Demographie: Wann sich Arbeitslose gegen Kinder entscheiden

Demographie: Wann sich Arbeitslose gegen Kinder entscheiden

Arbeitslosigkeit scheint keine gute Voraussetzung zu sein, um eine Familie zu gründen. Für schlecht ausgebildete Frauen ist offenbar das Gegenteil richtig, wie eine Untersuchung zeigt.

Erst Karriere, dann Kinder. Und ohne finanzielle Sicherheit gar keine Kinder. Man sollte annehmen, dass heutige Frauen in westlichen Gesellschaften so denken und daran ihre Familienplanung ausrichten.

Arbeitslosigkeit müsste dann junge Frauen und Männer davon abhalten, eine Familie zu gründen. Dass dies nicht generell der Fall ist, fand Michaela Kreyenfeld vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock gemeinsam mit einem schwedischen Kollegen heraus.

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Vor allem bei jungen Arbeitslosen steigt sogar die Wahrscheinlichkeit, dass sie zumindest ein erstes Kind in die Welt setzen. Das zeigte die Untersuchung von Daten des Sozio-ökonomischen Panels, einer jährlichen Befragung von mehr als 12.000 Privathaushalten in Deutschland, die den Zeitraum zwischen 1984 und 2011 umfasste.

Die Ergebnisse zeigen, dass Arbeitslosigkeit bei Männern wie erwartet dazu führt, dass diese ihre Familiengründung häufig auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Anders als die Forscher vermutet hatten, macht sich dieser Effekt jedoch bei jüngeren Männern zwischen 20 und 28 Jahren weniger deutlich bemerkbar als bei älteren.

So unterschiedlich nehmen Männer und Frauen ihre Arbeitswelt wahr

  • Die Studie

    Die Bertelsmann Stiftung hat in einer Studie untersucht, was sich Männer und Frauen von ihrer Arbeit wünschen. Die Ergebnisse unterscheiden sich mitunter sehr stark.

  • Emotionale Unterstützung

    Einer der Hauptpunkte, den Frauen nannten, war beispielsweise "Emotionale Unterstützung", Männer nannten diesen Punkt dagegen kaum.

  • Hilfe

    Zum Thema "Helfen in beruflichen Situationen" zeigen sich zunächst keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Eine genauere, qualitative Analyse ergab jedoch: Männer beschrieben oft Situationen, in denen sie praktische und direkte Karrierehilfe bekamen. Frauen dagegen beschrieben Beispiele, in denen sie (unerwartet) freundliche Aufmerksamkeit in einer unsicheren Umwelt erhielten.

  • Schaden in beruflichen Situationen

    55 Prozent Frauen erzählten zumindest eine Schadensgeschichte. Es waren immer Situationen, in denen sie ausgegrenzt oder zurückgewiesen wurden. Vielfach wurden ihnen Ressourcen verweigert, die anderen zugestanden wurden. Im Vergleich: nur elf Prozent der Männer erzählten eine Schadensgeschichte.

Bei den Frauen ergibt sich ein anderes Bild. Die jüngeren von ihnen lassen sich bei ihrer Entscheidung für oder gegen das erste Kind kaum davon leiten, ob sie einen Job haben oder nicht. Ab einem Alter von 29 Jahren hingegen scheint Arbeitslosigkeit die Frauen davon abzuhalten, ihr erstes Kind zu bekommen. In Deutschland ist die Erstgeburtenrate arbeitsloser Frauen gegenüber den nicht arbeitslosen in dieser Altersgruppe um rund 30 Prozent geringer.

Bei der Geburt des zweiten oder dritten Kindes ändert sich der Einfluss der Arbeitslosigkeit deutlich. Erwartungsgemäß entscheiden sich arbeitslose Männer demnach seltener für ein zweites Kind als nicht arbeitslose. Beim dritten Kind jedoch kehrt sich der Effekt der Arbeitslosigkeit, anders als angenommen, um.

Bei den Frauen führt Arbeitslosigkeit in Deutschland vermehrt dazu, dass diese sich für ein zweites oder gar drittes Kind entscheiden. „Auffallend war,“ so Kreyenfeld, „dass sich Mütter nach der Geburt ihres ersten Kindes vielfach aus dem Arbeitsleben zurückziehen.“ Nicht die arbeitslosen Frauen hätten am häufigsten ein zweites oder drittes Kind zur Welt gebracht, sondern diejenigen, die dem Arbeitsmarkt gar nicht zur Verfügung stünden.

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Entscheidenden Einfluss auf die Entscheidung arbeitsloser Frauen hat deren Bildungshintergrund. Gering gebildete arbeitslose Frauen bekommen deutlich mehr Kinder als gut ausgebildete Arbeitslose. Bei den gut ausgebildeten Frauen senkte Arbeitslosigkeit die Erstgeburtenrate um immerhin fast 20 Prozent. Bei den Männern ist der Effekt der Bildung weniger stark ausgeprägt als bei den Frauen. Von der Tendenz her weist er aber in die gleiche Richtung.

Warum schwächer qualifizierte Arbeitslose sich häufiger für Kinder entscheiden als besser ausgebildete, kann Kreyenfeld noch nicht beantworten. Möglicherweise glauben diese Frauen, dass Kinder für ihre berufliche Karriere, beziehungsweise Karrierelosigkeit, ohnehin nicht von Belang sind. Andererseits könnte für gut ausgebildete und daher hoffnungsvolle Arbeitslose die Befürchtung bestehen, dass kleine Kinder ihre Chancen oder ihre Mobilität allzu sehr einschränken würden.

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