DGB-Index "Gute Arbeit": Unzufriedene Beschäftigte im Gesundheitswesen

, aktualisiert 15. November 2017, 12:40 Uhr
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Viele Arbeitnehmer arbeiten auch in den späten Abendstunden.

Der aktuelle DGB-Index "Gute Arbeit" zeigt, dass besonders Arbeitnehmer im Gesundheits- und Sozialwesen unzufrieden mit ihrem Job sind. Ein Viertel der Befragten gab zudem an, häufig am Wochenende zu arbeiten.

Arbeitsverdichtung, Unvereinbarkeit des Berufs mit Familie oder zu wenig Zeit und Nerv fürs Private: Beschäftigte im Gesundheitswesen sind am unzufriedensten mit ihrer Tätigkeit. Ähnlich ergeht es Arbeitnehmern im Sozialwesen wie Alten- oder Jugendhilfe, im Gastgewerbe und Handel. Das geht aus dem DGB-Index Gute Arbeit 2017 hervor, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Am zufriedensten sind Arbeitnehmer in der Ver- und Entsorgung, also in der Energie-, Wasser-, oder Abfallwirtschaft.

Fast die Hälfte (46 Prozent) der Arbeitnehmer halten die Entlohnung für ihre Leistung nicht in Ordnung. 54 Prozent sind im „hohen“ oder gar „sehr hohem“ Maß zufrieden mit Ihrem Einkommen. Zugleich gehen die allermeisten Befragten (82 Prozent) davon aus, dass ihre Alterssicherung kaum oder nicht ausreichen wird. Nur drei Prozent können sagen: „Ich werde sehr gut davon leben können.“

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Offenbar sorgt die gute Beschäftigungslage dafür, dass sich zur Zeit nur zehn Prozent der Arbeitnehmer echte Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen. Im Umkehrschluss machen sich 90 Prozent kaum Gedanken, dass ihr Arbeitsplatz überflüssig oder wegrationalisiert werden könnte. Hier wurde speziell auch die Frage nach dem Einfluss der Digitalisierung berücksichtigt.

Gewerkschaft gegen Arbeitgeber: Wer fordert was bei der Arbeitszeit?

  • Um was geht es in der aktuellen Arbeitszeitdebatte?

    Erstmals seit Mitte der 1990er-Jahre will die IG Metall neben einer Lohnerhöhung, diesmal sechs Prozent, wieder eine Verkürzung der Arbeitszeit durchsetzen. Das verärgert die Arbeitgeber, die unter Flexibilität etwas anderes verstehen als die Gewerkschaft. Und auch Politik und Wirtschaftsexperten haben so ihre Ideen, nicht nur für die Metall- und Elektroindustrie.

  • Die Forderung der IG Metall

    Nach Vorstellungen der Gewerkschaft soll künftig jeder Beschäftigte das Anrecht bekommen, seine Arbeitszeit für bis zu zwei Jahre von 35 auf 28 Stunden zu verkürzen und danach in die Vollzeit zurückzukehren. Für bestimmte Gruppen verlangt die IG Metall außerdem einen Teil-Lohnausgleich, zum Beispiel für Schichtarbeiter oder für Beschäftigte, die Kinder erziehen oder Angehörige pflegen. Ohne diesen Ausgleich, so die Argumentation, könnten sich nicht alle Beschäftigten die zusätzliche Freizeit auch leisten.

  • Was die Arbeitgeber wollen

    Flexibilität nach unten wollen die Arbeitgeber nur gewähren, wenn sie die selbst auch nach oben bekommen. Heißt: Firmen wollen ihre Leute auch länger als 35 Stunden beschäftigen dürfen. Das geht zwar auch heute schon, es gibt aber Quoten dafür. Zudem halten die Arbeitgeber die Regeln insgesamt für zu starr, etwa was die Länge des Arbeitstages und die Ruhezeit von elf Stunden zwischen zwei Arbeitstagen angeht. Einen finanziellen Ausgleich für die Verkürzung der Arbeitszeit lehnen sie strikt ab.

