Digitalisierung: Deutsche Bank warnt vor Verschwinden analoger Jobs

Digitalisierung: Deutsche Bank warnt vor Verschwinden analoger Jobs

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Roboter übernehmen immer komplexere Aufgaben.

Digitalisierung hier, Digitalisierung da - was wird aus analogen Berufen? Eine Studie der Deutschen Bank warnt, dass es bald keine Arbeiter mehr gibt - gebraucht würden künftig primär Erfinder, Verkäufer und Erzieher.

Bei manchen Zeitungen und Nachrichtenagenturen kommen bereits Computer-Kollegen zum Einsatz: Bei der Nachrichtenagentur AP beispielsweise schreibt ein Algorithmus die Nachrichten über Quartalszahlen der Unternehmen. Das geht schneller, als einen echten Menschen den Geschäftsbericht von Apple lesen und eine Nachricht formulieren zu lassen. Und auch in Deutschland kommen für einfache Meldungen bereits Computer zum Einsatz. Denn die Software kann immer mehr: sie lernt selbstständig, bewertet Ereignisse - und macht keine Tippfehler.

Anderen Branchen bereitet die Digitalisierung schon länger Kopfzerbrechen. Einfache Jobs werden automatisiert oder fallen ganz gleich weg. Ungelernte oder gering Qualifizierte haben immer größere Probleme, einen Job zu finden. Außerdem sind sie deutlich häufiger arbeitslos, als es Akademiker, Techniker oder Handwerksmeister sind. Entsprechend warnte Dieter Kempf, Präsident des Branchenverbands Bitkom bei der Eröffnung der Computermesse Cebit, dass durch die Digitalisierung in der Wirtschaft "kein Stein auf dem anderen bleiben" werde.

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Hilfe, ein Roboter klaut meinen Job!

  • Bedrohte Jobs

    Dass die Zeichen der Zukunft auf digital stehen - geschenkt. Doch ein Journalist der britisch-amerikanischen Webseite Mashable hat darüber einen Artikel veröffentlicht, welche Jobs schon im nächsten Jahr von Robotern ersetzt werden könnten. Das Ergebnis ist überraschend: Ein Blick in die Gegenwart zeigt, dass die Zukunft oft schon da ist.

  • Reinigungskraft

    Sie heißen Scooba 230 oder Braava 380: Roboter, die selbstständig den Boden saugen oder wischen, gibt es schon seit ein paar Jahren. Aber bei aufwendigen Reinigungen, wie zum Beispiel das Entfernen von Bakterien und Keime, war der Mensch bislang unersetzbar. Doch das ändert sich zunehmend. In einem kalifornischen Krankenhaus ist bereits ein Putzroboter im Einsatz, der gezielt zur Bekämpfung von Keimen programmiert wurde. Mithilfe von UV-Licht befreit er das Hospital von Bakterien und Schimmel.

  • Lehrer

    Ob E-Learning oder Moocs: Die größten Bildungstrends der letzten Jahre fanden nicht in den Klassenräumen statt, sondern im Internet. Doch dass der Beruf des Lehrers aussterben könnte – daran haben bislang nur die wenigsten gedacht. In einer Schule im US-amerikanischen Connecticut, lernen Kindern mit Robotern – und das sehr erfolgreich. Zwar kann der Roboter noch keinen Lehrer ersetzen, aber er bringt immerhin die Qualifizierung eines Lehr-Assistenten mit.

  • Sportler

    Der vierfache Weltfußballer Lionel Messi kann ihn nicht bezwingen. Drei Mal nimmt er Anlauf und schießt mit voller Wucht auf das Tor – doch der Torwart hält den Ball. Jedes Mal. Doch nicht Manuel Neuer, Iker Casillas oder Gianluigi Buffont bewachen das Netz, sondern ein sonderlich grinsender Roboter. Jetzt arbeiten japanische Wissenschaftler an einem Roboter, der neben dem Fangen auch Werfen, Rennen und sich richtig positionieren kann. Das wäre dann der erste Roboter, der in der Lage wäre, in einer Mannschaft mit anderen Menschen zu spielen.

  • Pfleger

    Kranke zu pflegen kann nicht nur psychisch belastend sein, sondern auch körperlich. Etwa um den Patienten aufzuhelfen, sich umzudrehen oder umzubetten. In einem Krankenhaus in Singapur erledigt das nun ein Roboter. Das wohl intelligenteste Bett der Welt unterstützt den Patienten bei den Bewegungen und schätzt selbstständig die Geschwindigkeit ein.

  • Verkäufer

    Wer im US-amerikanischen San Jose den Orchard Supply Hardware Store betritt, wird von einer rollenden weißen Säule namens OSHbot begrüßt. Der Roboter hat ein kleines Display mit integrierter Kamera, in das die Kunden ihre Wünsche äußern können. Zum Beispiel, indem sie eine bestimmte Schraube vor die Kamera halten. OShbot identifiziert die Schraube und führt den Kunden dann direkt zum entsprechenden Regal. Auch über die Lagerbestände weiß er zu jeder Zeit Bescheid.

    Ein Video von Oshbot: http://www.mercurynews.com/business/ci_26815593/robots-helping-customers-at-san-jose-orchard-supply

  • Concierge

    In einem Hotel in der US-amerikanischen Stadt Cupertino, mitten im Tech-Paradies Silicon Valley gelegen, begleitet ein Roboter namens SaviOne, die Gäste des Drei-Sterne-Hotels Aloft in ihre Zimmer. In diesem Jahr befand sich das Projekt noch in der Testphase, ab 2015 soll eine kleine Armee von Robotern die Gäste der Starwood-Hotelkette, zu der auch das Aloft gehört, glücklich machen.

