Despoten im Job: "Machiavellisten sind auf Dauer zu teuer für Unternehmen"

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InterviewDespoten im Job: "Machiavellisten sind auf Dauer zu teuer für Unternehmen"

von Lin Freitag

Machthungrig, knallhart, mitunter skrupellos: Der Machiavellist ist in deutschen Chefetagen keine Seltenheit. Psychologe Christian Montag erklärt, wann dieser Führungstyp zur Belastung wird - und was man von ihm lernen kann.

WirtschaftsWoche: Der Machiavellist gilt als durchsetzungsstark und machtbewusst. Um seine Ziele zu erreichen, verstößt er auch gegen Recht und Moral. Im Berufsleben bringt das doch bestimmt viele Vorteile?

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Christian Montag: Dieser Frage ist man schon in zahlreichen Studien nachgegangen, allerdings ohne empirisch eindeutigen Befund. Ob ein Machiavellist berufliche Vorteile hat oder nicht, ist beispielsweise stark von der Branche und dem Job abhängig. So konnte Studien nachweisen, dass Verkäufer mit machiavellistischen Zügen mehr Grundstücke oder Beispiel mehr Autos verkaufen. Aber grundsätzlich fallen Machiavellisten auch häufig auf die Nase, gerade wenn sie Führungsverantwortung haben. Beispielsweise werden sie dann – wenig verwunderlich – schlecht mit Hinblick auf ihre Managementfähigkeiten bewertet.

Zur Person

  • Christian Montag

    Prof. Dr. Christian Montag ist Heisenberg-Professor für Molekulare Psychologie an der Universität Ulm. Er beschäftigt sich mit den biologischen Grundlagen von Persönlichkeitseigenschaften. Also mit der spannenden Frage: Was prägt einen Menschen mehr - Erbgut oder Erziehung? In seiner aktuellen Studie beschäftigt sich Montag mit dem Typus des machthungrigen Machiavellist.

Weil die Mitarbeiter unter ihnen leiden?

Nicht nur die Mitarbeiter, auch das Unternehmen. Zum einen ist es teuer, die richtigen Kandidaten für einen solchen Führungs-Posten zu gewinnen. Wenn sich der Wunschkandidat dann als Machiavellist entpuppt und durch sein rein eigennütziges Verhalten vielleicht auch noch andere Mitarbeiter vergrault, ist das richtig ärgerlich für das Unternehmen. Aber andererseits gibt es sicherlich auch Zeiten, in denen eher Machiavellisten gefragt sind, zum Beispiel wenn ein knallharter Sanierer gebraucht wird.

Also schlägt in Krisenzeiten die Stunde des Machiavellisten?

Ein Machiavellist kann eine solche Umstrukturierung möglicherweise nüchterner und vielleicht auch konsequenter vorantreiben als jemand, der sehr empathisch ist. Grundsätzlich unterliegt der Führungsstil, der gerade en vogue ist auch immer dem Zeitgeist. Vor der Finanzkrise war häufiger der machtbewusste Alleinentscheider gefragt, der schalten und walten konnte, wie er wollte. Nun gibt es für Führungskräfte zum Glück auch mehr (ethische) Regularien. Zusätzlich müssen die Unternehmen in Zeiten des Fachkräftemangels ihren potenziellen Mitarbeitern das Rundum-Wohlfühl-Paket liefern. Ein Machiavellist als Chef passt da nicht so richtig rein.

Christian Montag, Heisenberg-Professor für Molekulare Psychologie an der Universität Ulm. (zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: Presse

Christian Montag, Heisenberg-Professor für Molekulare Psychologie an der Universität Ulm. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Bild: Presse

Also haben wir gerade keine gute Zeit für Machiavellisten?

Und in Zeiten, in denen ethische Führungsrichtlinien immer bedeutsamer werden, wird es vermutlich noch schwerer. Momentan sind ja erst einige wenige Branchen vom Fachkräftemangel betroffen. Schwer hat es der Machtbewusste auch in Unternehmen mit flachen Hierarchien – und auch das wird sich in den nächsten Jahren eher noch verbreiten.

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