Burn-Out-Experte: „Blackberry auch mal nach 20 Uhr ausschalten“

Burn-Out-Experte: „Blackberry auch mal nach 20 Uhr ausschalten“

, aktualisiert 04. November 2011, 10:35 Uhr
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Götz Mundle, Chefarzt und Ärztlicher Geschäftsführer der Oberbergkliniken, empfiehlt bei der Stressbewältigung im Beruf demonstrativ Grenzen zu setzen.

von Katrin TerpitzQuelle:Handelsblatt Online

Götz Mundle ist Chefarzt der Oberbergkliniken. Dort werden vor allem Manager mit Depression, Sucht, Burn-out und Angststörungen behandelt. Um den Stresspegel zu senken, fordert er Auszeiten der Unerreichbarkeit.

DüsseldorfProfessor Mundle, ist die Erreichbarkeit durch Blackberry und Co. Fluch oder Segen?

Mit mobilen Kommunikationsmitteln lässt sich viel Stress vermeiden. Das Problem: Viele haben nicht gelernt, richtig damit umzugehen. Sie werden von der ständigen Erreichbarkeit aufgefressen.

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Wie helfen Sie Managern, die buchstäblich nicht abschalten können?

Mit unseren Patienten vereinbaren wir eine Auszeit vom Handy und Internet. Viele sind dann regelrecht auf Entzug.

Nicht umsonst wird der Blackberry scherzhaft "Crackberry" genannt...

Wir beobachten tatsächlich alle Symptome einer Sucht. Die Leute werden unruhig oder geraten regelrecht in Panik, wenn das Smartphone mal keinen Empfang hat oder der Akku leer ist.

Inwieweit kann das richtig krank machen?

Das vegetative Nervensystem steht unter chronischer Anspannung. Der Sympathikus versetzt alle Organe in Daueralarm. Ist der Spiegel des Stresshormons Cortisol langfristig erhöht, stellen sich die typischen Symptome ein: Tinnitus, Kreislauferkrankungen, Herzinfarkt, Burn-out.

Wer ist besonders gefährdet?

Gerade Menschen mit Selbstwertproblemen sind durch die ständige Erreichbarkeit leicht verführbar. Sie schaffen sich die Illusion von Sicherheit und Stärke durch das Gefühl: Ich werde gebraucht, ich bin unersetzlich.


„Auch die Festplatte des Hirns muss regelmäßig gesäubert werden“

So mancher Arbeitgeber dürfte das gerne ausnutzen...

Leider. Menschen mutieren immer mehr zu funktionierenden Maschinen in der Arbeitswelt. Damit schaden sich Unternehmen aber letztlich nur selbst. Die psychischen Belastungen und krankheitsbedingten Ausfälle bis zum Burn-out haben ja stark zugenommen.

Welche psychischen Folgen hat es, nie "offline" zu sein?

Vor lauter äußeren Reizen und Internetbildern sehen wir unsere inneren Bilder nicht mehr. Das heutige Überangebot an elektronischer Nahrung müssen wir aktiv verdauen. Ansonsten kommt es zu mentaler Überernährung oder Verstopfung. Und die Wahrnehmung unserer eigenen Ressourcen und Potenziale geht verloren. Das führt irgendwann zu Depressionen und Burn-out.

Aber ohne Multitasking geht es heute doch nicht mehr.

Wer beim PC zu viele Fenster offen hat, läuft Gefahr abzustürzen. Auch die Festplatte des menschlichen Hirns muss regelmäßig aktiv gesäubert werden. Dafür brauchen wir Auszeiten der Unerreichbarkeit..

Wie lässt sich das schaffen, ohne die Karriere zu gefährden?

Wir müssen demonstrativ Grenzen setzen. Blackberry nach 20 Uhr einfach ausschalten. Im Urlaub einen Tag in der Woche angeben, an dem man erreichbar ist. Als Notfallnummer die der Rezeption hinterlassen. Nur so lässt sich neue Kraft für die Arbeit tanken..

Professor Mundle, vielen Dank für das Gespräch.

Quelle:  Handelsblatt Online
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