Die Angst vor der Konkurrenz
Bild: dapdWenn die Krise auch die Urlaubskasse leert, wird die Oma auf dem Dorf plötzlich wieder zum lohnenden Reiseziel - zumindest in Griechenland. Obwohl sie 30 Tage Urlaub im Jahr haben, können die Menschen im Pleite-Staat in diesem Sommer keine großen Sprünge machen. Wem selbst die Großmutter auf dem Land fehlt, für den kommen immerhin die heimischen Strände infrage.
Vor allem in Europa ändert die schwierige wirtschaftliche Lage einige Urlaubsgewohnheiten - viele Menschen bleiben zu Hause. Aber das ist nicht überall so. Weltweit profitieren sogar manche von der Krise, wie eine dpa-Umfrage in mehr als 15 Ländern weltweit zeigt.
(Bild: Ein Grieche nimmt in Athen eine Abkühlung in einem öffentlichen Park.)
Bild: dpaLuxus gönnen sich vor allem Touristen aus der Schweiz in Deutschland. Nach Auskunft der Deutschen Zentrale für Tourismus mieten sie sich besonders oft in Hotels mit vier oder fünf Sternen ein. Da hilft der starke Franken, der den Eidgenossen in Kombination mit dem schwachen Euro vergleichsweise niedrige Preise beschert. Unter den Auslandszielen liegt Deutschland seit zwei Jahren im Trend. Bei jüngeren Schweizern stehen auch Italien, Frankreich und die USA hoch im Kurs - wenn sie nicht die Natur in der Heimat genießen.
(Bild: Der Spa- und Wellnessbereich des Luxushotels Waldorf Astoria in Berlin)
Bild: dpaFür die Brasilianer beginnt der Sommer zwar erst Ende Dezember. Dann aber warten 2000 Strände, die auf 8000 Kilometer Küste verteilt sind. Günstige Wechselkurse lockten in den vergangenen Jahren aber auch immer mehr Menschen in die USA oder nach Europa. Ein exklusives Ziel für Gutbetuchte ist die Atlantik-Insel Fernando de Noronha, rund 400 Kilometer vom nordöstlichen Festland entfernt. Das Archipel, das mittlerweile kein Geheimtipp mehr ist, ist ein Naturschutzgebiet mit glasklarem Wasser und ein Paradies für Taucher und Ruhesuchende.
(Bild: Copacabana Beach in Rio de Janeiro)
Bild: ReutersUnabhängig von Wechselkursen machen viele US-Amerikaner am liebsten Urlaub im eigenen Land - aus gutem Grund: Nur ein Drittel der US-Bürger besitzt laut Fernsehsender CNN einen gültigen Reisepass. So ist das beliebteste Urlaubsziel das für seine Themenparks bekannte Orlando in Florida, ermittelte der Automobil-Club „American Automobile Association“ aus den Reisedaten seiner 53 Millionen Mitglieder. Auf Platz zwei landet Mexikos Küstenstadt Cancun vor Honolulu auf Hawaii. Erst später folgen Reiseziele wie London und Rom. Deutschland rangiert bei US-Touristen unter den Top Ten. Zuletzt wurde auch China deutlich beliebter.
(Bild: Der Strand von Cancun)
Bild: dpaVier von fünf italienischen Urlaubern wollen ebenfalls im Land bleiben und die heimischen Strände genießen. Hier liegt es aber an der wirtschaftlichen Situation im Land. Seit mehreren Jahren geht der Trend dahin, beim Urlaub zu sparen und zu Hause zu bleiben. Nur 15 Prozent der Urlauber planen nach Informationen des Hoteliersverbands Federalberghi einen Trip ins Ausland.
(Bild: Strand von Torre del Lago bei Lucca in der Toskana)
Bild: dpaDagegen schickt Tschechien sogar Polizisten nach Kroatien, weil tschechische Bürger über die dortige Adria-Küste herfallen. In den Urlauberhochburgen Omi und Sibenik helfen diesen Sommer acht tschechische Uniformierte ihren kroatischen Kollegen. Trotz Krise fährt fast jeder Zweite laut Tourismusbranche ins Ausland - dafür im Schnitt nur noch für neun statt zehn Tage. In der Heimat hat sich derweil der Wassersport zum Massenphänomen entwickelt: Schon häufen sich Klagen über das dichte Gewusel auf Seen und Flüssen.
