Frauen in Vorständen: „Du kannst nichts sein, was Du nicht siehst“

Frauen in Vorständen: „Du kannst nichts sein, was Du nicht siehst“

, aktualisiert 05. Juli 2016, 13:42 Uhr
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Frauen in Top-Positionen der Wirtschaft lassen sich leider immer noch an einer Hand abzählen.

von Carina KontioQuelle:Handelsblatt Online

Der Frauenanteil in Deutschlands Vorstandsetagen: Ein zartes Pflänzchen, das nur langsam gedeiht. Drei von vier Gremien aus Dax, MDax, SDax und TecDax sind ausschließlich mit Männern besetzt – woran hakt's? Eine Analyse.

Düsseldorf43:627 – was für eine ernüchternde Bilanz, die uns das Beratungsunternehmen EY an diesem Dienstag vorlegt. So arbeiteten zum Stichtag 1. Juli in den 160 im Dax, MDax, SDax und TecDax notierten Firmen insgesamt nur 43 weibliche Vorstände. Das sind zwar vier Frauen mehr als noch zu Jahresbeginn und acht mehr als noch vor einem Jahr. Doch auf der anderen Seite stehen ihnen 627 Männer gegenüber. Umgerechnet entspricht das einem durchaus mageren Frauenanteil von 6,4 Prozent in den obersten Führungszirkeln. Wären Dax-Chefinnen Erdbeeren in einem Fruchtjoghurt-Becher, die Stiftung Warentest würde glatt die Note „mangelhaft“ vergeben.

Da kann man nur voller Neid herüberschielen in die Aufsichtsratsgremien der 30 Dax-Konzerne, für die seit Januar die gesetzliche Frauenquote gilt. Auch wenn Frauen an der Spitze der Kontrollgremien noch genauso alienhafte Ausnahmen sind, ist der Anteil von Managerinnen hier immerhin schon auf 30,2 Prozent gestiegen, wie das DIW im Juni mitteilte. Na also, geht doch! Woran hakt's denn dann noch in den Top-Vorstandsetagen?

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Die wahren Ursachen sind in Summe sicherlich so komplex wie überaltert und mir drängt sich der Verdacht auf, dass den Börsenschwergewichten nicht gerade sonderlich viel daran gelegen ist, mehr zu tun, als das vom Gesetzgeber geforderte Minimum an weiblichen Aufsichtsräten zu erfüllen. Den Rest mit den Frauen in den Top-Etagen, na ja, das macht mal so ein bisschen nebenbei, wenn es sich halt ergibt. Irgendwie nach dem Motto: Kann, muss aber nicht.

So kommt die Entwicklung nur schleppend voran und die Unternehmen laufen Gefahr, hinter bereits Erreichtes zurückzufallen, wenn sie sich nicht glaubhaft dafür einsetzen, diesen Zustand zu verändern. Sie müssen sich deutlich mehr anstrengen, um auch die höchste Entscheidungsebene für Frauen zu öffnen. Keine Frage, spürbare Fortschritte brauchen Zeit und nicht jeden Tag werden wichtige Führungspositionen neu besetzt. Und ja, wir bekommen sie mit, die Bemühungen um die Förderung weiblicher Talente und ihres Führungspotentials; schließlich, das nimmt man(n) dann doch ganz gerne mit, bringen Frauen ja nachweislich mehr Profit. Doch auf den strategischen Ebenen ist ihr Einfluss immer noch verschwindend gering. Es herrschen weiter nur Alt-Herren-Netzwerke und damit der Geist von längst Vergangenem.

Das Signal, das von „dort oben“ ausgeht, ist fatal. Wenn nämlich gewinnbringende Frauen zwar in der Belegschaft reichlich vorhanden sind, es aber nur selten bis an die Spitze schaffen, lassen sie sich beim Blick auf die ihre Aufstiegschancen schnell entmutigen. Oder wie Marie Wilson, die Gründerin des White House Projects zur Förderung von Frauen in Führungspositionen, sagt: „You can't be what you can't see“ (zu deutsch: „Du kannst nichts sein, was Du nicht siehst“). Entweder sie resignieren dann oder sie wandern ab. Ein Problem, dass sich eigentlich kein Unternehmen mehr leisten kann, das gut für die Zukunft mit ihrem demografischen Wandel gerüstet sein will.

Ich habe eine Vision. Ich träume von einer Zukunft, in der unsere Stellung im Arbeitsleben nicht mehr von unserem Geschlecht, sondern von unseren Talenten und Begabungen bestimmt wird. In der nicht nur wir Frauen in die Unternehmenskulturen eingebettet sind, sondern auch Menschen aus anderen Kulturen. In der wir uns in einem Arbeitsumfeld befinden, das keine Vorurteilen kennt gegenüber Menschen anderer Religionen. In der endlich alle Menschen eine angemessene Wertschätzung erfahren, die zu den großen, aber viel zu wenig genutzten Ressourcen von Unternehmen gehören. Unabhängig von Geschlecht, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion, Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität.

„Es gibt Menschen, die betrachten das Vorhandene und fragen: 'Warum?' Ich träume von Dingen, die es nie gegeben hat, und frage: 'Warum nicht?'. (George Bernard Shaw, irischer Dichter)

Quelle:  Handelsblatt Online
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