Doppelrolle: Reden Sie endlich Klartext!

kolumneDoppelrolle: Reden Sie endlich Klartext!

Kolumne von Nicole Beste-Fopma und Lydia Hilberer

Er der klassische Ernährer, sie die treu sorgende Mutti: Trotz bester Vorsätze rutschen viele Paare schnell in die klassischen Rollen. Ob Mann oder Frau: Wer Beruf und Familie wirklich vereinbaren will, sollte Erwartungen und Realität frühzeitig in Einklang bringen. Eine klare Kommunikation ist der erste Schritt dazu.

Viele von uns Frauen denken: Auf Männer ist kein Verlass. Erst muss man darum kämpfen, dass sie auch mal die Windeln wechseln. Dann holt der Job sie schon nach zwei Monaten Elternzeit wieder vom Wickeltisch weg und sie bleiben abends immer länger im Büro. Was schließlich dazu führt, dass sie Karriere machen, abends noch länger Haus und Kinder fernbleiben und häufig geschäftlich verreisen. Zurück bleiben die gut ausgebildeten Frauen. Allein mit der Kindererziehung, den Eltern, den Kranken und Schwachen. Erwerbstätig höchstens noch in Teilzeitjobs und als Elternsprecher engagiert für das Gemeinwohl.

Haben wir dafür studiert, jahrelang fleißig an der Uni gebüffelt, mit inhaltlich interessanten, aber mies bis gar nicht bezahlten Praktika bei namhaften Unternehmen den Lebenslauf für die angestrebte Karriere bestückt? Um dann – nach ersten Erfahrungen in einem qualifizierten Job mit annehmbarem Gehalt – nach ein paar Jahren wieder raus zu sein aus dem Spiel. Und wahrscheinlich nie wieder im Leben so richtig mitspielen zu dürfen. Und das alles nur, weil wir Kinder bekommen.

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Läuft da was falsch? Oder sind wir es, die die Sache falsch anpacken?

Nehmen wir Steffi und Uwe. Beide haben studiert. Uwe ist Flugzeugingenieur und arbeitet für einen amerikanischen Konzern am Flughafen Frankfurt am Main. Er trägt Verantwortung für ein fünfköpfiges Team, ist oft tagelang auf Geschäftsreise. Steffi hat BWL mit Schwerpunkt Marketing studiert und arbeitet als PR-Beraterin in einer großen Agentur in Frankfurt. Beide sind gut in ihrem Job. Dann bekommen sie ein Kind, Steffi geht in Mutterschutz und Elternzeit, für Uwe ändert sich nichts. Das zweite Kind kommt und als Steffis Elternzeit vorbei ist, vereinbart Steffi mit ihrem Arbeitgeber, 20 Stunden wöchentlich von zuhause aus zu arbeiten. Etwa zur gleichen Zeit wird Uwe befördert und ist noch mehr unterwegs. Steffi ist mit den Kindern, dem Haushalt und ihrem Teilzeitjob überwiegend auf sich gestellt. Dann hat ihr Vater einen Schlaganfall und Steffi kümmert sich gemeinsam mit ihren Geschwistern um die medizinische Versorgung, den Papierkram und einen Platz im betreuten Wohnen. Sie besucht ihren Vater nun jeden zweiten Tag.

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Unterm Strich arbeitet Steffi mindestens genauso viel wie ihr Mann. Der verdient das Geld und hat damit langfristig die besseren Karten in der Arbeitswelt und bei der Rente. Im Gegensatz zu seiner Frau aber hat er hat kaum Zeit für seine Kinder, kann sein Vatersein nur selten genießen. Die Folge: Unzufrieden sind sie beide. Steffi ist frustriert, weil sie mit 20 Stunden in der Woche weder verantwortungsvollen Aufgaben übertragen bekommt noch eine Perspektive auf Weiterentwicklung sieht. Uwe wollte immer Vater sein, nicht nur Kinder zeugen. Jetzt steckt er in der traditionellen Ernährerrolle fest.  

Raus aus dem Dilemma kommen die beiden nur, wenn sie ihre Erwartungen an das Gesamtpaket „Leben“ mit allem was dazu gehört – Beruf, Kindern, Familie, Partnerschaft – klar kommunizieren. Wenn sie bereit sind, Tacheles zu reden und daraus Konsequenzen zu ziehen. Zuerst sich selbst und dem Partner gegenüber, dann gegenüber dem Arbeitgeber. Das Ziel: Der Beruf muss sich in die Lebensphasen einfügen, nicht umgekehrt. Nur dann klappt‘s auch mit der Zufriedenheit.

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