Burnout: Volkskrankheit oder Modediagnose?

Burnout: Volkskrankheit oder Modediagnose?

Unsere Gesellschaft ist gestresst, der Begriff „Burnout“ in aller Munde. Dennoch ist Burnout kein offiziell anerkanntes Krankheitsbild und seine Abgrenzung zur Depression wissenschaftlich nicht eindeutig.

Der Begriff „Burnout“ ist in aller Munde. Nahezu jeder kennt in seinem sozialen Umfeld eine betroffene Person, die unter einem Burnout leidet oder zumindest über entsprechende Symptome berichtet. Obwohl wir eine vage Vorstellung davon besitzen, was einen Burnout charakterisiert – eine psychische Erkrankung, die ursächlich mit Stress am Arbeitsplatz in Zusammenhang steht – ist zugleich kaum jemandem bekannt, dass Burnout kein offiziell anerkanntes Krankheitsbild ist.

Die Daimler und Benz Stiftung bringt beim 19. Berliner Kolloquium Experten aus Wissenschaft, Forschung, Medizin, Politik und Wirtschaft zusammen, um die Kontroverse „Burnout versus Depression“ zu diskutieren. Laut dem wissenschaftlichen Leiter der Veranstaltung, dem Psychologen und Neurowissenschaftler Martin Reuter, wurde der Burnout erstmals in den 1960er-Jahren erwähnt.

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In acht Schritten zum Burn-Out

  • Erster Schritt

    Es beginnt alles mit dem Wunsch, sich zu beweisen. Dieser aber treibt einen in den Zwang, sich noch mehr anzustrengen, noch mehr zu leisten bzw. es allen recht zu machen. Man nimmt jeden Auftrag an, sagt immer seltener Nein. Jettet von Termin zu Termin. Und nimmt abends Arbeit mit nach Hause.

    (Quelle: Lothar Seiwert, Zeit ist Leben, Leben ist Zeit)

  • Zweiter Schritt

    Man nimmt seine eigenen Bedürfnisse nicht mehr wahr. Schläft zu wenig, isst hastig oder gar nichts. Sagt den Kinobesuch mit Freunden ab.

  • Dritter Schritt

    Man missachtet die Warnsignale des Körpers, wie Schlafstörungen, Verspannungen, Kopfschmerzen, hoher Blutdruck, flaches Atmen, Konzentrationsschwäche.

  • Vierter Schritt

    Um wieder funktionieren zu können, greifen manche zu Drogen wie Schmerzmitteln, Schlaftabletten, Alkohol, Aufputschern.

  • Fünfter Schritt

    Das eigene Wertesystem verändert sich. Die Freunde sind langweilig, der Besuch mit dem Kollegen im Café verschwendete Zeit. Die Probleme mit dem Partner oder Familie nimmt man einfach nicht mehr wahr. Man zieht sich zurück aus gesellschaftlichen Kontakten. Und endet oft in völliger Isolation.

  • Sechster Schritt

    Die Persönlichkeit verändert sich. Alles dreht sich nur noch darum, zu funktionieren, zu arbeiten. Gefühle und Emotionen werden verdrängt. Man verliert den Humor, reagiert mit Schärfe und Sarkasmus, empfindet Verachtung für Menschen, die das Faulsein genießen. Man verhärtet.

  • Siebter Schritt

    Man verliert das Gefühl für die eigene Persönlichkeit. Spürt nur noch Gereiztheit, Schmerzen, Erschöpfung, Überlastung, Angst vor einem Zusammenbruch. Und sonst nichts mehr. Keine Freude, keine Fröhlichkeit, keine Neugierde. Der Mensch funktioniert wie eine Maschine. Die Seele erstarrt.

  • Achter Schritt

    Die wachsende innere Leere, genährt von dem Gedanken "Wenn ich nicht arbeite, was bin ich dann?", führt zur Depression, zur völligen Erschöpfung, zum Zusammenbruch, zum Ausgebranntsein.

Die Symptome erinnern zwar an die einer Depression. Es handelt sich jedoch vielmehr um einen Zustand, der zu einer Depression führen kann, sagt er. "Von den Betroffenen wird ein Burnout kausal zumeist mit ihrem beruflichen Umfeld in Verbindung gebracht", was zunächst eine subjektive Einschätzung sei. Es falle jedoch auf, dass besonders Menschen in den Industrieländern von dieser Erkrankung betroffen sind. "Sie darf durchaus als ein Phänomen unserer Epoche verstanden werden. Wir sehen, dass unterschiedliche gesellschaftliche Rahmenbedingungen auch unterschiedliche Erkrankungen begünstigen", so Reuter. Er betont jedoch: "Die Depression ist eine anerkannte psychiatrische Erkrankung, der Burnout hingegen nicht."

Immerhin erwartet der Experte eine Verbesserung innerhalb der nächsten zehn Jahre. "Ich erwarte kleine, aber stetige Fortschritte. Wir werden immer besser verstehen können, was im Gehirn genau passiert – zum Beispiel welche Hormone oder Neurotransmitter bei psychischen Erkrankungen involviert sind", sagt er. Durch dieses Wissen können bessere Therapien und Medikamente entwickelt werden.

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