Geschlechterunterschiede: Frauenherzen leiden stärker unter Stress

Geschlechterunterschiede: Frauenherzen leiden stärker unter Stress

von Ferdinand Knauß

Nicht nur emotional reagieren Frauen anders auf belastende Situationen. Ihr Herz spielt nicht so gut mit, wie das von Männern. Wenn das Frau Schwesig erfährt!

Dass Stress das Herz angreift – und zwar keinesfalls nur im metaphorischen Sinne – ist wissenschaftlich seit Jahrzehnten erwiesen. Kein so alter Hut und wohl nicht nur medizinisch brisant sind aber die Geschlechterunterschiede bei der Stressbewältigung, die aus medizinischen Untersuchungen immer deutlicher werden.

Frauen reagieren nicht nur emotionaler auf Stressbelastung als Männer, auch ihre Herzen können - zumindest, falls sie ohnehin schon krank sind - ihn auch weniger gut verkraften als die von herzkranken Männern. Das haben Forscher von der amerikanischen Duke Universität jetzt festgestellt – wie bestellt zum heute stattgefundenen Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit rund 100 weiblichen Führungskräften im Kanzleramt.

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„Wenn wir unter Stress stehen, wehren wir uns normalerweise oder laufen davon“, sagt Studienautor Wie Jang, Professor für Medizin, Psychiatrie und Verhaltenswissenschaft an der Duke Universität. „Und um das zu tun, müssen wir mehr Blut durch den Körper pumpen. Doch wie unsere Daten zeigen, reagieren Frauen in dieser Weise nicht so gut wie Männer.“

Geschlechterunterschiede Gestresste Frauen bleiben einfühlsam

Frauen denken sich auch unter Stress besser in andere Menschen hinein als Männer. Die denken tendenziell eher an sich selbst, wenn es anstrengend wird. Das zeigt eine Untersuchung von Wiener Psychologen.

Unersetzlich und empathisch: Sachsen-Anhalts Justiz- und Gleichstellungsministerin Angela Kolb (SPD) und der Leiter der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit Sachsen-Anhalt-Thüringen, Kay Senius, unterschreiben am 06.03.2013 nach einer Pressekonferenz über die Lage der Frauen auf dem Arbeitsmarkt in Halle/Saale auf einem Plakat. Quelle: dpa

Wie sind Jang und seine Kollegen zu diesem provokanten Ergebnis gekommen? Sie untersuchten Daten einer früheren Studie an 254 Männern und 56 Frauen, die an ischämischen Herzkrankheiten litten, also zum Beispiel einen Herzinfarkt erlitten hatten. Die Teilnehmer hatten für die Studie Aufgaben zu erfüllen, die Stress verursachten. Zum Beispiel sollten sie über Ereignisse berichten, die sie wütend machten, während ihre Herz- und andere vitale Körperfunktionen gemessen und ihre Emotionen beobachtet wurden.

Sowohl die äußeren emotionalen Reaktionen als auch die inneren Körperreaktionen unterschieden sich deutlich nach den Geschlechtern. Männer zeigten bei Stress geringere Veränderungen ihrer Emotionen. Frauen reagierten eher durch negative Emotionen und eine Abnahme positiver Gefühle. Bei Männern dagegen stieg der Blutdruck deutlicher an.

Stress ist für Frauen gefährlicher

Stress ist offenbar für herzkranke Frauen noch gefährlicher als für herzkranke Männer: Unter Stress zeigten 57 Prozent der Frauen, aber nur 41 Prozent der Männer einen verminderten Blutzufluss zum Herzen. Dieses „Ischämie“ genannte Phänomen ist ein entscheidender Teil von Durchblutungskrankheiten – und kann im Endeffekt oft tödlich sein. Auch die Tendenz von Blutplättchen zur Verklumpung – ein anderes Herzinfarktrisiko – war bei gestressten Frauen größer als bei Männern.

