Gehaltsunterschiede: Tariflöhne in Ost und West nähern sich an

Gehaltsunterschiede: Tariflöhne in Ost und West nähern sich an

25 Jahre nach der Wiedervereinigung verschwinden die Lohnunterschiede zwischen Ost und West - zumindest in den Tarifverträgen. In den Branchen ohne Tarif ist die Lücke dagegen weiterhin riesig.

Die Tariflöhne sind in Deutschland im Jahr 2015 stark gestiegen. Tarifangestellte haben seit der letzten Runde 3,1 Prozent mehr Geld im Portemonnaie, zu Jahresbeginn hatte es ein Plus von 2,7 Prozent gegeben, Ende 2014 von 3,0 Prozent. Wenn das Statistische Bundesamt oder die Gewerkschaften solche Zahlen kommunizieren, folgt kurz nach dem Jubel immer schnell das Aber: Im Osten der Republik sieht es ganz anders aus. Kein Lohnbericht, kein Gehaltsreport ohne Ost-West-Gefälle. Die gleiche Arbeit ist in den neuen Bundesländern mitunter bis zu 20 Prozent weniger wert.

Laut einer Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung ist damit nun zumindest bei den Tariflöhnen Schluss: 25 Jahre nach der deutschen Vereinigung haben sich die durchschnittlichen Tariflöhne und -gehälter in Ostdeutschland stark an die im Westen angenähert. Der Unterschied betrage nur noch drei Prozent. Dabei zeigen sich allerdings teilweise deutliche Unterschiede nach Branchen:

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Welche Branchen weniger als der Durchschnitt zahlen

  • Kulturdienstleister

    Im Bereich der Kulturdienstleistung liegt die Bezahlung 18,9 Prozent unter dem Durchschnittsgehalt aller Branchen.

    Quelle: Gehaltsvergleich.com

  • Bildungsinstitutionen

    Bildungsinstitutionen zahlen 19,2 Prozent weniger.

    Quelle: Gehaltsvergleich.com

  • Soziale Einrichtungen

    In sozialen Einrichtungen verdienen die Angestellten 22,1 Prozent weniger als Angestellte anderer Branchen.

    Quelle: Gehaltsvergleich.com

  • Hotel und Gaststätten

    In Hotels und Gaststätten liegt das Gehalt 26,8 Prozent unter dem Durchschnittsgehalt aller Branchen.

    Quelle: Gehaltsvergleich.com

  • Callcenter

    Am weitesten von allen Durchschnittsgehältern entfernt sind die Löhne in Callcentern. Hier liegt die Bezahlung 35,7 Prozent unter dem Durchschnitt.

    Quelle: Gehaltsvergleich.com

Im öffentlichen Dienst, bei Banken und Versicherungen, in der Eisen- und Stahlindustrie, in der Druckindustrie sowie im Einzelhandel (Brandenburg) liegt das Tarifniveau bereits bei 100 Prozent.

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Im Bauhauptgewerbe erreicht es 92 Prozent, im Kfz-Gewerbe (Thüringen) beträgt es knapp 88 Prozent. Im Hotel- und Gaststättengewerbe (Sachsen) liegt das Tarifniveau bei rund 80 Prozent und in der Landwirtschaft (Mecklenburg-Vorpommern) bei 74 Prozent. Darauf weist Dr. Reinhard Bispinck, der Tarifexperte des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, hin.

Weitaus größer ist der Einkommensrückstand bei ostdeutschen Beschäftigten, die nicht nach Tarif bezahlt werden. Diese Differenz ist ein wesentlicher Grund dafür, dass die effektiven Bruttoverdienste im Osten um insgesamt 17 Prozent niedriger ausfallen als im Westen.

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