenge Gesetze gegen "Sexual Harassment".

Urteil wegen Brust-Belästigung I

Ein Chef eines städtischen Personalamtes wollte von Beamtenanwärterinnen die genaue BH-Größe wissen. Zudem erkundigte er sich, ob er sie "anmachen dürfe" und schlug Treffen zur "gemeinsamen Entspannung" vor. Das müssen sich die Frauen, die mit ihm arbeiten, nicht gefallen lassen. Der Beamte wurde seines Posten enthoben und um eine Position zurückgestuft, urteilte das Verwaltungsgericht Trier.

Bild: REUTERS

USA

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Ein „Playboy“-Kalender an der Wand eines US-Büros? Völlig unmöglich. Anzügliche sexuelle Bemerkungen, sexistische Witze, offensives Flirten oder auch explizite Fotos sind am Arbeitsplatz verboten. Festgeschrieben sind die Regeln in der „Sexual Harassment Policy“, die jedes Unternehmen den Mitarbeitern vorschreibt. Basis ist das gesetzliche Diskriminierungsverbot. Es umfasst nicht nur das Verbot sexueller Belästigung, sondern auch Diskriminierung wegen Hautfarbe, Religion oder sexueller Orientierung.

Wer dagegen verstößt, kann gekündigt oder verklagt werden. Jeder ist aufgefordert, sich sofort bei der Unternehmensführung zu melden, sobald er oder sie sich sexuell diskriminiert fühlt oder von einem Vorfall erfährt. „Sexuelle Belästigung ist ein Delikt, das in den USA sehr ernst genommen wird“, sagt David Detjen, Partner bei der Kanzlei Alston & Bird in New York. Verhalte sich ein Kollege gegenüber einer Kollegin sexistisch, wiesen ihn andere zurecht. „Die Leute haben kapiert: Ein Nein ist ein Nein.“

China

Auf den ersten Blick wirken sämtliche Maßnahmen überflüssig: Die Erwerbsquote von Frauen liegt bei 74 Prozent, jede dritte Position im gehobenen Management ist weiblich besetzt. Hinzu kommt: Laut Gesetz müssen Arbeitgeber ihre weiblichen Angestellten seit 2012 vor sexueller Belästigung schützen. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich China aber als Entwicklungsland für Frauenrechte. Die patriarchalen Strukturen des Konfuzianismus haben die Mao-Ära überdauert. Zudem widerspricht es der chinesischen Mentalität, Probleme direkt anzusprechen. Viele Frauen schweigen deshalb aus Angst vor Rache jahrelang. Gut möglich also, dass sich an den bisherigen Gepflogenheiten so schnell nichts ändert.

Universitäten in Peking raten Studienanfängerinnen deshalb, sich angemessen zu kleiden und keine Diskotheken oder Bars aufzusuchen. Außerdem müssen überführte Täter in der Regel nur Kompensationen von etwa 250 Euro zahlen. Möglicherweise erklärt das auch, warum in einer Umfrage der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften aus dem Jahr 2009 knapp jede zweite Frau über sexuelle Belästigung in Form von obszönen Bemerkungen klagte. 13 Prozent gaben gar an, dass von ihnen sexuelle Gefälligkeiten erwartet wurden, um berufliche Vorteile zu erhalten.

Sexismus: Regeln für Anstand im Büro

  • Vorbild sein

    Chefs sind verantwortlich für das Büroklima. Umso wichtiger, dass sie alle fair behandeln, egal, ob Mann oder Frau.

  • Nie berühren

    Berührungen zwischen Chef und Mitarbeiterinnen sind unangebracht. Auf den Schulterklopfer verzichten.

  • Sechs-Augen-Prinzip

    Bei Gesprächen besser einen neutralen Zeugen hinzuziehen.

  • Vorsicht Lob

    Auch gut gemeintes, persönliches Lob kann zu leicht umgedeutet werden.

  • Nicht flirten

    Schmeicheleien und Komplimente sind in Büro, Betrieb und Kantine tabu.