  • Schauspieler

    Schauspieler müssen sich jede Rolle hart erkämpfen, bei so gut wie jedem Casting ist die Konkurrenz groß. Und künftig wird sie noch größer. In diesem Jahr wurde eine Rolle in der Theateraufführung von Franz Kafkas „Die Verwandlung“ von einem Roboter gespielt. Gregor Samsa, der sich eines Morgens in ein Ungeziefer verwandelt sieht, wacht in der neuen Interpretation als Roboter auf.

    Video: http://www.newsplay.de/video/Newsplay/International/video-Theater-Experiment-Roboter-spielt-Kafka-wissenschaft-technik-forschung-Frankreich-804828.html

  • Pilot

    In einem Flugzeug ist schon viel automatisiert – doch so ganz ohne Piloten aus Fleisch und Blut ging es bislang nicht. Das will das Advance Institute of Science and Technology in Südkorea ändern. Pibot ist ein Roboter mit Armen, Beinen und einem Kopf. Und soll ein Flugzeug durch schwierige Manöver fliegen. Im nächsten Jahr wird das wahrscheinlich noch nicht möglich sein, zumindest nicht im normalen Passagierverkehr. Aber Pibots Zeit wird kommen, und wahrscheinlich schneller als heute gedacht.

Zum einen schafft die Digitalisierung nämlich neue Bedürfnisse, neue Produkte und damit neue Jobs, die es vor ein paar Jahren noch gar nicht gegeben hat. Allein 2012 brachte die Digitalisierung hierzulande 1,5 Millionen neue Jobs hervor, so Bitkom. Der Bedarf an Fachkräften mit digitalem Wissen - Big Data Scientisten, Content Marketing Managern, Mobile Developern oder Produktionsingenieuren - steigt stetig.

Dafür braucht man immer weniger einfache Arbeiter. Arbeiten am Fließband verrichten ohnehin schon überwiegend Roboter.

So haben sich Unternehmen auf die Digitalisierung vorbereitet

  • 34 Prozent

    Mehr als in Drittel aller Unternehmen bereitete sich durch digitales Management der Personalverwaltung vor. In der Studie waren Mehrfachnennungen möglich

     

    Quelle: Edenred-Ipsos-Barometer 2015, "Wohlbefinden & Motivation der Arbeitnehmer"

  • 28 Prozent

    An zweiter Stelle steht die Virtualisierung der Arbeitsplätze (28 Prozent), etwa durch virtuelle Desktops oder eine Ausstattung für Telefonkonferenzen.

  • Je 25 Prozent

    Den dritten Platz teilen sich zwei Maßnahmen: die Einrichtung eines sozialen Firmennetzwerks sowie das Angebot von E-Learning (jeweils 25 Prozent).

  • 18 Prozent

    18 Prozent der Unternehmen trafen Vereinbarungen zur Telearbeit

  • 16 Prozent

    16 Prozent der befragten Unternehmen haben an ihrer Webseite gearbeitet.

  • 13 Prozent

    13 Prozent der Unternehmen haben sonstige Maßnahmen ergriffen

  • Fünf Prozent

    Fünf Prozent der Unternehmen haben eine "BYOD" (bring your own device) Politik eigeführt.

  • 33 Prozent

    Ein Drittel der befragten unternehmen gab an, keine der aufgeführten Maßnahmen zur Vorbereitung auf die Digitalisierung umgesetzt zu haben

Diese Entwicklung halten viele Experten für gefährlich: eine Studie der Deutschen Bank in Amerika kommt zu dem Schluss, dass die Digitalisierung in den USA mehr Jobs zerstört, als sie schafft. Studienautor Aleksander Kocic ist überzeugt: Arbeiter seien in Zukunft austauschbar, gebraucht werden künftig Erfinder, Verkäufer, Erzieher.

Dass in Deutschland wegen der Digitalisierung das Handwerk ausstirbt und niemand mehr Bedarf an Schlossern, Schreinern oder Friseuren hat, klingt unwahrscheinlich. Doch der Bedarf an Arbeitskräften ohne Schulabschluss und Ausbildung dürfte tatsächlich noch weiter zurück gehen.

Weitere Artikel

Wenn sich die deutsche Wirtschaft allerdings davon einschüchtern lässt, drohen hohe Verluste: Laut einer vom Industrieverband BDI in Auftrag gegebenen Studie der Unternehmensberatung Roland Berger ergäben sich allein für Deutschland bis zum Jahr 2025 rund 220 Milliarden Euro Wertschöpfungsverluste, sollte die Industrie die Verschiebung der Geschäftsmodelle in den IT-Bereich nicht konsequent genug vorantreiben. Allein die Automobil- und Logistikbranche könnte bis zu 140 Milliarden Euro einbüßen.

Es gehe um die Frage, ob Deutschland eine Führungsrolle als digitalisierter Industriestandort einnehmen oder das Feld agilen Ländern wie Südkorea, China oder die USA überlassen wolle, sagte Klaus von Rottkay, Mitglied der Geschäftsleitung von Microsoft Deutschland.

Er ist sich sicher: "Wir können die Erfolgsgeschichte des Wirtschaftsstandorts Deutschland digital fortschreiben, wenn wir jetzt entschlossen die Voraussetzungen für ein digitales Wirtschaftswunder schaffen."

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