Generation Y im Interview: "Der Job muss Sinn machen"

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InterviewGeneration Y im Interview: "Der Job muss Sinn machen"

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Der 18-jährige Philipp Riederle erklärt großen Unternehmen seine Generation

von Kristin Schmidt

Philipp Riederle ist 18 Jahre alt, hat gerade sein erstes Buch veröffentlicht und berät Unternehmen wie Microsoft oder der Deutschen Bank. Gehalt und Status zählen für seine Generation wenig, sagt er und erklärt, was Unternehmen immer noch falsch machen.

WirtschaftsWoche: Thyssen Krupp, Google oder Audi – für welches dieser Unternehmen würden Sie am liebsten arbeiten?

Riederle: Da fallen mir zu jedem Unternehmen Pro- und Contra-Argumente ein. Ohnehin bin ich im Moment noch sehr unentschieden, was meinen weiteren Weg betrifft. Das Abi habe ich fast hinter mir und bevor ich mit einem Studium oder einer Ausbildung beginne, möchte ich mich ein oder zwei Jahre intensiv meiner Beratungsfirma widmen. Da ist während dem Abitur viel liegen geblieben.

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Das selbstständige Arbeiten scheint Ihnen große Freude zu bereiten. Wie sieht für Ihre Generation das perfekte Arbeitsverhältnis aus?

Meiner Generation geht es nicht mehr so sehr um Gehalt und Status. Uns ist es wichtiger, dass wir uns selbst verwirklichen können und die richtige Balance zwischen Arbeiten und Freizeit finden ­– und das am besten selbstbestimmt. Meinem zukünftigen Chef sollte es egal sein, ob ich mit meinem Laptop am Schreibtisch sitze oder im Park liegend meine Arbeit erledige.

Arbeitswelt Warum der Mensch ein Büro braucht

Im alten Rom nutzten die Beamten ihr Büro, um eigenen Geschäften nachzugehen. Keine schlechte Idee. Ein paar alternative Vorschläge zur Büronutzung.

huGO-BildID: 27811604 HANDOUT - Undatiertes Foto eines "Coworking" Büros der Firma Deskwanted.com in San Francisco, USA. Das Internet hebt Grenzen auf, in der Arbeitswelt auch die von Zeit und Raum. Es gibt aber auch eine entgegengesetzte Entwicklung: Beim «Coworking» finden digitale Nomaden einen Arbeitsplatz und eine gemeinsame Umgebung mit anderen Freiberuflern, Startups oder Home-Office-Angestellten. Foto: Deskwanted.com (Achtung Redaktionen: Nur zur redaktionellen Verwendung bei Nennung der Quelle) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Das hört sich für mich an, als wollten Sie am liebsten als freier Mitarbeiter irgendwo anheuern.

Sein eigener Chef zu sein, ist verlockend. Aber ich glaube, dass sich auch die Arbeitswelt ändern wird. Zum Beispiel könnte ich mir vorstellen, dass angestellte Mitarbeiter sich auf bestimmte Projekte bewerben, um daran mitzuarbeiten, weil sie für das Thema brennen. Das würde natürlich ganze Konzernstrukturen durcheinander rütteln, aber es brächte auch viele Vorteile.

Zum Beispiel?

Die Mitarbeiter suchen sich ihre Projekte nach Interesse aus. Damit steigt die Motivation für die Arbeit. Außerdem haben sie mehr Abwechslung und erledigen nicht 30 Jahre den gleichen Job. Menschen die nach Mitternacht am produktivsten sind, könnten einfach nachts arbeiten oder wenn sie es wollen auch mit dem Laptop im Freibad. 

Ein ganz großer Teil Ihres Buches „Wer wir sind und was wir wollen“ beschäftigt sich mit Kommunikation. Warum ist das auch für die Arbeitswelt wichtig?

Kommunikation ist der Grundstein menschlichen Zusammenlebens. Meine Generation ist mit dem Internet, sozialen Netzwerken und Smartphones aufgewachsen und damit funktioniert die Kommunikation in drei Punkten radikal anders als zuvor. Erstens: Jeder kann jederzeit mit jedem in Kontakt treten. Zweitens: Wir haben durch das Internet Zugriff auf einen enormen Wissensschatz. Und drittens: Jeder kann publizieren.

Aber was hat das mit der Arbeitswelt zu tun?

Wir können uns auch beruflich viel mehr ausprobieren als früher. Ich habe mir zum Beispiel nur über Anleitungen aus dem Internet mein eigenes Aufnahmestudio gebastelt. Noch habe ich mich nicht dazu entschieden Toningenieur zu werden, aber wer weiß. Auch sich selbstständig zu machen, ist dank Internet einfacher geworden. Wenn jemand eine gute Idee hat, kann er sie im Netz publik machen, Geld dafür einsammeln und starten. Projektbezogenes Arbeiten wird ebenfalls dadurch erst in größerem Ausmaß möglich.

Was meinen Sie damit konkret?

Es gibt Unternehmen, die arbeiten bereits mit einem internen sozialen Netzwerk. Darüber können Mitarbeiter kommunizieren und sich auch in Projektgruppen organisieren. Habe ich ein solches Netzwerk, erreiche ich auch die Arbeitskollegen, die ich persönlich gar nicht kenne, aus deren Profil aber ersichtlich ist, dass sie als Experte für das Projekt hilfreich sein können.

Schließen solche Kommunikationswege die älteren Mitarbeiter nicht aus?

Das kommt auf die Unternehmenskultur an. Manchmal komme ich in Firmen, da rieche ich schon beim Betreten der Eingangshalle, dass es nicht einfach wird, dort irgendwas zu ändern. In anderen Unternehmen sind die über 50-Jährigen schon ganz heiß darauf, mit den jungen Leuten gemeinsam zu arbeiten und nochmal etwas Neues zu lernen.

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