
Bei Google in Zürich können die Mitarbeiter in der Hängematte, am Pult, in der Bibliothek oder in einem mit Palmen bestückten Raum namens „Jungle“ arbeiten. Beim Logistikdienstleister Hellmann in Osnabrück arbeiten die Büroangestellten im Indienzimmer hinter einer prunkvoll handgeschnitzten Tür, an coolen Designerschreibtischen, im Kaminzimmer oder im „Schiff“, einer Bürofläche mit Schiffsgemälden, Holz vertäfelten Wänden und Bullaugen. Und beim Chiphersteller Infineon in München gibt es gar einen betriebseigenen Park mit sieben Naturteichen, der Mitarbeiter beim Flanieren zum kreativen Diskurs einlädt.
Intelligent gestaltete Büros können Stress reduzieren und Mehrwert schaffen
Nach Marmor, prunkvollen Fassaden oder Bauten, die das Gefühl vermitteln, sie seien mächtiger als die Menschen, die darin arbeiten, sucht man bei Google, Hellmann und Infineon vergebens. Die modernen Kraftzentren der Wirtschaft setzen außen auf Understatement und innen auf offene Bürowelten mit Wohlfühlcharakter.
Was mal als designverliebte Spielerei, mal als avantgardistisch angehauchte Architekturverrücktheit daherkommt, soll in Zeiten ständiger Veränderung, beschleunigtem Arbeitstempo und stetig zunehmender Spezialisierung helfen das zu erzeugen, was immer mehr zur Mangelware wird: ein starkes Wir-Gefühl in der Belegschaft.
Aber auch die Effizienz steigt: Durch die räumliche Nähe funktional voneinander abhängiger Teams oder Einbindung von Experten – z.B. die Integration des Controllers in die Marketing oder Sales Funktion, wird nicht nur ganzheitlicher und schneller gearbeitet, sondern auch unnötige Frustration vermieden.
Bildergalerie: Arbeiten im Park und im Chillout-Bereich
Quelle: dpaIm Office Innovation Center (OIC) entstehen Arbeitsplätze der Zukunft. Experten des Fraunhofer Instituts erforschen hier, wie ein Arbeitsplatz aussehen sollte, der Kreativität, Kommunikation und Konzentration fördert. In teils futuristischen Chill-Out-Bereichen und an verschiedenen Arbeitsstationen, die an Kaffeebars erinnern, forschen, leben und demonstrieren die Wissenschaftler die Bürowelt der Zukunft.
Quelle: PresseBei Stryker Corporation, einem Hersteller von medizintechnischen und orthopädischer Produkten, wird Flexibilität ebenfalls groß geschrieben. Das Unternehmen bietet beispielsweise Telearbeit - also die Arbeit von zuhause aus - Gruppenarbeit und Prämienmodelle an. Dafür wurde Stryker bereits ausgezeichnet.
Quelle: PresseAuch die Deutsche Bank setzt auf flexible Arbeitsplätze, um ihren Angestellten entgegen zu kommen. Dazu gehören neben verschiedenen Teilzeitmodellen auch Telearbeit und Job-Sharing-Modelle. Work -Life-Balance steht auf der Fahne der Deutschen Bank: Es geht um das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit. So ist speziell das Angebot für berufstätige Eltern recht umfangreich. Beispielsweise bietet die Deutsche Bank im Rahmen von db kids rund 250 KiTa-Betreuungsplätze an den Standorten Frankfurt, Eschborn, Stuttgart und München an.
Quelle: PresseEin anderer Global Player, der seinen Mitarbeitern das Arbeitsleben so schön wie möglich machen möchte, ist Google. Spieleecken, Büros mit Hängematten, eine Lounge sowie Gratis-Snacks und Gratis-Getränke sind für Google-Angestellte ganz normal. Und der Umwelt zuliebe verteilt Google-Deutschland Dienstfahrräder.
Quelle: APIn der Selbstdarstellung von IBM auf deren Unternehmenshomepage heißt es: "Wir arbeiten bei IBM nicht in starren Teams, sondern projektbasiert - fast immer über fachliche, nationale und kulturelle Grenzen hinweg." Arbeit von zuhause aus, Projektgruppen, Kinderbetreuung und Freizeitangebote sollen dafür sorgen, dass die Mitarbeiter Beruf und Privates in Einklang halten und ausgeglichen sind.
