Filmkritik zu Stromberg: Der schrecklichste Chef der Welt kehrt zurück

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Filmkritik zu Stromberg: Der schrecklichste Chef der Welt kehrt zurück

Heute startet „Stromberg – Der Film“ in den deutschen Kinos. Lohnt sich der Besuch? Ja, meint WirtschaftsWoche-Redakteur Daniel Rettig .

Eigentlich konnte es nur schief gehen. Nach fünf Staffeln und 46 Folgen waren selbst echte Stromberg-Fans müde. Die Chancen waren gut, dass „Stromberg – Der Film“ die Zuschauer enttäuscht. Doch diese Enttäuschung bleibt aus. Wer die Serie „Stromberg“ mochte, wird den Film ebenfalls mögen.

Dessen Geschichte ist schnell erzählt: Die Capitol-Versicherung will ihr 50. Jubiläum feiern, zusammen mit allen Mitarbeitern. Zunächst will Stromberg seiner Abteilung untersagen, zur Feier zu fahren. Doch als er vom Hausmeister durch Zufall erfährt, dass die Niederlassung geschlossen werden soll, entscheidet er sich anders – denn er will sich auf dem Fest bei den Vorständen einschleimen und einen neuen Job sichern. Am Ende kommt alles ganz anders. Was auch daran liegt, dass Stromberg die Teilnahme an einer Orgie mit Prostituierten ablehnt.

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Sicher, 129 Minuten Spielfilmlänge sind ambitioniert – und so ertappen sich selbst hart gesottene Fans zwischendurch beim Gang ins geistige Exil. Gewisse Längen hat der Film zweifelsohne, dennoch ist er sehenswert. Aus drei Gründen.

Narzissmus Selbstverliebtheit begünstigt steile Karriere

Viele Führungskräfte und Topmanager haben narzisstische Züge - aus gutem Grund. Auch eine Studie bestätigt: Bestimmte Ausformungen der Selbstverliebtheit begünstigen eine steile Karriere.

Quelle: Fotolia

Erstens hat Drehbuchautor Ralf Husmann der Figur Stromberg wieder einige denkwürdige Sprüche in den Mund gelegt, mit denen der Versicherungsangestellte seine Sicht auf die Welt im Allgemeinen und den Mikrokosmos Büro im Besonderen kundtut. Zu Beginn des Films deutet Stromberg an, dass er beruflich nun seine Erfüllung gefunden habe und endlich glücklich sei: „Mir grinst die Sonne aus jeder Ritze. Wenn du als Rembrandt jahrelang im Orchester sitzt und denkst: Orr, spiel’ ich scheiße! Und dann kommt jemand und sagt: Versuchs doch mal mit Malen! Tja, und das ist hier nun mein Atelier.“

Zweitens glänzt Hauptdarsteller Christoph Maria Herbst. Vor allem in den letzten Staffeln schien er der Figur überdrüssig, die Witze wirkten auserzählt. Im Film ist Herbst wieder voll da.

Drittens - und das ist das eigentliche Alleinstellungsmerkmal - karikiert der Film einmal mehr den Alltag in deutschen Büros. Letztlich ist der Arbeitsplatz doch eine große Bühne. Deshalb findet jeder Zuschauer kleine Elemente seines Alltags im Film wieder.

Da ist der chauvinistische, sexistische und opportunistische Chef Stromberg, der nach unten tritt und nach oben buckelt. Sein Motto: „Ich bin der Chef der Abteilung, du bist nur der Stellvertreter Gottes auf Erden. Du bist das Kloschild, ich bin das richtige Scheißhaus.“

Da ist der fleißige Angestellte „Ernie“, dessen Gutherzigkeit und Naivität von den Kollegen ausgenutzt wird. Und da ist das verheiratete Kollegenpaar Ulf und Tanja Steinke, dessen Harmonie und Romantik zwischen Kantine und Kaffeeküche verloren ging.

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Genau diese Karikaturen machen den Film sehenswert. Natürlich sind die Figuren gnadenlos überzeichnet. Kein Chef nennt seinen indischen Mitarbeiter vor aller Augen „Gandhi“, den adipösen Angestellten „Gurkenpudding“ oder den vertrottelten Untergebenen „Bumsbirne“.

Doch die Figuren im Film enthalten alle mindestens Spurenelemente der Wahrheit – ebenso wie Strombergs Klischees und Kalenderweisheiten. Der Film hält allen Angestellten und Vorgesetzten gnadenlos den Spiegel vor, egal ob sie im Büro oder in einer Fabrik arbeiten.

Natürlich ist dieser Blick in den Spiegel bisweilen unerfreulich und verletzend, aber immer authentisch und ehrlich. „Büro ist Krieg“, sagt Stromberg im Film, „und den gewinnt man nicht bei der Heilsarmee, sondern mit der Fremdenlegion.“

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