Glosse: Schaffnerin Gnadenlos bei der Deutschen Bahn

Glosse: Schaffnerin Gnadenlos bei der Deutschen Bahn

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Bei der schwarzfahrenden Schulklasse sah eine Schaffnerin rot, und verwies die Schüler samt Lehrerin des Zuges. Die weiblichen Angestellten nehmen es mit ihren Kontrollaufgaben sehr genau

von Christopher Schwarz

Eine Schulklasse aus dem Zug werfen, weil die Lehrerin das Ticket vergessen hat. So etwas bringen nur die stahlharten Schaffnerinnen der Deutschen Bahn fertig, wie eine ganz persönliche Langzeitbeobachtung zeigt.

Eisern an den Buchstaben des Regulariums hielt sich jene Schaffnerin, mit der vor einigen Tagen eine Lehrerin und ihre 20-köpfige Klasse auf der Zugfahrt zwischen Herford und Bad Oeynhausen Bekanntschaft gemacht hat. Als sich bei der Fahrkartenkontrolle herausstellte, dass die Lehrerin vergessen hatte, das Gruppenticket der Siebtklässler zu entwerten, stellte die Schaffnerin die Fahrgäste vor die Alternative, entweder 40 Euro Strafe pro „Schwarzfahrer“ zu zahlen oder bei der nächsten Haltestelle den Zug zu verlassen.

Da half es nichts, dass die Lehrerin auf ihre Schusseligkeit verwies, für die man ihre Schüler nicht haftbar machen könne – bei der nächsten Station, in Loehne, musste die 7e aussteigen und mit dem Bus zur Schule zurückfahren. Nach Auskunft von „Spiegel online“ sagte ein Sprecher der Bahn zu dem Vorfall, die Schaffnerin habe zwar formal korrekt, aber „ohne Augenmaß“ gehandelt. Man müsse, sollte sich der Hergang bestätigen, „mit der Kollegin mal über das Thema ‚Umgang mit Kunden‘ sprechen“.

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Womöglich wäre die Sache für die Klasse folgenlos geblieben, wenn sie es mit einem Schaffner statt einer Schaffnerin zu tun gehabt hätte. Eine gewiss nicht repräsentative private Langzeitbeobachtung zeigt nämlich, dass sich weibliche und männliche Zugbegleiter in ihrem Kontrollverhalten signifikant unterscheiden: In den mehr als zehn Jahren, die der Autor dieser Zeilen, Inhaber einer Bahn-Card 50, regelmäßig mit der Bahn fährt, sind ihm immer wieder Schaffner begegnet, schätzungsweise 20 Prozent, denen der Blick auf die Fahrkarte aus dem Automaten genügte, aber noch nie eine Schaffnerin, die auf die Kontrolle der Bahn-Card verzichtet hätte. Noch nie.

Was uns das sagt? Dass Bahn-Männer es offensichtlich nicht so genau nehmen und Bahn-Frauen 150-prozentig ihren Dienst erfüllen, Lässigkeitsfaktor gleich Null. In Gestalt der „gnadenlosen Schaffnerin“, die kein Pardon kennt, auch nicht gegenüber Minderjährigen, hat dieser Hang zur Akkuratesse sein hässliches Gesicht gefunden, seine zum Klischee geronnene Karikatur. Sind Frauen also doch nicht die besseren Menschen? Neulich ist im Zuge der Quotendiskussion gefordert worden, mehr weibliche Führungskräfte in den Vorstand der Bahn zu berufen. Die Forderung klänge sympathischer, wenn endlich einmal eine superlässige Schaffnerin daherkäme, die nach der Fahrkartenkontrolle nicht den unvermeidlichen Satz nach Vorschrift sprechen würde: "…und die Bahn-Card bitte."

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