  • Das sagt der Sachverständigenrat

    Die „Wirtschaftsweisen“ empfehlen, von einem Tages- auf ein Wochenmaximum umzusteigen und von der Ruhezeit abzuweichen, um die Arbeitszeit flexibler verteilen zu können. Eine mögliche Verkürzung halten sie für nicht zeitgemäß. Mehr Flexibilität dürfe aber auch nicht bedeuten, dass die Arbeitszeit heimlich ausgeweitet wird, hat der Vorsitzende des Gremiums, Christoph Schmidt, klargestellt. Einen Rechtsanspruch auf die Rückkehr in Vollzeit lehnen die Experten ab.

  • Die Meinung der Parteien

    CDU, CSU, FDP und Grüne haben bei ihren Sondierungen für eine Jamaika-Koalition erkennen lassen, dass sie das Arbeitszeitrecht modernisieren wollen. Die FDP etwa plädiert für eine Anpassung an die EU-Arbeitszeitrichtlinie. Diese sieht statt einer täglichen Höchstarbeitszeit von durchschnittlich acht Stunden eine wöchentliche Maximaldauer von durchschnittlich 48 Stunden vor. SPD und Linke lehnen Änderungen am Gesetz ab.

Ein gutes Viertel der Befragten muss nach der Studie „sehr häufig“ (13 Prozent) oder „oft“ (13 Prozent) am Wochenende arbeiten. 27 Prozent arbeiten oft oder sehr oft abends zwischen 18.00 und 23.00 Uhr. Immerhin neun Prozent arbeiten nachts zwischen 23.00 und 06.00 Uhr.

Laut der Techniker Krankenkasse zeigen Untersuchungen, dass Beschäftigte bei gleicher Tätigkeit zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich beansprucht werden. Die Frühschicht liegt demnach bei 100 Prozent Energieeinsatz, die Spätschicht bei 113 und die Nachtschicht bei 156 Prozent. „Wer also möchte, dass Beschäftigte trotzdem gesund bleiben, muss sich um eine wirksames betriebliches Gesundheitsmanagement kümmern“, heißt es bei der TK.

Die Gewerkschaften machen seit längerem darauf aufmerksam, dass in der Dienstleistungsgesellschaft Wochenend- und Nachtarbeit zunimmt. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass gerade Arbeitnehmer im Gesundheits- und Sozialwesen, im Gastgewerbe und im Handel mit viel Wochenendarbeit am unzufriedensten sind.

Arbeitszeiten Warum flexible Arbeitszeiten eine Falle sind

Der Acht-Stunden-Tag ist tot. Viele Arbeitnehmer arbeiten mehr, einige deutlich weniger. Forscher haben jetzt herausgefunden: Je flexibler das Arbeitszeitangebot, desto mehr und länger arbeiten die Angestellten.

Arbeitszeit: 10 Stunden sind genug! Quelle: Getty Images

Die ständige Erreichbarkeit ist in der multimedialen Welt ebenfalls ein Problem in der Arbeitswelt. Immerhin 22 Prozent geben an, dass ihr Arbeitgeber von ihnen verlangt, dass sie sehr häufig oder oft per Mail oder Telefon erreichbar sein sollen. Und 16 Prozent leisten außerhalb der normalen Arbeitszeit unbezahlte Arbeit.

50 Prozent der Befragten geben an, keinen Einfluss auf die Gestaltung ihrer Arbeitszeit zu haben. Umgekehrt haben 33 Prozent die Möglichkeit, „in hohem Maß“ Einfluss zu nehmen auf die Gestaltung ihrer Arbeitszeit. 17 Prozent können demnach ihre Arbeitszeit „in sehr hohem Maß“ mitgestalten. Gut zwei Drittel (67 Prozent) können ihre Arbeit weitgehend selbstständig planen und einteilen.

Mit der Wertschätzung ihrer Vorgesetzten sind 69 Prozent der Beschäftigten in „hohem Maß“ oder gar in „sehr hohem Maß“ zufrieden. 86 Prozent bekommen von ihren Kollegen im Notfall Unterstützung. Mit der Planung der Arbeit durch Vorgesetzte sind 63 Prozent zufrieden.

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