Arbeitgeber fordern Priorität für Bildung

Fachkräftemangel vorbeugen: Arbeitgeber fordern Priorität für Bildung

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„Jeder Euro für die Verbesserung unseres Bildungssystems ist bestens eingesetzt“, sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Ingo Kramer

Weltspitze bei der Bildung - das soll Deutschland nach dem Willen der Wirtschaft erreichen. Die Arbeitgeber fordern das nicht aus Altruismus. Sie fürchten, dass den Unternehmen sonst Millionen Arbeitnehmer fehlen.

Die Arbeitgeber in Deutschland erwarten von der künftigen Regierung politische Priorität für Investitionen in Bildung. „Jeder Euro für die Verbesserung unseres Bildungssystems ist bestens eingesetzt“, sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Ingo Kramer, der Deutschen Presse-Agentur. „Junge Menschen, die sich schwer tun, beruflich durchzustarten, brauchen in der Schule bessere Unterstützung.“

Potenziale fördern, um Fachkräftemangel vorzubeugen

Kramer erläuterte: „Man muss kein Hellseher sein, um zu ahnen, was der demografische Wandel für unseren Arbeitsmarkt und unsere Sozialsysteme bedeutet. Schon 2030 werden uns sechs Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter fehlen.“ Es gelte, „alle Potenziale in unserem Land zu aktivieren, damit es in unserer Volkswirtschaft auch in zehn oder zwanzig Jahren rund läuft“.

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Die gängigsten Thesen zum Fachkräftemangel - und ihr Wahrheitsgehalt

  • „Schon jetzt gibt es Fachkräfte-Engpässe“

    Das stimmt zwar für einige Berufsgruppen, ist aber auch regional sehr unterschiedlich ausgeprägt. Die aktuellste Engpass-Analyse der Bundesagentur für Arbeit etwa sieht keinen flächendeckenden Fachkräftemangel - wohl aber Engpässe in einigen technischen Berufen sowie in Gesundheits- und Pflegeberufen. Mit durchschnittlich 162 Tagen am längsten bleiben demnach Stellen in der Altenpflege unbesetzt, gefolgt von Jobs im Bereich Heizung, Sanitär, Klimatechnik und Klempnerei (150 Tage) sowie Softwareentwicklung und IT-Beratung (143 Tage).

    Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) wiederum kommt in einer Analyse zu dem Ergebnis, dass die Firmen derzeit etwa die Hälfte aller Stellen in Engpassberufen ausschreiben und somit Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung vielerorts bereits die Regel und nicht die Ausnahme seien. Im Süden sei die Lage dabei angespannter als im Norden, aber auch in Ostdeutschland spitze sich die Situation teils zu. Auch Enzo Weber vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) sagt: In einigen ostdeutschen Boom-Regionen steige der Arbeitskräftebedarf bei gleichzeitig fehlendem Zuzug entsprechender Fachkräfte.

  • „Das Problem wird sich künftig verschärfen und auch aufs Wirtschaftswachstum drücken.“

    Das lässt sich nicht ohne weiteres genau prognostizieren. Vorhersagen aus der Wirtschaft zur künftigen Fachkräftelücke stoßen deshalb regelmäßig auf Kritik - auch weil dahinter das Interesse vermutet wird, möglichst viele junge Leute für technische Berufe zu rekrutieren und so die Bezahlung zu drücken. Fest steht nur: Zwar schmälern die Alterung der Gesellschaft und der Trend zum Studium die Zahl potenzieller Bewerber in bestimmten Berufen. Aber die Digitalisierung könnte diese Entwicklung abfedern. Noch lässt sich allerdings nicht genau absehen, in welcher Geschwindigkeit der zunehmende Einsatz von Sensorik, Maschinen und Robotern menschliche Arbeitskräfte einmal ersetzen wird. Auch wie sich Zuwanderung und die Aufnahme von Flüchtlingen mittel- bis langfristig auf das Fachkräftepotenzial auswirken, bleibt abzuwarten.

  • „Viele Jugendliche sind nach der Schule nicht ausbildungsfähig.“

    Darüber klagen Wirtschaftsvertreter immer wieder. Zu häufig hapere es nicht nur an ausreichenden Mathematik- und Deutschkenntnissen, sondern auch an sozialen Kompetenzen, sagte erst kürzlich der Hauptgeschäftsführer der bayerischen Metall-Arbeitgeberverbände, Bertram Brossardt. In einer kürzlich veröffentlichten Branchenumfrage in Bayern hatte fast die Hälfte der Unternehmen, die ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen konnten, eine fehlende Eignung der Bewerber als Ursache angegeben. Doch Ausbildungs- und Arbeitsmarktexperten halten dagegen: Angesichts schrumpfender Bewerberzahlen sollten die Firmen auch sozial benachteiligten Jugendlichen und jungen Leuten mit schwächeren Schulabschlüssen Chancen bieten.

  • „Der Fachkräftemangel ist auch hausgemacht.“

    Vor allem die Gewerkschaften werfen Arbeitgebern in Berufen mit Nachwuchssorgen vor, zu wenig für die Ausbildungsqualität zu tun. Überstunden, fehlende Ausbildungspläne oder hoher Druck - solche Mängel machten manche Berufe für junge Leute eben unattraktiv, argumentiert etwa der Deutsche Gewerkschaftsbund. In seinem jährlichen Ausbildungsreport kommen etwa immer wieder Ausbildungsgänge im Hotel- und Gaststättengewerbe vergleichsweise schlecht weg. Genau in solchen Berufen gebe es besonders viele unbesetzte Ausbildungsplätze, sagt DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller. Um Abhilfe zu schaffen, haben Wirtschaft und DGB ein spezielles Beschwerde-Management auf den Weg gebracht.

  • „Fachkräfte und Auszubildende sind oft zu wenig mobil.“

    Darauf macht etwa die IW-Studie aufmerksam - und empfiehlt den Arbeitgebern, selbst aktiver und beweglicher zu werden. Neben dem Blick über den regionalen Tellerrand bei der Suche von Fachkräften und Azubis könnten die Betriebe den jungen Leuten vor Ort verstärkt Wohnmöglichkeiten anbieten und auch Arbeitslose zum Umzug bewegen.

  • „Die Weiterbildung muss ausgebaut werden.“

    Hier besteht dringender Handlungsbedarf, sagt etwa IAB-Experte Weber - und Staat und Betriebe sollten dabei Hand in Hand arbeiten, auch um den digitalen Wandel gut zu bewältigen. „Wir brauchen eine Weiterbildungspolitik.“

Damit Frauen mehr Chancen im Beruf bekämen, benötigten Eltern eine bessere, flächendeckende Ganztags-Kinderbetreuung. Und: „Wir brauchen mehr Anreize für flexible Rentenübergänge, damit jeder so lange arbeiten kann, wie er will. Zudem müssen wir Hürden beseitigen und dafür werben, dass mehr Talente aus dem Ausland zu uns in Ausbildung und Beschäftigung kommen.“

Die Digitalisierung sei eine wirtschaftliche Revolution. „Wenn wir die Weichen richtig stellen, stehen am Ende mehr Arbeitsplätze als vorher. Das gelingt nur, wenn wir mehr Wirtschaft wagen. Und bei der Bildung muss Deutschland Weltspitze sein: Das gilt für die Kitas bis zum lebenslangen Lernen.“

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