Immer mehr Freiberufler: Raus aus dem Hamsterkäfig

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Immer mehr Freiberufler: Raus aus dem Hamsterkäfig

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Viele Festangestellte träumen von Freiheit und Unabhängigkeit im Beruf. Der Schritt zum Freiberufler birgt zwar Gefahren kann sich aber lohnen

von Daniel Rettig

Viele hoch Qualifizierte machen sich heute lieber selbstständig, anstatt sich an einen Arbeitgeber zu binden – nicht aus Not, sondern aus ökonomischem und sozialem Kalkül. Wird die Festanstellung zum Auslaufmodell?

Der Kölner Unternehmensberater Marc Peters sitzt am Wohnzimmertisch und blickt konzentriert auf den Bildschirm seines Laptops. Plötzlich dreht er sich um und lächelt. Ein kleiner Junge mit blonden, langen Locken läuft auf ihn zu, springt in Peters’ Arm, quiekt vergnügt und setzt sich auf seinen Schoß. Beide gucken zusammen auf den Laptop. „Zu Hause arbeiten mal 23 Projekt-Anfragen“, rechnet eine sonore Stimme aus dem Hintergrund vor, „ist gleich Tim aufwachsen sehen.“ So beginnt ein TV-Spot, mit dem das soziale Netzwerk Xing seit einigen Wochen zur besten Sendezeit bei RTL, Sat.1 und ProSieben wirbt. Wohlgemerkt: Marc Peters ist eine fiktive Figur, die sich die Hamburger Agentur Pushh für den Spot ausgedacht hat. Es gibt in Köln kein Unternehmen namens Ludwig&Friends GmbH, das auf dem Xing-Profil von Peters auftaucht.

Den gesellschaftlichen Nerv getroffen

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Doch wahr ist eben auch: Es gibt sehr wohl immer mehr Menschen wie Marc Peters und immer mehr Unternehmen wie Ludwig&Friends.

Deutschlands größtes Karrierenetzwerk hat inzwischen mehr als sieben Millionen Mitglieder im deutschsprachigen Raum. Mit dem Spot wirbt Xing also nicht nur platt in eigener Sache, sondern trifft mit seinem Zehnsekünder auch einen gesellschaftlichen Nerv. Im Vordergrund der Spots stehe „nicht die rein ökonomische Optimierung der Karriere“, sagt Xing-Marketingmanagerin Claudia Peters, sondern „der Mensch und seine jeweilige Lebenswirklichkeit“.

Zugegeben, der Spot mag den Alltag eines Freiberuflers übertrieben idealisieren. Kaum ein Selbstständiger sitzt immer entspannt im Wohnzimmer und wartet auf Aufträge – jederzeit bereit, die Arbeit zu unterbrechen, um mit seinen Kindern zu knuddeln. Der Schritt in die Unabhängigkeit ist auch finanziell herausfordernd.

Musterrechnung Erst rechnen, dann handeln

Einnahmen und Ausgaben eines Freiberuflers und eines Angestellten im Vergleich.

Euro-Banknoten stecken in einer Geldbörse Quelle: dapd

Aber welcher Angestellte hat sich nicht schon mal dabei ertappt, wie er die Annehmlichkeiten der Freiberuflichkeit gedanklich durchspielte – und sich dieselben Fragen stellte.

Immer mehr Freiberufler

Wäre es nicht schön, morgens ohne Eile den ersten Kaffee zu genießen, statt mit Blick auf die Uhr zum Bus zu hetzen? Schon konzentriert am Schreibtisch zu sitzen, statt im Stau zu stehen oder den immer gleichen Privatgesprächen miesgelaunter Mitpendler in überheizten, schlecht gelüfteten und überfüllten Zügen ausgesetzt zu sein? Nicht mehr unter den Launen des Chefs zu leiden, nicht mehr mit anstrengenden Kollegen herumzustreiten? Keine Zeit mehr in langatmigen Besprechungen zu verdaddeln? Und sich stattdessen in Ruhe dem selbst gewählten Projekt zu widmen? Sprich: frei zu sein? Mit allen Risiken, aber auch allen Chancen?

