Generation Y: Von wegen superflexibel

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Generation Y: Von wegen superflexibel

von Tina GrollQuelle:Zeit Online

Die Berufseinsteiger unter 30 Jahren verändern die Arbeitswelt, heißt es. Studien zeigen aber: Das ist alles Quatsch. Die Jungen unterscheiden sich kaum von den Älteren.

Sie wollen flexibel arbeiten, feste Arbeitsplätze sind ihnen weniger wichtig als ihre persönliche Freiheit. Eine sinnvolle Tätigkeit ist ihnen wichtiger als die Karriere. Sie wollen ständig Feedback vom Chef, eine ausgeglichene Work-Life-Balance und mögen es, wenn sie ihre eigenen Tools wie Smartphone, Tablet oder Laptop mit zur Arbeit bringen können. Generation Y werden die jüngeren Beschäftigten unter 30 Jahren genannt. In den vergangenen Jahren wurde sehr viel über sie geschrieben und diskutiert. Arbeitgeber müssten dieser Generation einiges bieten, vor allem weil Fachkräfte in Deutschland knapp würden, heißt es.

Darauf legen junge Arbeitnehmer bei der Wahl ihres Arbeitnehmers Wert

  • Für eine gute Sache arbeiten

    Das wünschen sich 11 % der jungen Arbeitnehmer.

  • Internationale Karriere

    17 % der Befragten legen Wert auf eine internationale Karriere.

  • Fachkarriere

    Wichtiger als eine internationale Karriere ist laut der Umfrage von Universum eine Fachkarriere, die sich 19 % der jungen Arbeitnehmern wünschen.

  • Autonom arbeiten

    Eigenständiges Arbeiten ist für 22 % der Befragten äußerst wichtig.

  • Unternehmerisch und kreativ arbeiten

    29 % der jungen Arbeitnehmer messen kreativer, unternehmerischer Arbeit einen hohen Stellenwert bei.

  • Personalverantwortung

    Verantwortung im Bereich der Human Resources ist 32 % der Befragten wichtig.

  • Intellektuelle Herausforderung

    Nach einer intellektuellen Herausforderung streben 49 % der jungen Arbeitnehmer.

  • Jobsicherheit

    Für mehr als die Hälfte der Befragten ist Sicherheit im Job eine der obersten Prioritäten. 52 % der jungen Arbeitnehmer legen Wert darauf.

  • Work-Life-Balance

    Die Ausgewogenheit von Freizeit und Arbeit steht mit 67 % an erster Stelle.

Gewerkschaftsstudien haben diese Thesen noch nie belegt. Stattdessen zeichnen Untersuchungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes eher ein Bild einer prekär beschäftigten Generation, die sich den Einstieg auf dem Arbeitsmarkt hart erkämpfen muss. Die vielfach nur Leiharbeit, Minijobs, unfreiwillig Teilzeit und befristete Verträge bekommt. Und die deshalb den Zeitpunkt für die Familiengründung immer weiter aufschiebt.

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So zeigt etwa eine Studie im Auftrag von IBM, dass für die Jungen finanzielle Sicherheit und Arbeitsplatzsicherheit die maßgeblichen Faktoren bei der Wahl des Arbeitgebers sind. Von einem Wunsch, super flexibel zu arbeiten, kann nicht die Rede sein.

Auch der DGB-Index Gute Arbeit für junge Beschäftigte zeigt, wie sehr sich die jungen Beschäftigten nach einem sicheren Job sehnen, in dem sie ein ausreichendes Einkommen erwirtschaften. 37 Prozent der unter 30-Jährigen haben ein atypisches Beschäftigungsverhältnis und gerade einmal 28 Prozent der unter 35-Jährigen verdienen in Deutschland mehr als 2.500 Euro brutto – das sind Gehälter, von denen man nicht annähernd eine Familie ernähren kann. Jeder Fünfte macht sich ständig Sorgen um seine berufliche Zukunft. Jeder Dritte schleppt sich aus Sorge um den Arbeitsplatz sogar krank zur Arbeit.

Der Survival-Guide für Berufseinsteiger

  • Welches Wissen im Leben wirklich zählt

    Nur neun Prozent der Arbeitgeber sagen, dass Schulen und Universitäten ohne Mängel arbeiten. Der Rest ist unzufrieden mit dem, was die jungen Auszubildenden wissen. Thilo Braun und Martin Laschkolnig haben einen Ratgeber für Karriere-Einsteiger herausgegeben („Die Bildungslücke“, Börsenmedien Verlag). Die Kernthesen in aller Kürze.

  • Selbstwertgefühl steigern

    Verdiene ich es, glücklich zu sein? Über 90 Prozent der Deutschen haben zum Teil ernsthafte Zweifel, diese Frage mit „ja“ zu beantworten. Viel zu oft fehlt es an Selbstwertgefühl – übrigens gerade bei den Menschen, die arrogant auftreten. Gelassene Typen balancieren Wert und Kompetenz aus.

  • Respekt und Anerkennung erringen

    Respekt verschaffen Sie sich nicht, indem Sie auf den Tisch hauen. Verwechseln Sie nicht Härte mit Stärke. Wer stark ist, muss nicht hart sein, und das verschafft Respekt. Und der kann nur auf Augenhöhe funktionieren. Denken Sie daran: Das Lateinische „respicere“ bedeutet „zurückblicken“.

