Gastkommentar: Nach dem Burnout das Richtige tun

Gastkommentar: Nach dem Burnout das Richtige tun

, aktualisiert 04. November 2011, 10:38 Uhr
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Kommt ein Burnout-Patient wieder zurück in die Firma, kann er wertvolle Erfahrungen einbringen, schreibt Business Coach Sabine Mrazek.

Quelle:Handelsblatt Online

Ob Arbeitgeber oder Betroffener,  beide fragen sich, wie es nach dem Burnout weitergeht. Für die Auszeit beziehungsweise Genesungszeit zahlten beide Seiten einen hohen Preis. Wie es besser geht - ein Gastkommentar.

Am Arbeitsplatz wurde die anfallende Arbeit vom Team mitgetragen, mussten begonnene Vorgänge weiter bearbeitet werden. Der Burnout Betroffene selbst hat einen harten Weg hinter sich.

Doch das „Problem“ ist damit noch nicht behoben. Studien belegen ganz klar, dass die Ursachen für einen Burnout vielschichtig sind. Man unterscheidet hierbei zwischen gesellschaftlichen, objektiven, arbeitsbedingten und persönlichen Ursachen für die Erkrankung. An den gesellschaftlichen wie zum Beispiel Globalisierung und Schnelllebigkeit können Arbeitsgeber und Betroffener nur punktuell etwas verändern. Betrachtet man die objektiven Ursachen wie Mobilität oder Pausen und hohes Arbeitspensum, so wird deutlich, dass beide Seiten hier in der Verantwortung sind, um die langfristige Wiedereingliederung des Mitarbeiters sicherzustellen.

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Ganz anders sieht es bei den arbeitsbedingten und persönlichen Gründen aus, die laut neuesten Studien der Betriebskrankenkassen zu mehr als 60 Prozent die Burnouterkrankungen verursachen. Arbeitsbedingungen, Führung und fortwährende Konflikte im Team werden in dieser und anderen Studien immer wieder als Hauptfaktoren genannt.

Kehrt der Burnouterkrankte in das alte Arbeitsumfeld zurück und trifft dort auf ein Umfeld und Vorgesetzte, die ihn als „krank“ behandeln und von ihm verlangen wieder in die alte, gewohnte Rolle zurückzukehren, dann ist der Rückfall oder die Kündigung schon vorprogrammiert.

Wer allerdings als Unternehmer nachhaltig und vorausschauend wirtschaftet, der sieht den Burnouterkrankten nicht als Einzelfall oder Kostenfaktor. Stattdessen hat derjenige einen inneren Sichtweisenwechsel vorgenommen: Er betrachtet den zurückkehrenden Mitarbeiter nicht als „Opfer“, welches er in Watte packen muss, sondern begegnet ihm auf Augenhöhe und als Experten. Denn er weiß, dass der Mitarbeiter, der einen Burnout durchlebt hat und anschließend ins Unternehmen zurückkehrt, eine wertvolle Ressource für das Unternehmen darstellt.


Der Burnout-Kranke als Ressource

Ressource 1: Krisenfestigkeit

Er hat die Fertigkeit entwickelt, Krisen zu meistern. Denn für den Betroffenen war es der schwerste Weg: Raus aus dem beruflichen Umfeld und System, sowie der Verzicht auf damit verbundene Anerkennung und Status. Wenn auch unfreiwillig, hat er - für die eigene Gesundheit – diesen Weg durchschritten. Die eigene Identität und die Selbstwertmechanismen werden hierbei immer mit auf den Kopf gestellt. Er hat es geschafft und ist wieder da.

Ressource 2: Übertragung der gelernten Stärken auf den Alltag 

Wer diesen Weg gegangen ist und an den alten Arbeitsplatz zurückkehrt, den erschüttert so schnell nichts mehr. Vorausgesetzt ihm wird ermöglicht, diese Stärke in den Arbeitsalltag zu integrieren. Arbeitgeber sollten sich bewusst machen: Der Mitarbeiter hatte keinen Ausfall wegen einer Grippe, welche nach der Genesung einfach vorbei ist. Er hat in der Zwischenzeit beispielsweise gelernt mit der eigenen Persönlichkeit und mit Konflikten anders umzugehen. Geben Sie ihm die Chance - vielleicht mit einem Coach an der Seite – genau diese Stärken auf den Arbeitsalltag zu übertragen. Die Erfahrung zeigt, dass derjenige, der die Konfrontation mit Unsicherheit auf allen Ebenen überstanden hat, zu wesentlich authentischeren Kundenbeziehungen und  Durchsetzungsstärke fähig ist. Vorausgesetzt, der Mensch Mitarbeiter hat die Rückendeckung und Stärkung durch seine Vorgesetzten. 

Ressource 3:  Experten Know-how im Unternehmen

Der ernst genommene Betroffene kann dem Unternehmen im offenen, authentischen Gespräch wertvolle Hinweise geben, wie dieses eventuell weitere Fälle von Burnout vermeiden kann. 

Beispielsweise der Aspekt der Unternehmensstruktur, Arbeitsorganisation und Überlastung: Gerade in Zeiten der Globalisierung gehen die meisten Unternehmen dazu über, Unternehmensstrukturen mit flachen Hierarchiestufen zu etablieren.  Doch dabei sollte die Persönlichkeitsstruktur der Mitarbeiter nicht außeracht gelassen werden. Denn die meist mit flachen Hierarchien verbundene Verschiebung von Verantwortung und Entscheidungen nach unten führt nicht selten dazu, dass ein Großteil der Mitarbeiter innerlich unter Stress steht. Immerhin bringt ein Viertel aller Menschen dann gute Leistung, wenn sie klare Rahmen und Zielvereinbarungen  haben.

Und der Betroffene selbst? Für ihn stellt sich die Frage, ob er einen Burnout hatte, weil er am „falschen Ort“ war und seine Seele eigentlich etwas anderes im Leben möchte. Oder ob er etwas zu lernen hatte. Doch dies wird er nur im alten Umfeld erkennen können. Dafür ist es wichtig, dass er dem „alten Umfeld“ eine „neue Chance“ gibt und seinem Arbeitgeber die Gelegenheit gibt, die oben beschriebenen Ressourcen zu nutzen. 

Die Autorin:

Sabine Mrazek ist internationaler Business Coach und Inhaberin von sabeconsult Coaching

Quelle:  Handelsblatt Online
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