Was bei der Arbeit stresst

  • Verantwortung

    Was sorgt im Büro für Stress? Der Personaldienstleister Robert Half hat im höheren Management nach den wichtigsten Gründen gefragt. Dabei gaben 18 Prozent der Befragten zu viel Verantwortung oder ständiges an die-Arbeit-denken auch in der Freizeit als Grund für Stress bei der Arbeit an. Nur in Tschechien können die Beschäftigten außerhalb des Arbeitsplatzes schwerer abschalten - dort gaben 28 Prozent an, dauernd an die Arbeit denken zu müssen. Auf der anderen Seite der Skala ist Luxemburg: nur fünf Prozent haben dort dieses Problem.

  • Nur wenige Menschen arbeiten stressfrei

    Keinen Stress haben dagegen nur sieben Prozent der deutschen Befragten. Genauso niedrig ist der Anteil derer, die ihren aktuellen Job nicht mögen.

  • Druck von oben

    Unangemessener Druck vom Chef nannten 27 Prozent der Befragten hierzulande als Stressgrund. In Brasilien sind es dagegen 44 Prozent.

  • Chefqualitäten

    Wenn der Chef sich eher um sein Handicap kümmert, statt ordentlich zu führen: 28 Prozent der Befragten sind mit der Managementfähigkeit des Chefs unglücklich. Das Unvermögen des führenden Managers, das zu Stress führt, scheint in Luxemburg relativ unbekannt zu sein - nur 11 Prozent der Befragten sind dort mit den Befragten unglücklich, in Dubai sind es gar neun Prozent.

  • Büroklatsch

    Dass unangenehme Kollegen oder fieser Büroklatsch zu Stress führen kann, ist allgemein bekannt. Dementsprechend führen auch 31 Prozent der Befragten das als Stressgrund an - der Anteil derer, die das ähnlich sehen, liegen in allen anderen Ländern fast gleich hoch - außer in Brasilien: 60 Prozent der Befragten geben unangenehme Kollegen und fiesen Büroklatsch als Stressgrund an.

  • Unterbesetzung

    Ein weitere Stressgrund: personelle Unterbesetzung. 41 Prozent der Befragten sehen das als wichtigen Grund für Stress bei der Arbeit an - ein Wert, der fast in allen Ländern ähnlich ist.

  • Arbeitsbelastung

    Doch am problematischsten, laut der Studie: die hohe Arbeitsbelastung. 51 Prozent der Befragten gaben dies als Stressgrund an. Deutschland liegt damit im Schnitt, auch in den anderen elf Ländern ist ein ähnlich hoher Anteil der gleichen Meinung.

Diese Erkenntnisse, die zu ähnlichen aus vorangegangenen Studien passen, werden Medizin- und Pharma-Forschung darin bestärken, die Bekämpfung von Herzkrankheiten noch stärker am Geschlecht auszurichten. Herzkranke Männer brauchen ganz offensichtlich eine andere Therapie und Medikation als herzkranke Frauen.

Und die politisch-gesellschaftlichen Implikationen? Nun, man könnte auf die naheliegende Idee kommen, dass die Überrepräsentanz von Männern in jenen gesellschaftlichen Bereichen, die besonders stark von Stress geprägt sind, möglicherweise nicht nur mit kulturellen, historisch überkommenen Prägungen, sondern mit biologischen Voraussetzungen zu tun hat. Dass mit anderen Worten das biologische Geschlecht („sex“) und das gesellschaftlich konstruierte ("Gender") eben doch nicht so klar zu trennen sind, wie das Kultur- und Sozialwissenschaftler behaupten.

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Und man könnte auf die Idee kommen, dass die offensichtlichen Schwierigkeiten, die Stresspositionen mit politischen Maßnahmen – Gender Mainstreaming genannt - umzuverteilen, nicht nur da zu suchen sind, wo Gleichstellungsministerin Manuela Schwesig und ihre MitstreiterInnen sie zu bekämpfen pflegen: nämlich in der Renitenz angeblicher Männerbünde und deren reaktionären Interessen.

Sondern nicht zuletzt in den Blutpumpen der Männer und Frauen. Und die lassen sich im Gegensatz zu metaphorischen Herzen wohl medizinisch, aber nicht politisch behandeln.

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