  • Welche Persönlichkeitsmerkmale das Berufsleben fordert

    Der erste Schritt ist der Unterschied zwischen Sinn und Gehorsam. In der Schule muss man Dinge tun, im Berufsleben verändert sich das Paradigma der Disziplin im Idealfall hin zu Verantwortung. Man sollte wissen, was wann zu tun ist und einen klugen Umgang mit Energie, Tempo und Dynamik pflegen. Zudem zählt Teamfähigkeit viel mehr als in der Schule: Man kann nur gemeinsam ans Ziel kommen.

  • Zeitmanagement lernen

    Eines der wesentlichsten Dinge, die an Schulen unzureichend erlernt werden, ist Zeitmanagement und das optimale Setzen von Prioritäten. Entdecken Sie Ihre persönlichen Zeitfallen (schlechte Planung, falsche Ziele oder Prioritäten, ständige Störungen, Ablenkungen…). Und ziehen Sie regelmäßig Bilanz über Ihr Zeitmanagement.

  • Konflikte geschickt lösen

    Konflikte sind im Berufsalltag nicht zu vermeiden und der Umgang mit ihnen entscheidend für das Fortkommen im Betrieb und die Lebensqualität. Allerdings bereiten Pädagogen junge Leute nur unzureichend darauf vor, kein Wunder angesichts der Umstände. Lernen Sie, Mobbing schnell zu erkennen und gehen sie Problemen nicht aus dem Weg. Offenheit, Zuhören, Perspektivenwechsel und geschicktes Reden kann man lernen.

  • Charisma entwickeln

    Wissen ist die eine Dimension – doch damit allein wird niemand zur Führungsfigur. Charisma zu entwickeln gelingt einigen Schülern von selbst, aber jeder kann es entwickeln zum Beispiel bei der Beantwortung folgender Fragen: Sind Sie verbindlich in Ihrem Auftreten? Können Sie sich und andere begeistern? Ergreifen Sie die Initiative? Berücksichtigen Sie die Perspektiven anderer? Beherrschen Sie nonverbale Kommunikation? Sind Sie authentisch?

  • Die richtige Sprache

    Kommunikation ist das A und O. Überlegen Sie nicht, was Sie sagen wollen – sondern was bei Ihren Empfängern ankommen soll. Widmen Sie Überschriften und Betreffzeilen besonders viel Zeit. Überlegen Sie auch, was Sie beim Schreiben weglassen können. Verlieben Sie sich nicht in Formulierungen.

  • Die Initiative ergreifen

    Wenn man etwas von den US-Amerikanern lernen kann, dann das "Tellerwäscher-Denken". Dass sie die Initiative ergreifen in dem Glauben, alles schaffen zu können. Haben Sie Mut, entdecken Sie Ihre Antreiber und glauben Sie an sich!

  • Gesundheit bewahren und fördern

    Die Buchautoren weisen auch darauf hin, dass es Defizite gibt bei der Vorbereitung der jungen Menschen im Hinblick auf den Umgang mit ihrem Körper: Ernährung, Bewegung, Alkohol und Rauchen. In einem der Gastbeiträge geht es um diese Faktoren, die einer erfolgreichen Karriere sehr oft im Wege stehen.

Dabei ist es den meisten egal, ob ihr Arbeitsplatz sie mit Sinn erfüllt. Die Berufsanfänger möchten zwar wissen, warum sie eine Tätigkeit ausüben sollen – aber kündigen, nur weil sie auf ihrem Arbeitsplatz nicht unmittelbar zum Weltfrieden beitragen können, würden sie nicht, zeigt die IBM-Untersuchung. Viel wichtiger ist der jungen Generation, überhaupt erst einmal den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu finden.

Und auch wenn sich die meisten gute Arbeitsbedingungen wünschen, nehmen sie widrige Umstände zunächst in Kauf. Dreiviertel der jungen Beschäftigten leiden unter Stress am Arbeitsplatz, weil zu viel Arbeit in zu kurzer Zeit zu verrichten ist, Personal fehlt und die Anforderungen kaum zu bewältigen sind, zeigt der DGB-Index. Jeder Dritte schafft es kaum, in der Freizeit richtig abzuschalten.

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Auch dass die junge Generation sich keine klare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit wünscht, gehört ins Reich der Mythen. Laut DGB arbeiten zwei Drittel der unter 30-Jährigen zwar mehr als arbeitsvertraglich vereinbart, oft auch nach Feierabend, am Wochenende und im Urlaub – allerdings hat das selten den Grund, dass die Arbeit so viel Spaß macht. Auch hier ist die Sorge um die Verlängerung des Arbeitsvertrags ausschlaggebend.

Und dass sie ständig die Aufmerksamkeit des Chefs benötigten und immerzu Feedback haben möchten, ist außerdem nicht der Fall. In ihrem Bedürfnis nach Anerkennung unterscheiden sich die jungen Beschäftigten nicht von den Älteren. Tatsächlich aber kommt Lob bei vielen zu kurz. Jeder Dritte Unter-30-Jährige gibt an, entweder sehr selten oder nie Anerkennung vom Arbeitgeber erhalten zu haben.

Letztlich zeigt sich, dass die angeblich so fordernde Generation der jungen Beschäftigten die Arbeitswelt kaum verändert – sie passt sich vielmehr an.

Dieser Artikel ist zuerst auf Zeit Online erschienen.

Quelle:  Zeit Online
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