(Bild: Sommer-Festival auf der Insel Pag, Kroatien)
Bild: dpaAuf immerhin 7000 Kilometer Küste kommt Dänemark. Entsprechend liegt auch der bevorzugte Sommerferien-Ort der Dänen am Wasser - und besteht aus Holz: das Ferienhaus. Entweder hat man selbst eins, borgt sich eins von Freunden oder konkurriert mit deutschen Nordsee-Urlaubern um die schönsten Mietobjekte. Wenn es doch mal allzu lange regnet und hässlich kalt geworden ist, schwappt eine Welle von Last-Minute-Buchungen über das kleine Land mit seinen 5,5 Millionen Bürgern. Traditionell zieht es die Dänen vor allem nach Spanien und Frankreich. „Aber Deutschland ist sagenhaft im Kommen“, sagt Carlos Villaro Lassen vom Verband der Reisebüros. Zunehmend begeistert seien die Dänen von Berlin und Hamburg.
(Bild: Ein Ferienhaus in Henne Strand, einem Ferienort an der dänischen Westküste)
Bild: dpaIm ärmsten EU-Land Bulgarien haben die Menschen großzügige Ferien: 2012 gibt es neben 22 gesetzlichen Feiertagen mindestens 20 Tage Urlaub. Von Mai bis Ende September herrscht Urlaubszeit mit vielen verlängerten Wochenenden. Auch hier strömen die heimischen Urlauber in die international bekannten Badeorte am Schwarzen Meer, wie etwa Slatni Pjassazi (Goldstrand) und Slantschew Brjag (Sonnenstrand). Bergsteiger und Naturfreunde bevorzugen im Sommer die Wintersportgebiete Borowez, Bansko und Pamporowo.
(Bild: Eiswasserschwimmen in Bulgarien im Januar.)
Bild: dapdGroßzügige Ferien kennt man in Südostasien dagegen gar nicht. Schon der Begriff „Urlaub“ ist ein Fremdwort. Nur rund um die Feiertage wie Wasserfest, Chinesisches Neujahr, oder zum Ende des Fastenmonats Ramadan nimmt man freie Tage und besucht die Familie.
(Bild: Ein Arbeiter in Indien)
Bild: apDagegen haben die Franzosen ungefähr zwei Monate am Stück Sommerferien - trotzdem zieht es sie kaum in die Ferne. Wieder einmal ist das eigene Land für viele das Reiseziel Nummer eins. Weil es günstiger ist - und manchmal auch, weil es mit den Fremdsprachen hapert. Besonders gefragt sind Urlaube an der Côte d'Azur. Wer es gemütlich mag zieht sich in sein Ferienhaus auf dem Land zurück. Geht es doch mal aus der „Grande Nation“ hinaus, sind Großbritannien und die USA - vor allem New York - die beliebtesten Ziele.
(Bild: Urlauber am Strand von Nizza, Frankreich)
Wenn die Krise auch die Urlaubskasse leert, wird die Oma auf dem Dorf plötzlich wieder zum lohnenden Reiseziel - zumindest in Griechenland. Obwohl sie 30 Tage Urlaub im Jahr haben, können die Menschen im Pleite-Staat in diesem Sommer keine großen Sprünge machen. Wem selbst die Großmutter auf dem Land fehlt, für den kommen immerhin die heimischen Strände infrage.
Vor allem in Europa ändert die schwierige wirtschaftliche Lage einige Urlaubsgewohnheiten - viele Menschen bleiben zu Hause. Aber das ist nicht überall so. Weltweit profitieren sogar manche von der Krise, wie eine dpa-Umfrage in mehr als 15 Ländern weltweit zeigt.
(Bild: Ein Grieche nimmt in Athen eine Abkühlung in einem öffentlichen Park.)
Manche Ihrer Helden vermitteln den Eindruck, als würden sie am liebsten ganz auf den Urlaub verzichten. Was ist für den Manager so abschreckend an einer dreiwöchigen Auszeit in den Bergen?
Die Vorstellung, dass man nicht mehr im Mittelpunkt der Party steht. Dass man nicht gebraucht wird. Dass die Firma auch ohne einen gut zurechtkommt. Vielleicht sogar besser. Plötzlich könnten die Kollegen ja herauskriegen, dass man gar nicht so wichtig ist, wie man gern vorgibt oder sich einbildet. Da spielt immer auch die Angst vor der Konkurrenz im eigenen Haus hinein: Was passiert, wenn mein Revier von einem anderen Rüden markiert wird? Außerdem kann Urlaub für einen Top-Entscheider stressiger sein als der stressigste Job. Vor allem, wenn er mit der Familie unterwegs ist.
