Burnout: Schlechte Chefs lassen ihre Leute ausbrennen

ThemaManagement

Burnout: Schlechte Chefs lassen ihre Leute ausbrennen

von Ferdinand Knauß

Der Burnout gilt immer noch als typische Managerkrankheit. Eine Legende! Tatsächlich leiden nicht Chefs, sondern Untergebene. Der Grund sind unpassende Bedingungen, vor allem ein Mangel an Freiheit.

Boris Jelzin hat kurz vor seinem Tod einem Reporter seine Lebensmaxime anvertraut: "Ein Mann muss leben wie eine große, lodernde Flamme und leuchten so hell wie er kann. Am Ende brennt er aus. Aber das ist besser als eine armselige kleine Flamme zu sein."

Ausgebrannt. Burnt out. Da stellt man sich einen leistungsbereiten und erfolgreichen Lenker und Leiter vor, der für seine Sache so sehr brennt, dass er irgendwann einfach keinen Brennstoff mehr hat. Kein Wunder also, dass der Begriff Burnout, obwohl keine medizinische exakte Diagnose, so populär ist. Ausgebrannt durch Arbeit, das kommt in einer Gesellschaft, die nur noch Leistung als zentrales Kriterium für Status akzeptiert, als Grund für einen seelischen Zusammenbruch besser an als eine medizinisch exakt diagnostizierbare Depression. Ulrich Hegerl, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Leipzig, vermutet, dass 80 Prozent der angeblich Ausgebrannten an einer Depression leiden. Aber depressiv, zu Deutsch „niedergedrückt“, ist ein Opfer. Oder in Jelzins Worten: Eine armselige kleine Flamme. Das will man nicht sein. Dann schon lieber völlig ausgebrannt, wie ein Macher.

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Doch der Burnout als Krankheit der Macher und Manager ist eine Legende. 

Die Realität der arbeitsbedingten psychischen Erkrankungen ist eine andere.  Durch Arbeit krank werden nicht so sehr die Führer als vielmehr die Geführten. Genauer gesagt die schlecht Geführten. Nicht die Arbeitslast allein, sondern vor allem die Unfreiheit beim Arbeiten macht krank.

Es ist der fremdbestimmte, oder sich zumindest so fühlende Untergebene, der unter der Arbeit so leidet, dass er davon krank wird. Nicht der selbstbestimmt arbeitende, vielleicht etwas übereifrige Entscheider. Wenn wir von einer psychischen Volkskrankheit durch Arbeit sprechen wollen, die in den Gesundheitsreports der Krankenkassen deutlich erkennbar ist, dann sollten wir also das Bild des von seiner Verantwortung und schieren Arbeitsmenge belasteten Chefs austauschen gegen das Bild des von unpassenden Arbeitsbedingungen, einengenden Vorgaben und überzogenen Erwartungen drangsalierten Untergebenen.

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3 Kommentare zu Burnout: Schlechte Chefs lassen ihre Leute ausbrennen

  • Ja und Nein. Einiges ist sicher richtig in diesem Artikel beschrieben. Jeder erfahrene und sensible Unternehmer kann das bestätigen. Was leider völlig außer Acht gelassen wird ist die Tatsache, dass Leistungsdruck nicht nur vom Chef ausgeht. Mitarbeiter mit direktem Kundenkontakt können ein Lied davon singen und in den letzten Jahren ist der Druck insbesondere auf Mitarbeiter von "Dienstleistungsunternehmen" erheblich gestiegen. Ein weiterer Aspekt ist unsere Gesellschaft: wer darf denn heute noch mit dem "einfachen" Job, der niedrig dotierten Position zufrieden sein? Also streben viele Menschen höhere Positionen an. Mit höherer gesellschaftlicher Akzeptanz und einer höheren Bezahlung. Um unter Umständen dann festzustellen, dass man den logischerweise auch gestiegenen Anforderungen nicht gerecht werden kann. Nicht Arbeit macht krank sondern Aufgaben, Anforderungen und Situationen, denen man sich nicht gewachsen fühlt. Ich halte es für extrem kurzsichtig die Verantwortung dafür den Chefs in die Schuhe zu schieben. Die übrigens sehr wohl krank werden. Nämlich dann, wenn das geführte Unternehmen in die Krise kommt und die Chefs keine Möglichkeiten mehr sehen, dies zu verhindern.

  • Gegenvorschlag: machen wir uns doch alle gegenseitig krank! Kein Lob, für niemanden: nicht den Kollegen, nicht die Untergebenen, und schon garnicht den Chef. Und auf garkeinen Fall, niemals, auch nicht ansatzweise, unsere Politiker loben. NIE! Die müssen immer unter Druck stehen!! Die müssen immer unter Beschuss stehen!!! Und alle anderen genauso. Es darf keinen Freiraum geben, keine Fehlertoleranz, und am wichtigsten: ES IST NIE GENUG!

  • Egal wo er entsteht. Ausgelegt oder getragen wird er, der Stress, durch das Individuum. Deshalb ist es die Pflicht jedes einzelnen hier auszusteigen. Eine gute Methode die einen auch mehr über Stress erfahren lässt, auch welche körperlichen Auswirkungen der hat. Bietet das Stressreduktionsprogramm von Heartmath. Suchen Sie doch mal nach dem lizenzierten Coach in Ihrer Nähe und lassen sich beraten.

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