Familie und Beruf: Haltet die Hausarbeit in Ehren!

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Familie und Beruf: Haltet die Hausarbeit in Ehren!

von Ferdinand Knauß

Familienpolitik hat heute vor allem ein Ziel: Häusliche Arbeit zu diskreditieren und Eltern für das Erwerbsleben "frei" zu machen. Es wird höchste Zeit für eine neue Wertschätzung der unbezahlten Arbeit.

Morgen trifft man sich mal wieder. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig wird zu Gast sein im Wissenschaftszentrum für Sozialforschung Berlin, um mit dessen Direktorin Jutta Allmendinger und anderen über den „Ausweg“ aus „tradierten Rollen“ zu sprechen.  Darüber also, wie „Erwerbsarbeit und unbezahlte Familienarbeit zwischen Frauen und Männern fairer zu verteilen“ sind.

Mit „Familienpolitik 2.0“ überschreibt die Ministerin ihren Vortrag. Doch was damit gemeint ist, sollte besser Anti-Familienpolitik heißen.

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Denn sie lässt Familien zwar als Brosamen Elterngeld oder das viel kritisierte Betreuungsgeld zukommen. Doch das eigentliche Ziel dieser Politik ist nicht die Stärkung, sondern die Schwächung der Familie, indem sie die Wertschätzung der in keiner BIP-Statistik verzeichneten, aber für die Gesellschaft unverzichtbaren Dienstleistungen in den Familien beständig untergräbt.

Wenn Schwesig und ihre Verbündeten in Politik und Sozialwissenschaft – Jutta Allmendinger steht hier in der vordersten Reihe – von der „fairen Verteilung“ von Erwerbsarbeit und unbezahlter Familienarbeit sprechen, so ist die implizite Botschaft stets dieselbe: Erwerbsarbeit für Markt und Staat ist die einzig erstrebenswerte Beschäftigung, informelle Hausarbeit ist eine üble Fron, von der die Frauen, die sie (noch) überverhältnismäßig leisten, erlöst werden müssen. 

Das Ziel sind Männer und Frauen, die beide möglichst nahe an der Vollzeit arbeiten. In der knappen Freizeit streiten sie dann darum, wer die Hausarbeit übernimmt.

Aber auch da will Manuela Schwesig mit Rat und Tat zur Seite stehen und für „Partnerschaftlichkeit“ in den Beziehungen sorgen. Es ist natürlich schwierig, den Männern etwas schmackhaft zu machen, von dem sich die Frauen verabschieden sollen.

Die „Vision“ der Manuela Schwesig beruht auf dem Glauben an ein Narrativ. Also an eine Erzählung, die Jahrzehntelang so oft erzählt wurde, dass sie mittlerweile fest im politischen Bewusstsein der meinungsbildenden Schichten verankert ist: Es ist die Geschichte der Befreiung der Frau von der Fron am „Herd“.

Die Familie ist in dieser Erzählung ein gesellschaftliches Gefängnis, das die Frauen daran hindert, sich frei zu entfalten – nämlich durch Erwerbsarbeit. Es ist daher auch eine sozialdemokratische, letztlich eine marxistisch-materialistische Erzählung, da sie auf der Überzeugung fußt, dass nur die Erwerbsarbeit dem Leben einen Sinn gibt.  

Die „Herdprämie“ passt perfekt in diese Erzählung. Der Journalist Robin Alexander hat in einem preisgekrönten Essay sehr erhellend gezeigt, wie dieser Kampfbegriff gegen das Betreuungsgeld - also die 100 Euro, die Mütter bekommen, wenn sie ihr unter dreijähriges Kind selbst betreuen -, den politischen Diskurs versaut und den Stellenwert häuslicher Arbeit in Deutschland endgültig in den Dreck gezogen hat.

Wer „Herdprämie“ sagt, denkt an das „Heimchen am Herd“ und unterstellt, dass der „Herd“, also die solidarisch geleistete Hausarbeit jenseits des Marktes, eigentlich minderwertig gegenüber der ökonomisch formalisierten Arbeit ist. Und dass die „Herdprämie“ die Fesseln der Frauen aufrecht erhalten will.

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