  • Bewusstsein schaffen

    Unternehmen sollten in Führungskräfte-Coachings sexuelle Belästigung thematisieren.

  • Warnsignale beachten

    Meidet jemand einen Kollegen bewusst? Das kann ein erstes Indiz sein – nicht jeder meldet Belästigung sofort.

  • Gespräch suchen

    Erfahren Vorgesetzte von einer sexuellen Belästigung in ihrer Abteilung, sollten sie es ernst nehmen– ohne voreilig zu urteilen.

  • Sofort handeln

    Bestätigt sich ein Verdacht, Verhalten sanktionieren – bis hin zur Kündigung.

  • Vorfall aufarbeiten

    Nacheinem Übergriff den Vorfall im Team besprechen, ohne die Privatsphäre des Betroffenen zu verletzen.

Brasilien

Das Thema ist auch zwischen Rio und São Paulo bekannt: Nach Umfragen der renommierten Online-Arbeitsvermittlung trabalhando.com hat ein Drittel der Frauen schon mal Sexismus am Arbeitsplatz von einer hierarchisch höher stehenden Person erlebt. Von den Männern kannten das immerhin 20 Prozent. Deshalb auf Flirten im Job verzichten? Niemals.

Doch das Frauenministerium verschärft die Regeln inzwischen: 2011 wollte es die Ausstrahlung eines Dessous-Spots verbieten lassen. Darin beichtete das Top-Model Gisele Bündchen ihrem Mann, dass sie das Auto kaputtgefahren und die Kreditkarte überzogen habe und ihre Mutter bei ihnen einziehen werde – leicht bekleidet und mit hohen Absätzen. Der Antrag wurde abgelehnt.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 08.03.2014, 18:39 UhrNewTime

    >>Schon Bemerkungen über das äußere Erscheinungsbild und die Kleidung können als Belästigung gelten, ebenso wie das Anstarren bestimmter Körperteile oder die Zurschaustellung von expliziten Bildern, Kalendern oder Magazinen. Verboten sind auch unerbetene Berührungen, Küsse, Umarmungen, Streicheln.<<


    Die Linken - während sie unfähig sind irgendetwas zur Besserung der Lage der Arbeitnehmer erreichen -- wollen solche Zustände in Deutschland auch herbei wirken.

    Missbrauch von Kindern ist gesellschaftlich akzeptabel (siehe die Aussagen eines gewissen Volker Beck Ende der 1980er) der Erwerb von Kinderpornographie ein Kavalisierdelikt (siehe Edathy), die Unterweisungen in Sachen "Dark-Room" und "SM" wird zum ordentlichen Unterricht für Grundschulkinder (siehe Berliner "Bildungs"politik)
    aber das Anstarren bestimmter Körperteile ist ein Sexualdelikt- das ist die perverse sexuelle Moral die Linken.

  • 08.03.2014, 18:37 UhrNewTime

    >>Schon Bemerkungen über das äußere Erscheinungsbild und die Kleidung können als Belästigung gelten, ebenso wie das Anstarren bestimmter Körperteile oder die Zurschaustellung von expliziten Bildern, Kalendern oder Magazinen. Verboten sind auch unerbetene Berührungen, Küsse, Umarmungen, Streicheln.<<
    Die Linken - während sie unfähig sind irgendetwas zur Besserung der Lage der Arbeitnehmer erreichen -- wollen solche Zustände in Deutschland auch herbei wirken.
    Missbrauch und Vergewaltigungen von Kindern ist gesellschaftlich akzeptabel (siehe die Aussagen eines gewissen Volker Beck Ende der 1980er) der Erwerb von Kinderpornographie ein Kavalisierdelikt, der Unterweisungen in Sachen "Dark-Room" und "SM" wird zum ordentlichen Unterricht für Grundschulkinder
    aber das Anstarren bestimmter Körperteile ist ein Sexualdelikt- das ist die perverse sexuelle Moral die Linken

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