Burnout-Falle: Wie Sie sich vor Ausbeutung schützen

Burnout-Falle: Wie Sie sich vor Ausbeutung schützen

, aktualisiert 04. November 2011, 12:25 Uhr
Bild vergrößern

Stress im Beruf führt immer häufiger zu Burn-out-Erkrankungen.

von Katrin TerpitzQuelle:Handelsblatt Online

Hartmut Ostrowski bei Bertelsmann, der Privatkundenchef bei Lloyds - das Burn-Out-Syndrom macht vor Vorständen nicht halt. Die Unternehmen leiden mit, wenn ihre besten Köpfe aufgeben. Doch sie können gegensteuern.

DüsseldorfLange Zeit wurde Burn-out in der Unternehmenswelt mehr oder minder belächelt. "Ausgebranntsein" - das galt als Modekrankheit überspannter Promis und Karrieristen im mittleren Management. Doch nun trifft es auch oberste Konzernlenker.

Hartmut Ostrowski gab Mitte Oktober seinen Chefposten bei Bertelsmann auf: unter anderem wegen eines drohenden Burn-outs, ließ der Aufsichtsrat verlauten. Am Mittwoch nahm Antonio Horta-Osorio, Chef der Privatkundenbank Lloyds, eine Auszeit. Diagnose: Burn-out. Die Bank stürzt das in eine Führungskrise. Diese Fälle zeigen, wie psychische Überlastung die Leistungsfähigkeit von Firmen gefährden kann.

Anzeige

Psychischer Stress kann genauso krank machen wie körperliche Überlastung - das haben Arbeitgeber mit Weitblick schon lange erkannt. Sie tun deshalb einiges, um Mitarbeiter gesund und leistungsfähig zu halten.

Das Handelsblatt hat am Donnerstag in Frankfurt Firmen für ihr vorbildliches Gesundheitsmanagement ausgezeichnet. Der "Corporate Health Award" wird mit dem Marktforscher EuPD Research und TÜV Süd Life Service vergeben. 237 Unternehmen hatten sich für den Preis in acht Branchen und drei Sonderkategorien beworben. Zu den Siegern gehören neben Konzernen wie Unilever, Steag, Boehringer Ingelheim oder Thyssen-Krupp Steel auch kleinere Organisationen wie Meyra-Ortopedia, das Umweltbundesamt oder das Uniklinikum Jena.

Tatsache ist: Die deutsche Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren stark an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen. "Dies lief zu einem Großteil auf Kosten der Beschäftigten", sagt Oliver-Timo Henssler, Experte für Gesundheitsmanagement von EuPD. "Die Arbeitsprozesse sind inzwischen so weit optimiert, dass immer mehr auf der Strecke bleiben."



Manche Mitarbeiter erkennen ihre Selbstausbeutung nicht

Rechnet man Zahlen der AOK hoch, gingen im vergangenen Jahr 1,8 Millionen Fehltage auf Burn-out-Kranke zurück. Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher liegen. Hinzu kommt: Zwei Drittel der krankheitsbedingten Produktivitätsverluste am Arbeitsplatz erzeugen Mitarbeiter, die nur eingeschränkt leistungsfähig sind. Die Kosten durch diesen sogenannten Präsentismus gehen laut Experten in die Milliarden.

"In den meisten Unternehmen herrscht noch eine Kultur der Sorglosigkeit gegenüber psychischer Gesundheit", kritisiert Bernhard Badura, Professor für betriebliches Gesundheitsmanagement der Uni Bielefeld. Das gelte für Chefs, die seelisches Wohlbefinden der Belegschaft als Zeichen einer laxen Arbeitshaltung missinterpretierten. Das gelte genauso für Mitarbeiter, die nicht erkennen würden, wann sie sich selbst ausbeuteten.

"Es ist nicht in erster Linie die Arbeitsmenge, sondern es sind die Arbeitsbedingungen, die Stress verursachen", betont Henssler. "Nicht selten ist der Chef der größte Stressfaktor." Der IT-Dienstleister SAP hat diese Erkenntnis unter dem Motto "Empowering people" aufgegriffen und bietet Mitarbeitern möglichst viel persönliche Freiheit bei der Arbeit. Im Softwarebereich etwa gibt es sich selbst organisierende Teams.

Ein Auslöser für Burn-out: Menschen fühlen sich nicht wertgeschätzt. Die Deutsche Post DHL befragt deshalb seit fünf Jahren alle Mitarbeiter weltweit zu ihrer Arbeit. "Die Zufriedenheit der Belegschaft hat sich seitdem in vielen Bereichen bereits deutlich verbessert. Mitarbeiter fordern Respekt ein", sagt Andreas Tautz, oberster Gesundheitsmanager der Post. Konfliktmediation hilft, Streitigkeiten beizulegen. Ein Burn-out-Selbsttest im Intranet ist in Planung.


Schon kleine Investitionen können sich lohnen

Um die psychische Stabilität der Mitarbeiter zu erhalten, geht die Deutsche Post auch neue Wege. Neben umfangreichen Sportprogrammen hat sie "Zusteller-Frühstücke" eingeführt. Der lockere Austausch wirkt bei den Brief- und Paketzustellern, die meist allein auf Tour sind, als Stressventil und teambildend.

Auch die Gothaer Krankenversicherung bietet zur Burn-out-Prävention ein breites Programm. "Stressblitz-Coaches" hören Mitarbeitern vor Ort zu, warum sie sich überlastet fühlen und was an der Arbeitsorganisation verbessert werden kann.

Großen Wert legt die Gothaer auf die Einhaltung der Arbeitszeiten. Gerade Beschäftigte in Sandwichpositionen im Mittelmanagement neigten leicht zur Selbstausbeutung, sagt Gesundheitsmanager Volkmar Benner. "Gefährdet sind oft nicht die Mitarbeiter, die lautstark über Überlastung klagen, sondern diejenigen, die sich abschotten und im Hamsterrad immer schneller laufen."

Die Gothaer schult deshalb Führungskräfte, wie sie ausgebrannte Mitarbeiter erkennen und sie sensibel ansprechen können. Sollte bereits eine längere Arbeitsunfähigkeit vorliegen, wird Betroffenen der Wiedereinstieg gleitend erleichtert.

Schon kleine Investitionen in die Gesundheit der Mitarbeiter zahlen sich für Firmen aus. Das zeigt der Fall des Rollstuhlherstellers Meyra-Ortopedia: Ausgaben für Führungskräfte- und Teamtrainings für etwa 60000 Euro stehen laut Badura einer höheren Produktivität von 700 000 Euro im Jahr gegenüber.

Nicht zu vergessen: "Arbeitgeber, die Mitarbeiter verschleißen, bekommen ein Problem, gute, leistungsfähige Leute zu finden", sagt Badura.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%