Frauen und Finanzen: Beschäftigen Sie sich mit Ihrem Geld!

Frauen und Finanzen: Beschäftigen Sie sich mit Ihrem Geld!

, aktualisiert 11. Februar 2016, 12:48 Uhr
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Eine Strategie, mit der wir niemals Verluste machen? Das wäre zu schön... Aber die gibt es nicht!

von Carina KontioQuelle:Handelsblatt Online

Mode, Muffins, Macht, MDax, Marathons – die Interessen moderner Frauen sind breit gestreut, doch um das Image der Geldanlage ist es nicht gut gestellt. Warum ist das so? Ein Gespräch mit der Expertin Jessica Schwarzer.

Chefkorrespondentin Börse und Autorin Jessica Schwarzer („Einfach erfolgreich anlegen“) erklärt im Interview, wie Sie Ihr Geld ohne großen Zeitaufwand oder hohe Kosten clever anlegen und Ihr Vermögen mehren – und trotzdem gut schlafen können. Denn Geldanlage muss nicht kompliziert sein. Sie kann sogar ganz einfach sein und Sie können sich ganz alleine um Ihren Vermögensaufbau kümmern – und zwar ohne dazu Wirtschaft studieren oder Unmengen an Zeit investieren zu müssen. Basis dieses Interviews ist eine Live-Diskussion, die wir vor kurzem in unserer LeaderIn-Netzwerkgruppe zum Thema Frauen und Geldanlage geführt haben. Leader.In ist ein Businessnetzwerk mit dem Ziel, Female Leadership in Politik und Wirtschaft zu fördern sowie erfolgreiche Frauen und einflussreiche Männer zu vernetzen, um die Innovations- und Wirtschaftskraft Deutschlands zu stärken.

Frau Schwarzer, bei welcher Anlageentscheidung haben Sie zuletzt schlecht geschlafen?
Meine Geldanlage lässt mich eigentlich nie schlecht schlafen. Manchmal ärgere ich mich allerdings...

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Das lässt sich vermutlich bei den aktuellen Turbulenzen kaum vermeiden. Sind Sie Zocker oder Angsthase - oder etwas dazwischen?
Auf keinen Fall bin ich ein Angsthase, manchmal ein Zocker. Ich trenne aber konsequent zwischen meiner langfristigen Geldanlage, da bin ich chancenorientiert und fahre eine hohe Aktienquote, und meinem „Spielgeld-Depot“. Da darf dann auch mal gezockt werden. Klappt oft, aber nicht immer, macht aber Spaß.

Für die Leser, die Ihr neues Buch „Einfach erfolgreich anlegen“, das gerade im Börsenbuchverlag erschienen ist, noch nicht kennen: Was wäre denn Ihr Elevator Pitch auf die Frage: „Wie lege ich einfach erfolgreich an?“
Geldanlage ist kein Buch mit sieben Siegeln. Mit wenigen Bausteinen lässt sich ein ausgeklügeltes Depot zusammenstellen – je nach Wunsch mit höherer oder niedriger Aktienquote. Das ganze mit einfach zu verstehenden, sehr günstigen Produkten. Meine Strategie basiert auf den Erkenntnissen der modernen Kapitalmarktforschung. Aber keine Angst, Sie müssen weder Wirtschaft studieren noch Unmengen an Zeit investieren, um sie zu verstehen. Geldanlage kann ziemlich einfach sein. Und Spaß machen noch dazu!


Regeln zum sicheren Vermögensaufbau

Wie bekommt man mehr Frauen dazu, ihre Finanzen selbst in die Hand zu nehmen? Warum sind so viele so zögerlich?
Das frage ich mich auch! Frauen scheinen sich an das Thema nicht ranzutrauen, vertrauen immer noch zu sehr auf ihre Männer. Dabei sind sie viel erfolgreicher bei der Geldanlage, als es Männer sind. Die leiden nämlich unter Selbstüberschätzung und gehen deshalb ziemlich hohe Risiken ein. Frauen sind vorsichtiger, investieren langfristiger und sind auch nicht so gierig. Wahrscheinlich müssen wir den Frauen einfach mehr Mut machen.

Sie sagen: Geldanlage muss nicht kompliziert sein – gibt es denn ein paar Regeln, mit denen wir unser Vermögen sicher aufbauen können?
Es gibt einige ganz einfache Regeln: Das Risiko sollten Sie breit streuen, also über mehrere Anlageklassen wie Aktien und Anleihen, dann global und in viele Einzeltitel. Das geht mit ETFs ganz prima. Außerdem sollten Sie langfristig anlegen, mindestens fünf, besser zehn Jahre. Wer für ein Jahr in Aktien investieren will, der zockt. Das ist viel zu riskant. Und ganz wichtig: Sie brauchen eine Strategie, die zu Ihnen passt. Wie viel Risiko sind Sie bereit einzugehen, welche Ziele haben Sie, wann brauchen Sie das Geld und so weiter. Wenn Sie eher ein „Angsthase“ sind, dann ist eine Aktienquote von 80 Prozent zu viel.

Was empfehlen Sie denn, um beispielsweise in den Aktienhandel einzusteigen? Braucht man jemanden, der einem das Thema erklärt und wo findet man den oder reicht es, sich intensiver mit Börsenkursen auseinanderzusetzen?
Anfängern rate ich, viel über die Börse zu lesen. Sich mit anderen auszutauschen. Und auch zum (Bank-) Berater zu gehen.


So sorgen Eltern für ihre Kinder vor

Was würden Sie Eltern als eine optimale Vorsorge für ihre Kinder empfehlen?
Ich bin überzeugte Aktionärin. Deshalb würde ich für Kinder immer einen ETF-Sparplan auf einen Aktienindex abschließen – das kann sogar reich machen! Je länger die Anlagedauer, desto besser. Diese Sparpläne gibt es ja teilweise schon ab 25 Euro pro Monat, fast überall aber ab 50 Euro. Wem das zu viel ist: einfach quartalsweise oder halbjährlich sparen.

