Gesetz zur Frauenquote: Frauen wird der Wille zur Macht abtrainiert

Gesetz zur Frauenquote: Frauen wird der Wille zur Macht abtrainiert

von Kerstin Dämon

Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht hält nicht viel von der Frauenquote. Dabei bräuchten wir die Quote gar nicht - wenn wir endlich aufhören, Mädchen beizubringen, dass sie lieb sein müssen.

Daimlers Betriebsratschef Michael Brecht fordert in einem Brief an Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, das geplante Gesetz zur Frauenquote in Aufsichtsräten zu überarbeiten. In der konkreten Ausgestaltung der Regelung sehe er "erhebliche Probleme", heißt es in einem Schreiben. "Sie ist aus unserer Sicht in ihrer Wirkung nicht durchdacht."

Dabei scheint der Abwärtstrend zumindest vorerst gestoppt, meldet das DIW Berlin. Nachdem der Frauenanteil in den Vorständen der DAX-30-Unternehmen seit Ende 2012 durchgehend von 7,8 Prozent auf 5,5 Prozent im Juli dieses Jahres gesunken war, liege er nun bei sieben Prozent. Immerhin drei Vorständinnen seien in den vergangenen Monaten berufen worden. "Es besteht Hoffnung, dass die Talsohle beim Frauenanteil in den Vorständen der DAX-30-Unternehmen durchschritten ist", sagt Elke Holst, Forschungsdirektorin für Gender Studies am DIW Berlin. "Ob die Entwicklung nachhaltig ist, muss sich allerdings erst noch zeigen."

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So kann man es natürlich auch ausdrücken. Denn das Problem ist: Woher sollen die vielen Frauen kommen? Gerade in typischen Männerbranchen sind Frauen Mangelware, das fängt schon im Studium an. Die Anteile von Frauen bei Ingenieursberufen steigen seit Jahren nur sehr langsam.

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Kathrin Menges, 48, ist seit Oktober 2011 Personalvorstand bei Henkel. Quelle: Presse

Aus einem Bericht der Agentur für Arbeit aus diesem Jahr geht hervor, dass etwa 7,3 Millionen Fachleute im Bereich der MINT-Berufe beschäftigt sind. 14 Prozent von ihnen sind Frauen, macht 1,02 Millionen. Und diese 14 Prozent sollen jetzt 30 Prozent der Aufsichtsräte stellen.

"Es wäre kein Dienst an der Mitbestimmung, wenn aufgrund der pauschalen 30-Prozent-Quote Frauen in den Aufsichtsrat einziehen würden, die diesen Rückhalt in der Belegschaft nicht haben", schreibt Brecht dementsprechend. Denn auch bei Daimler beträgt der Frauenanteil an der Belegschaft derzeit nur 20 Prozent.

Autos sind eben irgendwie doch ein Thema für Jungs. Brecht hat auch schon einen Vorschlag, wie man da Abhilfe schaffen könnte: "Wir müssen Frauenförderung da betreiben, wo sie wirklich ankommt." Deshalb schlägt er vor, mehr Frauen für gewerblich-technische Berufe zu begeistern.

Nur ist es dann schon zu spät. Bis dahin hat die potenzielle Führungsfrau nämlich 16 bis 20 Jahre lang gelernt, wie wichtig Harmonie, ein angepasstes Verhalten und fleißiges Arbeiten sind. "Das geht schon im Kindergarten los: Während es bei Kai heißt, er sei aufgeweckt und führt die Gruppe an, heißt es bei Lisa beim gleichen Verhalten oft, sie sei verhaltensauffällig", sagt Angelika Huber-Straßer, Bereichsvorstand Corporates bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. "Mädchen sollen immer nett und brav sein, Jungen wollen immer der Anführer sein. Und an der Erwartung ändert sich auch später nichts: Männer müssen normalerweise erfolgreich sein, von Frauen wird es in der Regel nicht erwartet."

Hinterfragen Sie sihc selbst: Stimmen diese Klischees über Frauen und Männer im Job?

  • Reden oder Rangeln

    Studien zeigen: Schon kleine Mädchen bevorzugen flache Hierarchien – keiner soll sein Gesicht verlieren. Chefinnen-Gehabe wird abgestraft. Jungs aber testen schon früh Hierarchien – und bleiben im Job dabei: Arbeit ist Wettkampf, Karriere heißt Konkurrenten killen.

  • Inhalte oder Machtrituale

    Viele Frauen lehnen Machtgerangel ab, streiten lieber um der Sache willen. Männer kämpfen oft nicht um Inhalte, sondern um die Deutungshoheit.

  • Feuerwehr oder Sicherheit

    Frauen landen oft entweder auf unwichtigen oder sehr wackeligen Stühlen, auf denen die Gefahr des Scheiterns besonders groß ist. Nicht, weil sie besonders gute Krisenmanager wären – sondern weil Männer Frauen eher ranlassen, wenn der Karren tief im Dreck steckt.

  • Zittern oder breite Brust

    Auch unfähige Männer treten oft mit breiter Brust auf. Fähige Frauen machen sich oft klein, nehmen Dinge persönlich, haben Angst vor zu viel Verantwortung.

Wer 50 Prozent der Bevölkerung zu niedlichen Prinzessinnen erzieht, braucht sich nicht wundern, wenn die als Erwachsene keine Lust haben, die Ärmel hochzukrempeln und Motoren zu bauen oder Physik zu studieren. Anders formuliert: Es liegt nicht daran, dass Frauen die Durchsetzungskraft, die Energie oder der Intellekt fehlt, um sich in MINT-Fächern durchzusetzen oder einen Konzern zu lenken. "Vielen Frauen fehlt nicht der Biss, ihnen wird im Laufe ihres Lebens die Lust zur Macht abtrainiert", sagt Huber-Straßer.

Schon alleine der Begriff Macht im Zusammenhang mit Frauen sei negativ besetzt, ebenso wie der Begriff Karrierefrau. Immerhin hat sich auf dem normalen Arbeitsmarkt vieles getan. Eine Frau kann völlig problemlos Ärztin, Polizistin, Anwältin oder Professorin werden - nur eben nicht Chefin eines Dax-Konzerns.

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"Im normalen Berufsleben und mittlerem Management haben Frauen viel erreicht, aber bei den Top-Positionen im Vorstand hat sich kaum etwas verändert", sagt auch Huber-Straßer. Da sei die gläserne Decke immer noch da - dem tradierten Rollenverständnis
sei Dank.

"Wenn man mit Frauen spricht, die Karriere gemacht haben, heißt es ganz oft, dass sich diese Kultur erst ändern wird, wenn in den Führungsetagen eine kritische Masse erreicht ist", so Huber-Straßer. Insofern kann die Frauenquote vielleicht doch ganz hilfreich sein.

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