Gender Pay Gap: Warum Frauen weniger verdienen als Männer

Gender Pay Gap: Warum Frauen weniger verdienen als Männer

von Ferdinand Knauß

Je höher die Qualifikation, desto größer die Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen, meldet das statistische Bundesamt. Den Großteil dieses "Gender Pay Gap" kann man erklären. Diskriminierung spielt allenfalls eine Nebenrolle.

Überraschen kann diese Nachricht nicht mehr: Frauen verdienen durchschnittlich 22 Prozent weniger als Männer in vergleichbaren Positionen, meldet das Statistische Bundesamt heute in seiner alle vier Jahre veröffentlichten Verdienststrukturerhebung. Der so genannte „Gender Pay Gap“ hat sich damit im Vergleich zu 2006 nur um einen Prozentpunkt verkleinert. Warum das so ist, können Statistiker und Sozialwissenschaftler nur zum Teil erklären.

Doch zunächst zu den Fakten: Der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von weiblichen Führungskräften war im Jahr 2010 in Deutschland mit 27,64 Euro um 30 Prozent niedriger als der von männlichen Führungskräften (39,50 Euro). Ähnliche Verdienstunterschiede gibt es bei Technikern (30 Prozent), akademischen Berufen (28 %) und Handwerkern (25 Prozent). Den geringsten Geschlechterunterschied (4 Prozent) gibt es bei Bürokräften.

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Der Gender Pay Gap lag bei niedrigen Abschlüssen (Haupt- oder Realschulabschluss) bei 11 Prozent. Bei mittlerer Bildung (Abitur) betrug der Verdienstabstand 19 Prozent. Bei höheren Abschlüssen (zum Beispiel Hochschulstudium) lag der Verdienst von Frauen hingegen um 27 Prozent unter dem von Männern. Der Verdienstunterschied steigt also mit der Qualifikation - und dem Alter. Bei Männern und Frauen unter 24-Jährige betrug er nur 2 Prozent, bei den 25- bis 34-Jährigen waren es 11 Prozent, bei den 35- bis 44-Jährigen 24 Prozent und bei den 55- bis 64-Jährigen 28 Prozent.

Die Gehaltsdifferenzen nach Alter

  • 24 Jahre und jünger

    Die Verdienstunterschiede der jüngsten Gruppe ist gleich geblieben: 2006 wie auch 2010 verdienten Männer dieses Alters zwei Prozent mehr als ihre Kolleginnen.

  • 25 bis 34 Jahre

    Tendenz fallend: Verdienten Frauen dieses Alters 2006 zwölf Prozent weniger als ihre Kollegen, waren es 2010 elf Prozent.

  • 35 bis 44 Jahre

    Deutlich höher als bei jüngeren Mitarbeitern ist der Gehaltsunterschied in dieser Altersgruppe: 2006 wie auch 2010 verdienten Frauen 24 Prozent weniger als die Männer.

  • 45 bis 54 Jahre

    Ebenso hoch wie die nächst-jüngere Generation von Arbeitnehmern verdienen in dieser Altersgruppe Frauen deutlich weniger als Männer: 27 Prozent

  • 55 bis 64 Jahre

    In keiner Altersgruppe sind die Unterschiede so groß wie hier: Zwar ging der Prozentsatz leicht zurück, ist aber immer noch am höchsten. 2006 verdienten Frauen dieses Alters 30 Prozent weniger, 2010 waren es immer noch 28 Prozent - deutlich über dem Gesamtdurchschnitt.

  • 65 Jahr und älter

    In der Gruppe der ältesten Arbeitnehmer verdienten Frauen 2006 22 Prozent weniger als ihre Kollegen. Zwei Jahre später lag der Wert zwei Prozent niedriger bei 20 Prozent.

Als Ursache für Geschlechterunterschiede beim Verdienst wird allgemeinen eine anhaltende Diskriminierung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt angenommen – ähnlich wie in der Diskussion um den geringen Frauenanteil in Führungspositionen. Implizit geht die Frauenpolitik davon aus, dass in der Gesellschaft noch immer machistische Mächte am Werk sind, die den Aufstieg von Frauen aus reiner Missgunst verhindern. Von "gläsernen Decken" ist da oft die Rede. Tatsächlich aber gibt es ganz handfeste Gründe für den geringen Frauenanteil in Führungspositionen und für die Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern. Der geringere Frauenanteil in Führungspositionen ist nach einer Studie des Frankfurter Soziologen Fabian Ochsenfeld zum Teil durch die Geschlechtsunterschiede bei der Studienfachwahl zu erklären. Junge Frauen studieren tendenziell Fächer, die sie weniger für Karrieren in der freien Wirtschaft qualifizieren, nämlich Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften sowie Lehramtsstudiengänge. Vor allem die Natur- und ingenieurwissenschaftlichen Fächer sind trotz aller geschlechterpolitischen Bemühungen nach wie vor eine Männerdomäne. Noch entscheidender als die Fächerwahl ist nach Ochsenfeld aber etwas anderes: Die meisten Frauen reduzieren mit der Geburt von Kindern ihr berufliches Engagement zu Gunsten der Familie. Dazu kommt: Traditionell förderte die Familienpolitik in Deutschland das Fernbleiben von Müttern aus der Arbeitswelt.

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