Und wie wähle ich dann innerhalb des ETF-Angebots die beste Kombination oder das beste Produkt?
Sie brauchen erst einmal eine Strategie, müssen sich also für die Gewichtung von Anleihen und Aktien entscheiden, dann die Bausteine auswählen. Das klingt jetzt kompliziert, aber die Arbeit habe ich Ihnen in meinem Buch abgenommen. Wenn Sie sich für die Bausteine und damit Indizes entschieden haben, geht es ganz einfach. Im Grunde sind die ETFs vergleichbar. Schauen Sie auf den Preis, vielleicht hat Ihre Onlinebroker auch eine Aktion mit einem Anbieter, dann natürlich die Entscheidung, ob Sie lieber einen ETF auswählen, der die Erträge ausschüttet oder wiederanlegt.

Stichwort Lebensversicherungen: Warum glauben Sie, dass das - Sie schreiben es ja in Ihrem Buch - keine sinnvolle Altersvorsorge mehr ist?
Lebensversicherungen bringen kaum noch Rendite (Stichwort: Niedrigzinsen), aber die Kosten sind sehr hoch. Die Verträge sind noch dazu extrem unflexibel. Kein Wunder, das so viele Menschen frühzeitig aussteigen - und viel Geld verlieren. Alte Policen mit guten Konditionen sollte man hingegen unbedingt behalten. Eine tolle Altersvorsorge. Aber neue Policen abschließen: Bitte nicht!

Wenn es eine Lektion gäbe, die Sie Ihren Kindern über Geld beibringen wollen, welche wäre das?
Ich habe zwar keine Kinder, aber Patenkinder. Noch sind die zu klein, aber ich werde ihnen erklären, dass Aktien keine Zockerei sind, sondern Unternehmensbeteiligungen. Dass man Geld in Unternehmen natürlich langfristig investiert, es arbeiten lassen muss. Über Nacht ist noch kein Unternehmer reich geworden.

Woran liegt es denn, dass die Altersversorgung von vielen Deutschen kaum bis gar nicht richtig gesichert ist?
Die meisten verlassen sich auf die gesetzliche Rente – und viel zu viele Frauen auf ihre Männer. Das ist leider zu wenig. Ohne private Altersvorsorge geht es nicht. Nur bitte, bitte nicht auf teure Versicherungsprodukte setzen. Warum nicht ein Fondssparplan? Damit bleibt man auch flexibel (jederzeit aussetzbar, kündbar, Anpassung möglich).


Die Strategie, mit der man niemals Verluste macht

Verraten Sie uns jetzt die Strategie mit der wir niemals Verluste machen?
Eine Strategie, mit der wir niemals Verluste machen? Das wäre zu schön... Aber die gibt es nicht! Wer etwas anderes behauptet, der lügt. Aktienkurse schwanken, Anleihekurse übrigens auch. Aber das Verlustrisiko bei Aktien schwindet mit der Zeit. Wenn Sie breit investieren – beispielsweise in einen Indexfonds auf den Dax oder den Weltaktienindex MSCI Word - , ist das Verlustrisiko nach 15 Jahren bei Null. Der Anlagehorizont ist entscheidend! Und die Nerven, die sollten Sie auch behalten. Also nicht panisch alles auf den Markt schmeißen, wenn es mal nicht so läuft.

Und Gold: Sie schreiben, wir sollen lieber unseren Liebsten Schmuck schenken, statt in das gelbe Edelmetall zu investieren! Taugt es denn nicht mehr als Krisenwährung?
Gold ist schon längst kein sicherer Hafen mehr. Allen Krisen zum Trotz - und davon hatten wir ja weiß Gott genug - geht es mit dem Preis für das gelbe Edelmetall seit 2011 immer nur abwärts. Mittlerweile hat sich der Preis fast halbiert. Ein sicherer Hafen sieht anders aus.

Was macht Sinn, beziehungsweise wie hoch sollte das Kapital sein, um mit Ihrer Strategie/die optimale Depotstruktur, die Sie in ihrem Buch erläutern, umzusetzen?
Mein chancenorientiertes Depot besteht beispielsweise aus sieben Bausteinen und damit sieben ETFs. 10.000 Euro sollten es also schon sein, sonst sind die Positionen zu klein. Aber man kann das Ganze natürlich auch Schritt für Schritt abbilden und mit einzelnen Bausteinen anfangen. Ich habe mein Depot auch noch nicht komplett auf die Strategie umgestellt. Einiges habe ich verkauft und entsprechend neu angelegt. Andere Bausteine bilde ich über einen ETF-Sparplan ab - die wachsen also langsam aber sicher auf die gewünschte Gewichtung an.

Apropos Verkaufen: In welche Psychofalle tappen wir als Anleger besonders gerne - und wie können wir uns dabei vor uns selbst schützen?
Oh, da gibt es viele Psychofallen. Ich habe ein ganzes Buch darüber geschrieben! Wir sind gierig, wir sind ängstlich, wir sind verliebt, wir reagieren panisch - und schon machen wir jede Menge teure Fehler an der Börse. Wir verkaufen zu spät, wir kaufen nahe Allzeithochs, wir greifen in fallende Messer, wir ignorieren schlechte Nachrichten oder interpretieren sie völlig falsch, wir sind gierig auf der Suche nach dem einen Super-Tipp... Es hilft, sich mit diesen Emotionen auseinander zu setzen. Dann reagiert man beim nächsten Mal weniger emotional.

Frau Schwarzer, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Quellle:  Handelsblatt Online
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