Contra: Arbeit muss auch Qual sein dürfen

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KommentarContra: Arbeit muss auch Qual sein dürfen

von Ferdinand Knauß

Wer im Beruf in erster Linie den schnellen Spaß sucht, tut sich keinen Gefallen. Denn wer befriedigende Werke schaffen will, muss auch bereit sein, sich zu plagen.

Ein Ressortleiter bei einer angesehenen deutschen Zeitung erzählte mir mal von einem Bewerber um ein Redaktionspraktikum. Der Ressortleiter hatte ihn zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Bei der Gelegenheit stellte er die Frage, die jeder Bewerber in so einer Situation erwarten sollte: „Wieso wollen Sie Journalist werden?“

Jener Bewerber gab daraufhin die denkbar blödeste Antwort: „Weil es Spaß macht.“ Der Ressortleiter stellte noch ein paar Fragen, aber seine Entscheidung war gefallen: Diesen Mann will ich nicht.

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Es mag hochnäsig scheinen, aber ich finde, die Entscheidung des Ressorteiters richtig. Spaß sollte nicht das Kriterium für oder gegen einen Beruf sein.

Pro Natürlich muss der Job Spaß machen

Das Leben ist kein Ponyhof und die Arbeit erst recht nicht. Doch wer viele Stunden im Büro verbringt, muss Freude an seiner Arbeit haben. Sonst frisst sie viel zu viel Lebensenergie.

Spaß an der Arbeit ist wichtig um zu guten Ergebnissen zu motivieren Quelle: Fotolia

Mag sein, dass ich voreingenommen bin. Denn ich mag schon das Wort nicht. Der Spaß ist als „spasso“ aus dem Italienischen im 16. oder 17. Jahrhundert nach Deutschland eingewandert. Spaß ist eine oberflächliche Zerstreuung, ein Zeitvertreib. Man lacht kurz und schon ist es vorbei – bis der nächste schnelle Spaß kommen muss.

Mir kommen, wenn von Spaß die Rede ist, jene „Elois“ aus H. G.Wells Roman „Die Zeitmaschine“ in den Sinn: Sie tanzen den ganzen Tag am Strand herum, essen gut und lachen viel. Doch gleichzeitig lassen sie ihre Bücher ungelesen zu Staub zerfallen, und wenn ein Mädchen beim Plantschen zu ertrinken droht, dann gucken sie leer aus der Wäsche. Die Elois sind eine Spaßgesellschaft.

Am Ende werden sie von den gar nicht so spaßigen Morlocks aufgefressen.

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Aufgefressen wird man in der heutigen Spaßgesellschaft nicht. Aber ein Opfer kann man durchaus werden, wenn man dem Spaß als erstes Lebens- und Berufsziel hinterherläuft. Ein Opfer seiner eigenen Bequemlichkeit, die unmündig macht – und ein Opfer der Scharlatane, die jungen Menschen ein Arbeitsleben in Aussicht stellen und vorgaukeln, das nur aus Spaß besteht. Die Enttäuschung ist da programmiert. Die grassierende Burnout-Seuche ist vielleicht auch als die Kehrseite der Spaßgesellschaft zu erklären.

Wer nur den Spaß sucht, der wird die Anstrengungen und Unbequemlichkeiten scheuen, die es mit sich bringt, wenn man etwas erreichen will. Eine wirkliche Erfüllung, eine anhaltende Freude verschaffen sinnvolle Werke. Und die verstehen sich in der Regel nicht gut mit oberflächlicher Zerstreuung und der Aneinanderreihung von Späßen. Schöpferische Werke – ob es sich nun um eine Schwarzwälderkirschtorte handelt, einen gezimmerten Dachstuhl oder einen gelungenen Zeitungsartikel – verlangen nach Ernst, Vertiefung, mitunter auch Selbstqual. Jeder, der den befriedigenden Stolz nach dem Schaffen eines Werkes schon genossen hat, wird wissen, dass der Weg dahin meist nicht besonders spaßerfüllt ist. Wer nur den Spaß sucht, wird den Stolz des Schöpfers eines Werkes nicht kennenlernen. Die wahre Freude und Erfüllung, die Arbeit bedeuten kann.

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