Weil er dann zum Familienvater degradiert wird und das alltägliche Chaos des Familienlebens ertragen muss?
Ja, er erlebt den Familienurlaub als Kontrollverlust. Die Familie verlangt von ihm ein ganz anderes Rollenverhalten als die Chefetage. Plötzlich muss er auf seine Frau Rücksicht nehmen, soll seine Kinder, die ihn wie einen halbfremden Menschen ansehen, in seine Entscheidungen einbeziehen, darf nicht mehr Chef spielen. Und wenn er es doch tut, hängt der Haussegen gleich schief. Natürlich kann er nebenbei noch die eine oder andere Entscheidung treffen, die sich partout nicht delegieren lässt, aber es fehlt ihm doch etwas ganz Wesentliches – das große Publikum. Vergessen wir nicht: Der Manager ist immer auch Manager-Darsteller, er braucht den Applaus seiner Bewunderer, den Neid seiner Gegner. Auf beides muss er im Urlaub verzichten. Ein hartes Los.
Auszüge aus Martin Suters Buch "Abschalten"
Fehlentschiedung auf Führungsebene
Auch wenn Nievergelt den Tag am Strand mit nassen Hosen überstehen würde, wenn der Moment käme, sich wieder anzuziehen, müsste er die Badehose gegen die mitgebrachte Unterhose tauschen, darauf würde Sandra beharren. Sandra, seine zweite Frau, hat bereits das Bikinioberteil abgelegt, den Sonnenschirm zugemacht und begonnen, einen möglichst augenfälligen Kontrast zu ihm zu bilden. Das fällt ihr leicht, weil sie fünfzehn Jahre jünger ist und einen Teil seines Einkommens darauf verwendet, diesen Abstand zu vergrößern. Ich hätte auf dem Engadin bestehen sollen, dort hätte ich den Hotelfrotteemantel anbehalten bis zur Treppe des Hallen-Pools und ihn nach meinen zwei Längen sofort wieder angezogen.
Reassessment
Wie er einem Fachartikel zu diesem Thema entnimmt, existieren Methoden, Managerqualitäten durch regelmäßige Evaluation der Managementkompetenzen und der psycho-physischen Leistungsfähigkeit zu messen. Der Gedanke, seine Burschen diesem Verfahren auszusetzen, gefällt ihm so gut, dass er trotz der frühen Stunde einen Fruchtsaft mit einem Sonnenschirmchen und etwas Alkohol bestellt.
Ein Naturerlebnis
Ein Mann in Wanderausrüstung schreitet gemessen über den Alpweg. Er trägt ein Rucksäckchen, aus dessen Außentasche der Kopf eines Plüschtierdinosauriers ragt, und presst ein Handy an sein rechtes Ohr. "...der nächste Schritt wäre dann die Umsetzung empirisch entwickelter Kundentypologien als interaktives Feedbacksystem. – Mhm, mhm. Klar, beide: die funktionalen und die emotionalen Benefits."
Stattdessen muss er, wie Sie es beschreiben, um seine Würde als Respektsperson kämpfen, zum Beispiel beim Badehosenwechsel am Strand...
…und wurmt sich deshalb, dass er nicht auf dem Engadin als Urlaubsziel bestanden hat. Ja, für den Bankvorstand ist es naturgemäß eine schwere Demütigung, dem Gespött, schlimmer noch, dem heimlichen Gespött der Leute ausgeliefert zu sein. Das ist für ihn ein Desaster.
Es heißt, dass Manager 80 Prozent ihrer Zeit damit verbringen, ihren Status zu sichern.
Das könnte von mir stammen. Jedenfalls beschreibe ich in meinen Kolumnen Manager, deren Hauptaufgabe darin besteht, für ihre eigene Karriere zu sorgen – also mögliche Konkurrenten bloßzustellen, zum Beispiel indem sie im Gespräch neue, unverständliche Fachausdrücke aus der Managementliteratur platzieren, um zu testen, wie ihr Gegenüber reagiert. Inzwischen haben sich die Dinge ein bisschen geändert. Der Erfolg einer Firma soll, wie ich höre, immer häufiger von der Qualität ihrer Führung abhängen. Das war zu meiner Zeit als Werber anders, da konnte man den größten Trottel an die Spitze setzen und das Unternehmen lief trotzdem weiter. Aber das Motiv der Statussicherung ist natürlich zentral geblieben.




















