Geschlecht und Management: Powerfrauen gegen Businessfrauen

KommentarGeschlecht und Management: Powerfrauen gegen Businessfrauen

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Power- oder Businessfrauen? Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am 07.05.2013 Frauen in Führungspositionen zu einem Erfahrungsaustausch ins Kanzleramt eingeladen.

von Ferdinand Knauß

In den Wirtschaftsmedien werden erfolgreiche Frauen entweder als allzu männliche Businessfrauen oder als weibliche Powerfrauen stilisiert. Die Gender-Forscherin Andrea D. Bührmann findet das schlimm.

Die Nachricht, dass in England mehrere Verlage ihre Kinderbücher nicht mehr nach "Boys" und "Girls" sortieren wollen, dürfte Andrea D. Bührmann sehr erfreuen. Und die Einführung spezieller Mädchen-Überraschungseier in Deutschland gefällt ihr vermutlich gar nicht. Denn Bührmann, die Leiterin des Instituts für Diversitätsforschung an der Universität Göttingen, gehört zu jenen Sozialwissenschaftlern, die Unterschiede zwischen den Geschlechtern keineswegs für natürlich, sondern für gesellschaftliche Konstruktionen halten und daher "anders" stets in Anführungszeichen schreiben, wenn es um Frauen und Männer geht.

Bührmann hat nun in einer Studie die "mediale Darstellung von Frauen in Top-Führungspositionen" untersucht. Dazu hat sie biografische Porträts von Topmanagerinnen und -managern in 1105 Artikeln ausgewertet, die zwischen 2007 und 2012 in überregionalen Zeitungen und Zeitschriften erschienen. Die "WirtschaftsWoche" ist übrigens nicht darunter.

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Die "Stereotypen", die Bührmann dabei gefunden haben will, sind vor allem folgende:

Die porträtierten erfolgreichen Spitzenmanagerinnen oder Unternehmerinnen werden entweder dem eher männlich auftretenden Typ der „Businessfrau“ oder den eher weiblich agierenden „Powerfrauen“ zugeordnet. Als typische Businessfrau erscheine in den Medien beispielsweise Zvezdana Seeger, einst Arcandor-Vorstand, heute Topmanagerin bei DHL. Mit "Kurzhaarschnitt" und "rauer Stimmer" wird sie "kämpferisch" porträtiert. Solche Businessfrauen werden, so Bührmann, in den Medien "als (zu) männlich wahrgenommen, insofern sie als Frauen wie Männer entscheiden."

Dagegen stünde in den Medien, so Bührmann, der Typ der "Powerfrau", die weiblich führt und entscheidet. Solchen Frauen - Paradebeispiel Antonella Mei-Pochtler von Boston Consulting - attestieren die Medien im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen, dass sie eher am Wohl des Unternehmens interessiert, weniger risikofreudig und gierig sind. Oder, um Bührmann zu zitieren: "Sie folgen einem vermeintlichen fürsorgenden, mütterlichen Begehren und werden in den Debatten um ein Mehr an Frauen in Führungspositionen im Grunde als „andere“ Spielerinnen porträtiert: Sie entscheiden aus „anderen“ Motiven „anders“ und sind deshalb auch im Grunde „anders“."

Bührmann macht überdeutlich, dass sie von dieser "Powerfrauen"-Stilisierung ganz und gar nichts hält - auch wenn sie der Propagierung eines höheren Frauenanteils in den Top-Managements dient. Für Bührmann steckt hinter der Festlegung dieser Frauen auf ein "angeblich natürliches Verhalten" nämlich eine üble Absicht: "Dabei werden soziale Konstruktionen benutzt, um bestimmte Frauen – nämlich Powerfrauen – als „natürlich“ weibliche Frauen aufzuwerten, und andere – nämlich die Businessfrauen – als „zu“ männlich abzuwerten."

Was lernt man nun daraus?

Zunächst einmal sollte man die Studie vom Gender-ideologischen Ballast befreien. Die Unterstellung der Autorin, dass alle Geschlechterunterschiede grundsätzlich auf einer sozialen Konstruktion beruhen, ist nicht gesicherte Erkenntnis, sondern ein Glaubenssatz der so genannten Gender Studies. Auf die Frage, ob stereotype Rollenmuster angeboren oder anerzogen sind, eine eindeutige Entweder-Oder-Antwort zu geben, wie Bürhmann und Konsorten das tun, ist vermessen. Jeder, der kleine Kinder hat, wird wissen, dass es gar nicht so einfach möglich ist, ihnen bestimmte männliche oder weibliche Spielzeuge anzudrehen.

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Davon abgesehen macht der Aufsatz von Bührmann deutlich, dass tatsächlich ein Riss durch die Frauenbewegung geht. Und dass dieser Riss von Bedeutung ist für die Debatte über Frauenquoten in Unternehmen oder anderen gesellschaftlichen Bereichen. Auf der einen Seite stehen die Vertreterinnen der reinen Gender-Lehre, die wie Bührmann in jeglichem Geschlechtsunterschied eine soziale Konstruktion sehen, die es zu entlarven gilt, um letztendlich zu zeigen, dass es keinen noch so "kleinen Unterschied" gibt. Dieser reinen Lehre, die wegen ihrer Wirklichkeitsfremdheit außerhalb der Institute und innerhalb der Unternehmen kaum jemanden wirklich überzeugen kann, steht die gemäßigte - von Bührmann "bürgerlich" genannte - Fraktion gegenüber, die - wie in Bührmanns Studie gezeigt - unter Journalisten sehr viel stärker vertreten ist: Jene also, die davon ausgehen, dass Frauen "natürlich" anders als Männer sind. Meist impliziert diese Sichtweise allerdings, dass Frauen die graue Businesswelt nicht nur "bunter" machen, sondern zumindest moralisch auch besser als die geld- und machtgierigen Männer sind.

Mit einem aufgeklärten und unaufgeregten, freiheitlichen Bild von Männern und Frauen, haben beide Fraktionen nicht viel am Hut.

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