Zahl der Selbstständigen in Deutschland

Zahl der Selbstständigen in Deutschland

Die Zahl der Menschen, die aus solchen hypothetischen Fragen tatsächliche Konsequenzen ziehen, ist größer denn je: Noch nie gab es so viele Freiberufler in Deutschland, bestätigte im August ein Bericht der Bundesregierung. Im Jahr 2003 waren 783 000 Menschen selbstständig, 2013 waren es bereits 1,23 Millionen (siehe Grafik).

Mehr als 90 Prozent der Kunden seien aus Überzeugung selbstständig, nicht aus der Not heraus, sagt Michael Moser, Geschäftsführer des Personalportals Gulp. Das Münchner Unternehmen vermittelt Ingenieure und IT-Experten an Konzerne. 2012 wickelte es Aufträge im Volumen von 186 Millionen Euro ab. Und es deutet viel darauf hin, dass die Zahl dieser Überzeugungstäter in den kommenden Jahren weiter steigen wird.

Die viel zitierte Generation Y hat keine Lust mehr, Nächte im Büro zu verbringen. Universitäten und Fachhochschulen spülen weiter Absolventen auf den Arbeitsmarkt. Da erscheint die Selbstständigkeit als reizvolle Alternative. Nicht nur Manager denken deshalb aktuell darüber nach, es als Einzelkämpfer zu versuchen. Auch viele Absolventen stehen vor der Wahl: Arbeitslosengeld oder Gründungszuschuss? Aufgeben oder Loslegen? Kein Plan oder Businessplan?

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11 Kommentare zu Immer mehr Freiberufler: Raus aus dem Hamsterkäfig

  • Mit etwas Menschenkenntnis in Verbindung mit dem Autorenprofil ist zu erkennen, daß sich hier jemand seine eigene Situation schönschreibt. Es ist ein Ammenmärchen, daß die Menschen in der Selbstständigkeit ihr Glück suchen.

    Wenn noch irgend etwas im Journalismus Zukunft hat, dann muß es glaubwürdig und unpolitisch sein. Oberlehrerhaftes oder Rotgrünlinkes, was 75 % der Presse liefert, ist völlig ohne Zukunft, weil dafür bald niemand mehr zahlt.

    Der Autor hat sich von Germanistik (hoffentlich nicht bei den Stalinisten, wie sie sich in Göttingen selbst nennen) wenigstens in Richtung VWL besonnen, was auch nichts Tolles ist und schreibt nun. Es muß dann aber glaubwürdig sein. Aber das ist es nicht. Es ist ein Schulaufsatz, der mit Floskeln und Phrasen angereichert ist, die nicht interessieren und inhaltlich mit der Realität nichts zu tun haben. Die Realität ist: Die Menschen bieten Leistung und suchen im Gegenzug dann Sicherheit, Stabilität und Halt, weil sie eine Familie gründen wollen.

  • Der Autor beschreibt die Situation wenigstens in Teilbereichen zutreffend, wenn er sagt, "die Universitäten und Fachhochschulen spülen weiter Absolventen auf den Arbeitsmarkt".

    Nach meiner Einschätzung ist das in den letzten 10 bis 15 Jahren der maßgebliche Grund für den Anstieg der Menge der Freiberufler. Freiberufler zu sein, ist nur dann schön und angenehm, wenn man der großen Masse der Konkurrenten immer etliche Schritte voraus ist und auch bei 60 oder 70 Wochenstunden noch nicht übermüdet ist.

  • Als ob es so einfach wäre - ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es nicht so romantisch ist. Ich habe 2 kleine Kinder und davor im mittleren Management gearbeitet. Es hat sich schnell heraus gestellt, dass es in Teilzeit in meiner Branche keine Arbeitsplätze gibt, in denen ich wenigstens halbwegs meine Kompetenzen und mein Fachwissen nutzen könnte. Also welcher Weg bleibt mir, wenn ich sowohl für meine Kinder ausreichend Zeit haben möchte, als auch im Job wieder Fuß fassen? Entweder ein Job unter meiner Qualifikation oder die Selbstständigkeit - und die funktioniert nicht am Wohnzimmertisch wenn die Kids dabei spielen, die findet in der kinderfreien Zone statt, also auch Nachts und am Wochenende!

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