Frauen-Karriere-Index: Wie US-Firmen Frauen besser fördern

Frauen-Karriere-Index: Wie US-Firmen Frauen besser fördern

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Unternehmen fördern Frauenkarrieren unterschiedlich

von Claudia Tödtmann

Deutsche Firmen sollten sich an US-Unternehmen bei der Frauen-Karriereförderung ein Beispiel nehmen: Im Frauen-Karriere-Index sind zwei der Top-Four-Unternehmen aus Amerika.

Welche Unternehmen stellen sicher, dass Frauen bei allen Karriereschritten faire Chancen haben? Wo haben Frauen die Möglichkeit, tatsächlich bis an die Spitze vorzudringen? Der Frauen-Karriere-Index (FKI), der vom Bundesfamilienministerium ins Leben gerufen wurde, rankt seit 2013 Unternehmen, die Frauen durchlässige Karrierepfade bieten und sich für dieses Ranking beworben haben.

Der Index soll objektiv und unabhängig die Aufstiegschancen von Frauen in deutschen Unternehmen untersuchen und er bewertet die teilnehmenden Unternehmen nach Zahlen, Daten und Fakten in den drei Kategorien Status/Dynamik, Commitment und Rahmenbedingungen. Was den Index ausmacht: Er liefert einerseits Kennzahlen zur Steuerung und Umsetzung und überprüft andererseits, wie es dem jeweiligen Unternehmen gelingt, dauerhaft mehr Frauen zur Karriere zu verhelfen und vor allem auch auf der  Karriereleiter zu halten. Insgesamt haben sich dieses Mal 133 Unternehmen dem Wettbewerb mit 30 Seiten Fragebögen gestellt.

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Hewlett-Packard auf Platz eins

Das Ergebnis: Auf Platz eins steht der IT-Produzent Hewlett-Packard 89 von 100 Punkten), auf Platz zwei die Deutsche Telekom (88 Punkte) und den dritten Platz teilen sich die HypoVereinsbank und der US-Halbleiterhersteller Intel Corporation (je 85 Punkte). Auffällig ist, dass von den ersten vier gleich zwei Unternehmen aus den Vereinigten Staaten stammen.

Firma

Rang

HP

1

Telekom

2

HVB

3

Intel

3

ING DIBA

4

Symrise

4

S(iemens)BK

4

Cort. Cons.

5

Berl. Wasser

6

TÜV Rheinl.

6

Miele

6

Klöckner

7

GFT

8

Sparkasse Hildesheim

9

Dentsu Aegis

10

Air Berlin

10

Hüttenwerke Krupp Mannesmann

10

Kao

10

Quelle: Frauen-Karriere-Index 2015

Stand: 1/2016

Das dürfte zwei Gründe haben, meint die Studienverantwortliche Barbara Lutz: „Zum einen nehmen Amerikaner Frauen in Führungspositionen generell als Normalität wahr. Zum anderen kommt es ihnen mehr auf Leistung als auf Netzwerke an – anders als den Deutschen.“ Kein US-Manager käme auf die Idee, eine Frau zu fragen, wie sie denn ihre Kinderbetreuung regeln würde. Was hierzulande gang und gäbe ist. 

Miele hat den größten Sprung gemacht

Die größten Verbesserungen auf dem Index haben hingegen der Hausgeräteproduzent Miele (plus 14 Punkte), Consorsbank (plus elf Punkte), die Berliner Wasserbetriebe und Intel Corporation (plus zehn) erreicht.

Die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern

  • Wie werden die 22 Prozent errechnet?

    Die Berechnung stützt sich allein auf den durchschnittlichen Stundenlohn. Aus den 22 Prozent lässt sich also nicht ableiten, dass alle Frauen in Deutschland 22 Prozent weniger als Männer verdienen. Die Qualifikation der Beschäftigten und ob sie Voll- oder Teilzeit arbeiten, wird nicht berücksichtigt. Daran stören sich Kritiker. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall wendet zum Beispiel ein, die Berechnung sei „kein Indikator für mögliche Diskriminierung, denn er vergleicht eben gerade nicht vergleichbare Tätigkeiten miteinander“.

  • Warum gibt es die Ungleichheit?

    Die Statistiker führen rund zwei Drittel der Differenz darauf zurück, dass Frauen in eher schlechter bezahlten Berufen tätig sind - zum Beispiel als Reinigungskraft (Frauenanteil 85 Prozent) oder Verkäuferin (73 Prozent). Deutlich mehr Frauen als Männer arbeiten in Teilzeit, deutlich weniger in höheren Führungsebenen.

    Das letzte Drittel der Lohnlücke zwischen den Geschlechtern lässt sich daraus aber nicht erklären: Dem Statistischen Bundesamt zufolge verdienen Frauen auch bei ähnlicher Tätigkeit und Qualifikation im Schnitt sieben Prozent weniger pro Stunde als ihre männlichen Kollegen. Das wird unter anderem damit erklärt, dass Frauen häufiger eine Auszeit vom Beruf nehmen - um sich um Kinder zu kümmern oder Angehörige zu pflegen. Und sie treten bei Gehaltsverhandlungen anders auf.

  • Wie schneidet Deutschland im europäischen Vergleich ab?

    Denkbar schlecht. EU-weit betrug der Rückstand 2013 lediglich 16 Prozent. In Slowenien zum Beispiel verdienten Frauen im Schnitt 3,2 Prozent weniger als Männer, in Italien 7,3 Prozent. Nur in Estland (30 Prozent), Österreich (23 Prozent) und Tschechien (22 Prozent) war die Lücke noch größer als hierzulande.

  • Wird die Lücke durch den Mindestlohn korrigiert?

    Davon gehen Experten zumindest aus. „Wenn der Mindestlohn eingehalten wird, werden Frauen davon profitieren, weil eben der größere Teil derjenigen, die unter 8,50 Euro verdient haben, Frauen waren“, sagt Christina Klenner vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Auch Hermann Gartner vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erwartet einen solchen Effekt. Erhebungen gibt es aber noch nicht.

  • Wie soll die Ungleichheit sonst noch überwunden werden?

    Union und SPD haben sich in ihrem Koalitionsvertrag darauf festgelegt, die Entwicklung zumindest abzumildern. Ein Ziel ist demnach, dass Unternehmen ab 500 Beschäftigte künftig transparenter machen sollen, was Frauen und Männer verdienen. Einen Gesetzesentwurf gibt es allerdings noch nicht.

Wichtigste Analyse: Wo kommen Unternehmen Frauen abhanden?

Wie mühsam die Geschlechtergleichstellung ist, zeigt diese Erkenntnis: Selbst engagierte Unternehmen schaffen nur ein Wachstum bei den Frauen in Führungspositionen von einem Prozent im Jahr, bilanziert Barbara Lutz. Denn die beeinflussenden Faktoren sind die jeweilige Unternehmensentwicklung, Firmenübernahmen, Personalabbau und Fluktuationsraten. Das A und O sind klare Messinstrumente, Maßnahmen und Ziele. Je realistischer die Ist-Analyse der Unternehmen bei der Bestandsaufnahme ihre Geschlechtergleichstellungs-Maßnahmen sind, umso eher können sie herausfinden, wo ihnen Frauen auf dem Karriereweg verloren gehen – und gezielt gegensteuern.

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