Hilfe oder Hokuspokus?: Burnout - Was die Therapien bringen

Hilfe oder Hokuspokus?: Burnout - Was die Therapien bringen

von Felix Ehrenfried

Das Angebot an Behandlungen von Menschen mit Burnout-Erkrankungen ist überwältigend, im Internet buhlen Fachkliniken, Coaches und Wellnessgurus um die Gunst von Betroffenen. Doch was hilft wirklich bei dem Weg aus der Erkrankung?

Als der deutsch-amerikanische Psychoanalytiker Herbert Freudenberger 1974 in einem Aufsatz für das Journal of Social Issues erstmals den Begriff des „Ausgebrannt seins“  verwendete, ahnte er vermutlich nicht, welch eine Bedeutung das Burnout rund 40 Jahre später in der westlichen Arbeitswelt erlangen sollte. Damals erkannte Freudenberger einen Zustand geistiger und körperlicher Erschöpfung bei Sozialarbeitern. Heute hat sich das Burnout Syndrom auf unterschiedlichste Berufsfelder ausgeweitet. Als sich Nationaltorwart Robert Enke Ende 2009 aufgrund von schweren Depressionen vor einen Zug warf, wuchs die Sensibilität für das Syndrom und dessen Anzeichen. Ebenso nahmen sich Ex-Swisscomchef Carsten Schloter und Rathiopharm-Gründer Adolph Merckle das Leben. Beide litten vermutlich unter schweren Depressionen, die vermutlich nicht erkannt oder nicht ausreichend behandelt wurden.

Burnout

  • Persönlichkeitsstruktur

    Peter Michael Roth ist seit August 2012 Chefarzt der Oberbergklinik in Wendisch Rietz. Der Psychiater weiß, dass Burnout-Patienten wie Sättele häufig eine ähnliche Persönlichkeitsstruktur haben.

  • Betroffene

    Betroffen sind selten die faulen oder untätigen Mitarbeiter, sondern meist die besonders Engagierten, Perfektionisten oder solche, die sich für unersetzbar halten. „Wenn hohe Leistung in der Kindheit eine große Rolle gespielt hat, trifft es solche Menschen im Berufsleben zuerst“, sagt Roth. Denn sie muten sich häufig zu viel zu.

  • Krankschreibungen 2012

    Im vergangenen Jahr ließen sich in Deutschland so viele Arbeitnehmer aufgrund psychischer Leiden krankschreiben wie noch nie. Wie die Deutsche Angestellten-Krankenkasse bekannt gab, fehlte 2012 wegen psychischer Beschwerden jeder 22. Arbeitnehmer – mehr als doppelt so viele wie 1997.

  • Sensiblere Ärzte

    43 Prozent der Erwerbstätigen glauben, dass der berufliche Stress in den vergangenen zwei Jahren gestiegen ist. Das heißt aber nicht, dass heute mehr Menschen psychische Störungen haben. Vielmehr sind Ärzte und Patienten mittlerweile sensibler. Das ist auch gut so, findet Psychiater Roth: „Lieber ein Patient mehr, der sich fälschlicherweise für depressiv hält, als ein Depressiver, der sich keine Hilfe holt.“

Burnout hat sich zu einem Massenphänomen entwickelt, nach Expertenschätzungen leiden bis zu neun Millionen Deutschen unter Überanstrengung und dem Gefühl, nichts mehr bewältigen zu können. Dabei liegt die Dunkelziffer vermutlich bedeutend höher, denn das Burnout ist kein offizielles Krankheitsbild, dementsprechend schwer fallen eine eindeutige Diagnose und eine entsprechende Behandlung. Die Syndrome können von unruhigem Schlaf bis zum Tinnitus oder Abmagerung reichen. „Wenn ich merke, dass ich mich untypisch verhalte und nicht mehr abschalten kann, könnte das schon ein erstes Anzeichen für eine Stressfolgeerkrankung sein“, erklärt Mazda Adli, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Chefarzt an der Fliedner Klinik Berlin.

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Dass immer mehr Deutsche Burnout-Erscheinungen wie Depressionen oder Angstzuständen leiden, führt zu einem wachsenden Angebot an Therapiemöglichkeiten, die einen schnellen Weg aus der Krise, hin zur alten Leistungsfähigkeit und Lebensfreude, versprechen. Tippt man bei Google „Burnout Behandlung“ ein, listet die Suchmaschine hunderte von möglichen Therapiemöglichkeiten auf. Von dem einwöchigen Intensivworkshop, über zertifizierte Wingwave-Therapien bis hin zu Coaches, die dank jahrzehntelanger Erfahrung angeblich schnell aus der Lebenskrise helfen können, reicht das Angebot für den ausgebrannten Arbeitnehmer.

Alexander Sättele Burnout und Depression - wenn der Job einen fast umbringt

Erst war der Berliner Rechtsanwalt Alexander Sättele ausgebrannt, dann depressiv – schließlich ließ er sich einweisen. Im Gespräch mit der WirtschaftsWoche erzählt er, was andere über Burnout nicht zu sagen wagen.

Quelle: Götz Schleser für WirtschaftsWoche

Doch wie erkennt der Betroffene, welches das richtige Angebot für ihn ist? „Um es ganz einfach zu sagen: Wer keinen akademischen Titel hat, dem würde ich mich mit meiner psychischen Krankheit nicht anvertrauen“, erklärt Sebastian Bartoschek. Bartoschek ist diplomierter Psychologe und Journalist und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Burnout. Dass man sich als Betroffener auf einen staatlich zertifizierten Fachmann verlassen sollte, hat für Bartoschek einen einfachen Grund: „Diese Menschen lernen in der Ausbildung einfach über viele Jahre die Symptome eines Burnout zu erkennen und wie sich diese richtig behandeln lassen.“ 

Ganz ähnlich sieht das Psychotherapeut Adli: „Es mag zwar sein, dass Wellnessgurus und dergleichen helfen können, jedoch sollte man zu allererst auf ärztliche Hilfe vertrauen.“ Heißt im Klartext: Wer sich ausgelaugt fühlt, sollte als erstes den Hausarzt aufsuchen. Dieser organisiert nach eingehender Untersuchung und Besprechung die weitere Behandlung oder verweist den Patienten auf Fachleute, zumeist Psychotherapeuten.“ Denn auch wenn das Angebot an alternativen Behandlungsmethoden groß ist, rät Adli stets zu dem Kontakt zu Fachärzten.

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