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Gehirnleistung: Stress macht vergesslich

von Tina Groll Quelle: Zeit Online

Dauerstress im Job mindert die Gedächtnisleistung. Mit möglicherweise irreversiblen Folgen: Das Risiko, an Demenz zu erkranken, nimmt im Alter zu.

"Jetzt schreibt einmal jeder auf, was ihn am anderen stört" - kein Scherz, das kann helfen. Karrierecoach Martin Wehrle empfiehlt, Konflikte mittels Stift und Papier zu deeskalieren. Schreiben Sie die gemeinsamen Ziele auf, bevor Sie sich wegen einem kleinen Detail in die Haare kriegen und das große Ganze aus dem Blick verlieren. Die Ziele seien nämlich meist gleich, auch wenn man sich über den Weg uneins sei, sagt Wehrle.

Bild: Fotolia

Dass Stress krank machen kann, ist längst bekannt. Aber nicht nur die Psyche leidet unter negativem Dauerstress, sondern auch der Körper. "Mehrere Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen einer hohen Stressbelastung und dem Erkranken an Demenz und Alzheimer", sagt der Stressforscher und Arbeitspsychologe Tim Hagemann. Möglicherweise wird eine beginnende Demenzerkrankung durch Stress sogar beschleunigt.

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Generell wird Stress in gesunden Eustress und ungesunden Disstress unterschieden. Während ersterer die Leistungsfähigkeit sogar kurzfristig steigert, gut bewältigt werden kann und dabei Glückshormone ausgeschüttet werden, mindert letzterer die Gehirnleistung, belastet das Immunsystem und macht auf Dauer krank.

"Psychologisch entscheidend ist der wahrgenommene Handlungsspielraum, um eine Situation zu meistern. So sind beispielsweise Langzeitarbeitslose besonders gefährdet, psychisch und physisch an Stress zu erkranken, weil sie besonders häufig ihre Situation als nicht änderbar oder kontrollierbar ansehen", sagt Hagemann. Kann Stress psychisch nicht verkraftet werden, steigt das Risiko, an einer Depression zu erkranken. Und die kann wiederum eine beginnende Altersdemenz oder Alzheimererkrankung früher auslösen oder demenzähnliche Symptome mit sich bringen, so der Stressforscher.

Hinzu kommt, was biologisch im Körper abläuft. Stress bedeutet, dass sich der Körper auf eine akute Gefahrensituation einstellt. Im Körper werden Adrenalin, Noradrenalin und Corticoide ausgeschüttet, Herzfrequenz und die Durchblutung steigen, Glukose wird freigesetzt, die Magendarmtätigkeit eingeschränkt und die Blutgerinnung beschleunigt. Auch das Immunsystem fährt etwas herunter, um Energie zu sparen. Der Körper ist auf Aktivität, eine Flucht- oder Kampfsituation vorbereitet. Nur erfolgt diese in der modernen Arbeitswelt zumeist nicht.

Stresshormone greifen Nervenzellen an

Das Cortisol greift dann wichtige Gehirnzellen an. Die Stresshormone führen langfristig sogar zu physiologischen und anatomischen Veränderungen im Hirn. Vor allem im Hippocampus, einer Region im Hirn, die Teil des limbischen Systems ist, vor allen an der Gedächtnisbildung beteiligt und für das Kurzzeitgedächtnis und Konzentrationsfähigkeit verantwortlich ist. In dieser Hirnregion werden außerdem wichtige und unwichtige Sinneswahrnehmungen gefiltert. Kommt es hier zu einer Störung, hat das Auswirkungen. Gestresste werden vergesslich, wirken zertreut oder unruhig. Ein Tunnelblick entsteht – die Wahrnehmung ist eingeschränkt und nur auf die Stresssituation fokussiert.

"Dann greift man auf Routinen zurück. Man spult dann eingeübtes Verhalten ab. Bei der Bundeswehr wird dieser Effekt bewusst genutzt. Auch Brandschutzübungen zielen darauf ab, für akute Stresssituationen Verhaltensroutinen auszubilden", sagt Hagemann. Für normale Unternehmen, die leistungsstarke Mitarbeiter brauchen, ist das von Nachteil. Chronisch gestresste Mitarbeiter sind weniger leistungsfähig, weniger produktiv, weniger kreativ.

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