Quelle: Presse1995 schuf BMW sein Telearbeitsprojekt TWIST (Telearbeit in flexiblen
Strukturen). Dabei ging es dem Konzern darum, Arbeitszeitflexibilität weiterzuentwickeln. "Es ist die ideale Arbeitsform für konzeptionelle und planerische Tätigkeiten, die zu Hause und in Ruhe oft schneller und effektiver erledigt werden können", hieß es seitens des Autobauers. Absprachen finden an den Büro-Arbeitstagen statt.
Quelle: ReutersSchon 2001 hatten 15.000 Vertriebsmitarbeiter der Deutschen Telekom schon keinen Schreibtisch mehr im Konzern. Weil es schlicht nicht nötig war. Die anderen Angestellten arbeiten sowohl von zu Hause aus, als auch im Unternehmen.
Quelle: dpaUnd auch bei Siemens dürfen die Mitarbeiter fast die Hälfte ihrer Arbeitszeit zu Hause bleiben. Der Produktivität tut das keinen Abbruch. Im Gegenteil: Studien belegen, dass der mobile, flexible Arbeitnehmer mehr und lieber arbeitet, als der Kollege, der täglich 9 Stunden im Büro sitzt. Und auch für die Arbeiter aus der Produktion ist Telearbeit möglich. Zumindest Planung und Logistik lässt sich auch vom heimischen Arbeitszimmer aus managen. Nur die Fließbandarbeiter müssen täglich im Betrieb sein.
Quelle: ReutersFür den Software-Riesen SAP arbeiten mehr als 54.000 Menschen in über 75 Ländern in der ganzen Welt. Die Unternehmenskultur von SAP ziele darauf ab, jedem Mitarbeiter seine persönliche Freiheit einzuräumen. Das versucht der Konzern mit Life-Worl-Balance-Konzepten, Gesundheitsprogrammen, Kinderbetreuung und flexiblen Arbeitszeit- und Arbeitsplatzmodellen zu gewährleisten.
Quelle: dpaDie Firma Lorenz Software dagegen hat eine Plattform errichtet, die dafür sorgen soll, dass die Mitarbeiter früher Feierabend machen können. Wer sein Tagespensum erfüllt hat, kann gehen: egal ob nach sechs, acht oder zehn stunden im Büro. Der Stand der Projekte wird dokumentiert, so dass auch die anderen Kollegen nicht im Dunkeln tappen. Und wer von zuhause aus arbeitet, weiß trotzdem, was die anderen gerade machen.
Im Office Innovation Center (OIC) entstehen Arbeitsplätze der Zukunft. Experten des Fraunhofer Instituts erforschen hier, wie ein Arbeitsplatz aussehen sollte, der Kreativität, Kommunikation und Konzentration fördert. In teils futuristischen Chill-Out-Bereichen und an verschiedenen Arbeitsstationen, die an Kaffeebars erinnern, forschen, leben und demonstrieren die Wissenschaftler die Bürowelt der Zukunft.
Gebäude verraten, welche Rolle eine Firma in der Gesellschaft spielen will
„Gebäude sagen viel darüber aus, welche Rolle ihr Bauherr in einer Gesellschaft spielt und welchen Beitrag er für sie zu leisten bereit ist“, urteilt Architekt Gunter Henn, auf dessen Konto die Autostadt Wolfsburg, die Gläserne Manufaktur in Dresden genauso wie das Forschungs- und Innovationszentrum von BMW in München gehen.
Stimmt, was Henn sagt, so darf der Trend weg von der architektonischen Inszenierung der eigenen Macht hin zu gläserner Transparenz, ökologischer Nachhaltigkeit und Wohnzimmeratmosphäre als Zeichen eines neuen Selbstverständnisses zukunftsweisender Unternehmen verstanden werden. „Let´s work together“ heißt es bei Google, „Thinking Ahead – Moving Forward“ bei Hellmann Worldwide Logistics, “Bring Technology to Life” bei Infineon – Leitbilder, mit denen diese Unternehmen auch bei ihren Mitarbeitern für gute Zusammenarbeit, gemeinsame Innovation und erfolgreiche Zukunftsgestaltung werben.













