Gehaltsvergleich: Warum dicke Frauen weniger verdienen

Gehaltsvergleich: Warum dicke Frauen weniger verdienen

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Dicke Frauen verdienen weniger - dicke Männer nicht.

von Jana Reiblein

Immer mehr Menschen sind zu dick. Vor allem für übergewichtige Frauen bedeutet das Gehaltseinbußen - mehr als für Männer. Woran liegt das?

Immer mehr Menschen in Deutschland gelten als übergewichtig. Mittlerweile bringt mehr als jeder zweite erwachsene Deutsche zu viel auf die Waage, wie aktuelle Daten des Statistischen Bundesamts zeigen. Dabei sind vor allem Männer betroffen: 62 Prozent sind übergewichtig bis fettleibig - bei den Frauen sind es 43 Prozent. Aber nur für Frauen bringt das Zuviel auf den Rippen auch finanzielle Einbußen.

Internationale Studien zeigen immer wieder, dass schlanke Frauen mehr verdienen als ihre molligen Geschlechtsgenossinnen. So zeigte etwa eine viel beachtete US-Studie, die 2004 im "Journal of Human Resources" veröffentlicht wurde, dass Übergewicht vor allem für Frauen Gehaltseinbußen bedeutet. Studienautor John Cawley stellte fest, dass ein Gewichtsunterschied von rund 33 Kilogramm für Frauen mit Gehaltseinbußen in Höhe von neun Prozent einhergeht. Das entspricht einer Abstrafung in Höhe von etwa drei Jahren Berufserfahrung.

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Eine Untersuchung der Situation in Deutschland im Auftrag des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) zeigte in diesem Jahr, dass nicht nur dicke Frauen beim Gehalt benachteiligt werden - sondern auch dünne Männer. Die Studie zeigte, dass schlanke Frauen auf dem Arbeitsmarkt bessere Karten haben als fettleibige.

Umgekehrt zeigte sich bei Männern, dass sich ein zu geringes Gewicht negativ auswirkt. Die Ökonomen Marco Caliendo und Markus Gehrsitz erstellten ihre Untersuchung auf Basis des Sozio-Ökonomischen Panels und werteten die Daten von 18.000 Männern und Frauen aus. Sie erstellten den Body-Mass-Index (BMI) der Personen.

Wie sich der BMI berechnet

  • Formel

    Der Body-Mass-Index berechnet sich wie folgt: Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergröße mal Körpergröße in Metern.

    Bei einem Gewicht von 90 Kilogramm und einer Größe von 1,90 Meter beträgt der BMI also knapp 25.

  • Was ist normal?

    Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO wird ein BMI zwischen 18,5 und 24,9 als normal angesehen. Ab einem Wert von 30 Kilogramm pro Quadratmeter Körpergröße gelten Übergewichtige als behandlungsbedürftig.

Bei der Auswertung der Daten zeigte sich, dass schlanke Frauen mit einem BMI von 21,5 am meisten verdienen. Mit zunehmendem Gewicht nahm das Gehalt immer weiter ab - und zwar beachtlich.

Fettleibige Frauen verdienen demnach in Deutschland bis zu zwölf Prozent weniger. Auch wirkte sich das Körpergewicht nicht nur auf die Gehaltserwartungen aus, sondern auch auf die Chancen, überhaupt einen Job zu bekommen.

Bei Männern liegt die Sache anders: Sie verdienen bei einem BMI von 23 bis weit in den Bereich des Übergewichts hinein am meisten. Hingegen müssten untergewichtige Männer mit einem Lohnabschlag von bis zu acht Prozent rechnen. Die Studienautoren schränken allerdings ein, dass sich dieser Effekt auf Arbeiter in der Produktion beschränkt. Sie vermuten, dass der Malus auf mangelnder Muskelmasse und Körperkraft beruht.

Was bislang nicht hinreichend geklärt ist, sind die Gründe für die Benachteiligung übergewichtiger Frauen. Verschiedene Studien kommen dabei zu unterschiedlichen Erklärungsansätzen. Manche schlussfolgern, dass übergewichtige Menschen unproduktiver sind, öfter aufgrund von Krankheit fehlen - oder dass besonders übergewichtige Frauen sich Jobs aussuchen, in denen sie weniger verdienen.

Auch der Umkehrschluss, dass ein niedrigeres Gehalt zu Übergewicht führt, weil die Menschen sich schlechter ernähren, wurde beleuchtet. Einen klaren Ursache-Wirkungs-Zusammenhang konnte bislang keine Untersuchung nachweisen. Die Zeichen für Diskriminierung als Grund verdichten sich aber.

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