Goldman Sachs: Unfreiwillig am Mythos gestrickt

Goldman Sachs: Unfreiwillig am Mythos gestrickt

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Der Chef von Goldman Sachs, Lloyd C. Blankfein, kann sich als glücklich am Pranger schätzen.

von Daniel Rettig und Cornelius Welp

Der Abschiedsbrief eines Managers könnte dem Mythos der Investmentbank Goldman Sachs weiter mehren. Als Arbeitgeber hat das Geldhaus wohlmöglich schon dazu gewonnen.

Der 14. März war ein Wendepunkt im Leben von Greg Smith. Bis dahin war er ein unbekannter Investmentbanker, seitdem ist er ein berühmter Arbeitsloser. Der Grund: Smith kündigte nicht nur bei Goldman Sachs, der mächtigsten Investmentbank der Welt, sondern veröffentlichte seine Motive in einem Artikel in der „New York Times“. Kein schlechtes Medium, um sich beruflich neu zu orientieren.

„Warum ich Goldman Sachs verlasse“. Die Überschrift des Artikels ist betont unspektakulär, was sich vom Rest des Textes nicht behaupten lässt. Smith rechnet darin mit der Bank und ihrem Chef Lloyd Blankfein ab. Nicht mit Schaum vor dem Mund, sondern der sprichwörtlichen Träne im Auge.

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Zwölf Jahre habe Smith bei Goldman verbracht und unter anderem zwei der weltgrößten Hedgefonds beraten. Die verwaltete Summe seiner Kunden: umgerechnet etwa 800 Milliarden Euro. Immer sei er stolz auf seinen Arbeitgeber gewesen, doch damit sei es nun vorbei: „Ich kann nicht mehr mit gutem Gewissen sagen, dass ich mich mit Goldman identifiziere.“

Goldman Sachs: eine „gigantische Vampirkrake“

Ob Smith nur sein schlechtes Gewissen zum Schritt an die Öffentlichkeit trieb? Unklar. In Finanzkreisen heißt es, dass er seine Position in der Bank zumindest übertrieben habe. Außerdem habe er vergeblich auf eine Beförderung gehofft. Doch das bedeutet noch lange nicht, dass die Vorwürfe falsch sind. Im Gegenteil.

Seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 wurde vor allem über Goldmans zweifelhafte Geschäftspraktiken diskutiert. 2009 nannte das US-Magazin „Rolling Stone“ die Bank eine „gigantische Vampirkrake“, die ihre Tentakel nach allem ausstrecke, was entfernt nach Geld rieche. Im Frühjahr 2010 waren es eigene Angestellte, die Goldman Sachs ins Zwielicht rückten. Die US-Börsenaufsicht SEC verklagte die Bank, weil sie bei Geschäften mit komplexen Kreditpapieren angeblich Kunden hintergangen hatte. Dabei veröffentlichte die SEC interne E-Mails des Goldman-Mitarbeiters Fabrice Tourre. In einer bejubelte der „fabelhafte Fab“, wie er sich selbst nannte, einen eher fragwürdigen Geschäftsabschluss. Er habe Produkte „an Witwen und Waisen“ verkauft, die er „am Flughafen getroffen“ habe.

So abenteuerlich diese Enthüllungen sein mögen – geschadet haben sie Goldman keineswegs. Die Bank hat seit 2007 weder Kunden verloren noch Boden gegenüber Konkurrenten. Manchmal, so heißt es bei denen, würden Aufträge schlicht aus Angst an die Bank vergeben – weil man Goldman „nicht gegen sich haben will“. Und auch der Artikel von Ex-Manager Smith wird dem Image der Vampirkrake langfristig keineswegs schaden. Im Gegenteil: Er strickt unfreiwillig am Mythos.

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